Café Eiles
"Die Melange wie gestern?"

Eiles-Eigentümer Gert Kunze setzt im Kaffeehaus auf Tradition, Modernität und Herzlichkeit im Service.
  • Eiles-Eigentümer Gert Kunze setzt im Kaffeehaus auf Tradition, Modernität und Herzlichkeit im Service.
  • Foto: Brunnbauer
  • hochgeladen von Davina Brunnbauer

Das Café Eiles ist eines der großen Wiener Kaffeehäuser. Sein Geheimrezept: die Gäste wahrnehmen.

Hohe Decken, dunkle Möbel, gemütliche Sitzecken mit roten Bezügen und große Luster: Beim Betreten des Café Eiles in der Josefstädter Straße fühlt man sich beinahe in der Zeit zurückversetzt. "Treffen illegaler Nationalsozialisten, ein Lesbencafé in den 1930er-Jahren, verbotene Glücksspiele oder auch die Verhandlungen des Haider-Schüssel-Pakts – das Kaffeehaus hat eine bewegte Vergangenheit", erzählt Betreiber Gert Kunze.

Tatsächlich hat man den Absprung in die Moderne allerdings geschafft. Vor sechs Jahren ist der Unternehmenssanierer Kunze als Geschäftsführer eingestiegen, hat das kurz vor dem Konkurs stehende Café sanft renoviert und dann selbst übernommen. Seine Maxime: Top-Qualität, modern präsentiert, und der beste Kaffee der Stadt. "Dazu braucht es Freundlichkeit und Herzlichkeit, mit der wir unsere Gäste begrüßen", erklärt Kunze. "Die Menschen sollen sich erkannt und registriert fühlen. Bei uns kann man das Frühstück oder die Melange ‚so wie gestern‘ bestellen. Das erstaunt die Leute immer wieder."

Wiedererkennungswert

Und das scheint gut anzukommen. Touristen würden einen großen Anteil der Besucher ausmachen, aber auch viele Wiener Stammgäste regelmäßig kommen – auch aus anderen Bezirken oder sogar aus Niederösterreich. Das Publikum ist bunt gemischt: "Wir haben Schüler, Studenten, Kartenrunden, ältere Damenrunden, Jugendgruppen, natürlich auch Schauspieler aus der Burg und der Josefstadt sowie Politiker aller Couleurs", meint Kunze. "Und auch viele Leute arbeiten hier. Ich bekomme jedes Jahr zwei bis drei Bücher geschenkt, die im Eiles geschrieben wurden." Wochentags gibt es zu Mittag ein Tagesmenü um 7,50 Euro, daneben klassische Wiener Küche – mit Wiener Schnitzel, Fiakergulasch, Eiernockerl und Rahmspinat –, sechs Frühstücksvariationen sowie hausgemachte Mehlspeisen von Topfenstrudel, Sachertorte bis hin zur Eiles-Torte mit Mohn, Preiselbeeren und Schokoladenglasur.

Kunze weiß, was es braucht, damit die Stimmung und die Atmosphäre in einem Lokal passen: "Man muss es auch selbst ausstrahlen. Das versuche ich, zu leben, und das haben auch meine Mitarbeiter verstanden. Ich bin glücklich, dass uns das gelungen ist." Auch eine weitere Besonderheit findet man bei Kunzes Mitarbeitern vor: Einige von ihnen haben Fluchthintergrund. Bereits 2012 hat er begonnen, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge als Lehrlinge einzustellen. Mittlerweile würden fünf Afghanen im Eiles arbeiten, einer von ihnen habe die Lehre bereits abgeschlossen. Und die Erfahrungen seien sehr gut: "Meine Lehrlinge sind total willig und lernfähig, auch sprachlich höchst begabt. Man lernt voneinander."

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