Stadtexpedition durch Josefstadt
Zeitreise von 1950 bis heute

v.l: Martin Frey und Philipp Graf
27Bilder

In Zusammenarbeit mit dem Wien Museum finden Führungen zu Geschäften mit Geschichte statt.

JOSEFSTADT. "Schon vor einigen Jahren wurden wir auf alte Geschäfte und Manufakturen, die noch immer ein Teil des Stadtbildes sind, aufmerksam. Die alten Portale mit ihren außergewöhnlichen Beschriftungen sind oft kleine Kunstwerke für sich", beschreibt Martin Frey die Rundgänge.
Frey ist gemeinsam mit Philipp Graf der Initiator der Führungen "Geschäfte mit Geschichte". Läden aus der Mitte des 20. Jahrhunderts werden bei den Exkursionen besichtigt.

Geschäfte mit Geschichte

Seit 2009 sind die Initiatoren auf der Suche nach solchen Unikaten. Sie fotografieren und dokumentieren das Verschwinden, die Umwandlung bzw. die Umwidmung von traditionellen Geschäften und Portalen. Unzählige ihrer Fotografien sind von Meistern wie Adolf Loos, Otto Wagner oder Josef Hoffmann geprägt. Aber auch modernere Konzepte von Hans Hollein und Hermann Czeck sind Teil der Ladenarchitektur. "Wichtig waren uns bei der Auswahl unserer Touren allerdings das Gesamtkonzept der einzelnen Geschäfte, eine entsprechende Portalgestaltung, die Auslagen, typografisch interessante oder ungewöhnliche Beschriftungen, aber auch die Besonderheiten des Warenangebots", gibt Graf zu verstehen. 

Diesmal standen Geschäfte in der Josefstadt im Mittelpunkt. Pünktlich um 15 Uhr trafen sich 25 Interessierte, um zu insgesamt acht Plätzen aufzubrechen. Die erste Station war eine Plis­see-Werkstatt, in der dieses Handwerk bis heute in alter Tradition ausgeübt wird. Danach ging es zu einem Frisiersalon, wie man ihn aus längst vergangenen Zeiten kennt: alte Plakate in der Auslage und das Interieur aus den 1950er-Jahren, Frisierabteile mit den typischen Trockenhauben, die für die damals turmhohen Frisuren der Damen verantwortlich waren. In unmittelbarer Nähe fand dann der Besuch eines moderneren, aber auffälligen Frisiersalons in nüchternem, minimalistischen Design statt. Danach folgte der Besuch eines Knopfgeschäfts in der Lederergasse. "Schneiderzugehör und Schnitte" kann man auf dem Schild lesen. Innen findet man eine wahre Flut von allerlei Kurzwaren, Stoffen und natürlich fein säuberlich sortierten Knöpfen.

Eisenwaren und Küchengeräte bekam man in der Josefstädter Straße zu sehen. Ein paar Meter stadtauswärts dann ein Buchladen, der seinesgleichen sucht und tausende Bücher beherbergt. Dann die alte Löwen-Apotheke in stilvollem Ambiente, wo die Inneneinrichtung alleine schon eine Geschichte erzählt. Zum Abschluss des Rundgangs kehrte man schließlich im Cafésalon ein, einer Mischung aus Café, Bistro und Espresso mit dem Originalinterieur aus den 1970er-Jahren.

Ein interessantes Detail dieser Führungen sind sicher auch die Geschichten, die von den heutigen Betreibern erzählt werden, teils witzig, skurril und manchmal auch ein wenig traurig. Die beiden Stadtentdecker bezeichnen ihre Ausflüge zu den "Geschäften mit Geschichte" als eine Spurensuche zu dem, was wert wäre, in Erinnerung zu behalten.

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