27.12.2017, 13:00 Uhr

Bezirksgericht Jennersdorf ist Geschichte

Das Bezirksgericht Jennersdorf wird zu Jahresende 2017 geschlossen, Richter Hubert Pechlaner und seine Mitarbeiter siedeln nach Güssing.
Jennersdorf: Bezirksgericht |

Vor Weihnachten fand die letzte Verhandlung nach 96 Jahren Gerichtsgeschichte statt.

Dienstag, 19. Dezember 2017, 13.30. Am Bezirksgericht Jennrsdorf beginnt eine Verhandlung. Es geht um einen fraglichen ärztlichen Behandlungsfehler. Ein klagender Patient, ein beklagter Arzt, Gutachter und Anwälte sitzen Richter Hubert Pechlaner gegenüber, um ihre Sichtweisen zum Fall darzulegen.

Diese Verhandlung hat historischen Charakter. Es ist nämlich die allerletzte, die hier stattfindet. Ab 1. Jänner 2018 wird das Bezirksgericht Jennersdorf nach Güssing verlegt.
Ein bisschen Wehmut ist in den Gängen des Gerichtes zu spüren. Die Rechtspfleger stellen sich mit dem Gerichtsvorstand für ein letztes Foto.

Gegründet 1921, neu eröffnet 1928

Das Bezirksgericht am nun auslaufenden Standort wurde am 1. Oktober 1928 eröffnet. Vorher gab es einen anderen Standort. Vor 1921 war der Gerichtsstandort St. Gotthard.

Das Bezirksgericht war zuständig für Nachbarschaftsstreitigkeiten, Verkehrsunfälle, Besitzstörungen, Unterhaltszahlungen, Scheidungen, Wegweisungen und dergleichen. In früheren Zeiten war auch ein Gefängnis angeschlossen, in dem kürzere, meist Ordnungshaftstrafen verbüßt wurden.

Letzte Jahres-Statistik

Im Jahr 2017 gab es  in Jennersdorf zehn Strafverhandlungen, 1.500 Exekutionsakten, 550 Zivilprozesse, 200 Verlassenschaftsverhandlungen, 41 Sachwalterschaftsakten und 37 Scheidungen.

Für den Richter Hubert Pechlaner fällt der Abschied wie für alle Mitarbeiter schwer: "Ich habe meine Wurzeln in Neuhaus am Klausenbach und fühle mich mit dem Bezirk eng verbunden". Er atmet durch. "Aber es muss wieder einen Neubeginn geben".

Wechsel nach Güssing

Insgesamt neun Personen werden ihren Arbeitsplatz im nächsten Jahr in Güssing einnehmen. Mitgenommen werden alle Akten, da es den "digitalen Akt" noch nicht gibt. Vorausgegangen ist das Grundbuch.

Justizminister Wolfgang Brandstetter traf mit dem ehemaligen Bürgermeister Bernhard Hirczy zwar eine Vereinbarung, dass ein Sprechtag des Gerichtes in Jennersdorf stattfinden wird, doch beide haben das Sagen nicht mehr.

Das Gerichtsgebäude mit dem Doppeladler des Ständestaates über dem Eingang ist in gutem Zustand und seit zwei Jahren in Privatbesitz. Es könnte für jeden anderen Zweck weiter vermietet werden.
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