40 Jahre Frauenhäuser in Wien: "Am Anfang war ich sehr verliebt"

Anne Wanner, Sandra Frauenberger, Martina Ludwig-Faymann, Andrea Brem und Matthias Beitl (v.l.) in der Ausstellung.
  • Anne Wanner, Sandra Frauenberger, Martina Ludwig-Faymann, Andrea Brem und Matthias Beitl (v.l.) in der Ausstellung.
  • hochgeladen von Andreas Edler

JOSEFSTADT. Vor 40 Jahren wurde der Verein "Soziale Hilfen für gefährdete Frauen und Kinder" gegründet. Im November 1978 wurde dann das erste Frauenhaus in Wien eröffnet. Heute gibt es bereits vier Häuser, die Frauen in Zeiten der Not Schutz bieten.

Das Volkskundemuseum hat nun zusammen mit dem Verein eine Ausstellung mit dem Titel "Am Anfang war ich sehr verliebt …" – ein Satz, mit dem viele Geschichten beginnen – auf die Beine gestellt, um den Werdegang der Frauenhäuser zu dokumentieren und den Menschen näherzubringen. Auch betroffene Frauen waren an den Arbeiten für die Ausstellung beteiligt. "Da wir keine materiellen Exponate haben, war es schwierig, die Ausstellung zu gestalten", sagt Kuratorin Anne Wanner. Statt einer Ausstellung mit Tafeln, auf denen Geschichten geschrieben stehen, dienen Objekte, die mit den Geschehnissen assoziiert werden, als Ausstellungsstücke. So findet man zum Beispiel einen Aschenbecher neben einem Kaffeehäferl oder Kinderspielzeug. Die Geschichte der Verbrechen an Frauen soll so vermittelt und die Besucher dafür sensibilisiert werden.

Gewalt gegen Frauen

Trotz des Umdenkens, wenn es um Gewalt gegen Frauen geht, wird das Thema auch heute noch als Tabu angesehen. Zurzeit ist jede fünfte Frau von Gewalt durch ihren Ehemann oder Partner betroffen. Der Schritt ins Frauenhaus fällt dabei aber keiner leicht. "Deswegen auch der Spruch ‚Mut zu gehen‘. Schließlich packt man seine Sachen, nimmt das Kind, geht in ein fremdes Haus mit Sicherheitsschleuse, das ist ein schwieriger Schritt", sagt An-drea Brem, Geschäftsführerin des Vereins Wiener Frauenhäuser. Und oft sei es mit dem Einzug in ein Frauenhaus nicht getan. Viele Männer würden dann weiter Druck ausüben oder die Frauen und auch die Mitarbeiterinnen bedrohen.

Die Arbeit im Frauenhaus

Neben der Geschichte der Klientinnen werden auch die Frauenhäuser als Arbeitsplatz thematisiert. Die Mitarbeiterinnen schildern die Herausforderungen und Belastungen, die mit der Arbeit einhergehen. Mehr als 100 Frauen arbeiten in den Frauenhäusern und in den Außenstellen. Ständig werden sie mit Gewalt oder Traumata konfrontiert und müssen die Geschehnisse verarbeiten.

Sandra Frauenberger, SPÖ-Stadträtin für Soziales, Gesundheit und Frauen, war ebenfalls bei der Ausstellungseröffnung zu Gast. "Es ist beeindruckend. Diese Ausstellung macht spürbar, was geleistet wurde." Spürbar macht diese Ausstellung auch das Leid, das manche Frauen ertragen mussten. "Man geht hinein und ist betroffen", sagt Museumsdirektor Matthias Beitl.

Ausstellung bis 30. September im Volkskundemuseum

Die Ausstellung "Am Anfang war ich sehr verliebt …" ist bis 30. September im Volkskundemuseum zu sehen. Mehr Informationen gibt es online unter www.volkskundemuseum.at und auf Facebook. 

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