Lehre in Wien-Josefstadt
Uhrmacher sterben nicht aus

Das Arbeiten an der Werkbank verlangt jungen Uhrmachern wie Stephanie Ramsauer einiges ab.
  • Das Arbeiten an der Werkbank verlangt jungen Uhrmachern wie Stephanie Ramsauer einiges ab.
  • hochgeladen von Maximilian Spitzauer

Stephanie Ramsauer hat einen Beruf ergriffen, der oft als "aussterbendes Handwerk" verschrien ist.

JOSEFSTADT. Viel Geduld, Konzentration und ein ruhiges Händchen braucht man, um ein erfolgreicher Uhrmacher zu werden. Das sagt auch Stephanie Ramsauer, die im "Uhr-Werk" in der Josefstädter Straße ihre Lehre zur Uhrmacherin absolviert. Eigentlich hat sie ja Architektur studiert, "da ist mir aber zu wenig Technik dabei". Also warum nicht das Handwerk ergreifen, das auch schon der Vater gelernt hat?

Gut, nicht genau das gleiche. "Mein Vater hat sich auf Großuhren spezialisiert, also auf alles vom Wecker bis zur Kirchenuhr", erklärt Ramsauer. Die Tochter hat es zu den Kleinuhren, also Armband- und Taschenuhren, verschlagen. Beim Vater selbst wollte sie nicht in die Lehre gehen. "Ich denke, ein familiäres Verhältnis ist nicht besonders gut für eine Ausbildung", meint Ramsauer.

Immer wieder werden Uhrmacher als aussterbende Spezies bezeichnet. Wenn es nach Ramsauer geht, ist das nicht so. "Eine schöne Uhr ist wie ein Auto, das man auch warten muss", erklärt sie. Im Gegensatz zu digitalen Uhren können mechanische Uhren in den meisten Fällen repariert werden und bleiben so über Generationen hinweg in der Familie. "Das ist eigentlich der Gegensatz zur Wegwerfgesellschaft. Uhrmacher ist ein nachhaltiger Beruf", ist die Uhrmacherin überzeugt.

Neues Leben für Uhren

Dieses neue Leben stellt auch die Faszination für Ramsauer dar. "Wenn man eine lang getragene Uhr in die Hände bekommt, die Teil für Teil zerlegt und dann repariert, ist das, als würde man die Uhr wiederbeleben", sagt Ramsauer. Dabei ist aber auch Vorsicht geboten, denn wenn man ein Teil fallen lässt, ist Suchen angesagt. "So eine Spirale in der Unruh (das Schwingsystem in mechanischen Uhren) ist nur zwischen acht und elf Millimeter groß." Aber Gott sei Dank passiert das kaum. "Mir ist noch nie etwas verloren gegangen", sagt Ramsauer beruhigt.

Bei den Werken gibt es immer wieder Unterschiede, die den Beruf spannend machen. In erster Linie ist das natürlich abhängig von der Marke, zum anderen vom Alter der Uhr und davon, wie viele "Bonus-Features" diese Uhr hat. "Mit einer Uhr, die einen Stunden- und einen Minutenzeiger hat, bin ich in zwei Stunden fertig. Wenn da aber noch die Anzeige des Datums und des Wochentags, eine Stoppuhr oder sonstige Teile sind, kann das auch acht Stunden dauern", so Ramsauer

. Da muss man auch manchmal kurz aufstehen und sich eine Ablenkung suchen. "Dann fängt die Hand an zu zittern und man wird unkonzentriert." Entsprechend steigt auch die Chance, etwas fallen zu lassen. Stephanie Ramsauer will ihr Architekturstudium auf jeden Fall noch abschließen, "aber zuerst mache ich die Meisterprüfung. Die hat Vorrang."

Autor:

Maximilian Spitzauer aus Hietzing

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