29.11.2016, 16:03 Uhr

Stoff für faires Spiel

Unter menschenwürdigen Bedingungen entstehen bunte Stofftiere, Heimtextilien und Schmuckstücke aus Stoffresten. (Foto: Selyn)
Was ist ein wert-volles Geschenk? Immer mehr Menschen fragen genauer nach und wollen wissen, woher ein Produkt kommt und unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde. Bei Produkten aus Fairem Handel geht es neben der Freude für die Beschenkten auch um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen für die ProduzentInnen. Das Beispiel Selyn aus Sri Lanka verbindet innovatives Design und traditionelle Webtechnik mit dem Anspruch, sozial wirksam zu sein.

Sechs bis sieben Meter Stoff pro Tag schafft eine erfahrene Weberin in Sri Lanka am Handwebstuhl. Doch in den letzten Jahrzehnten kommen vermehrt Maschinen zum Einsatz und verdrängen zunehmend die traditionsreiche Technik. Mit dem Niedergang der Handweberei geht auch eine wichtige Erwerbsquelle in vielen Dörfern auf dem Land verloren.

Perspektiven schaffen


Dem wollte die Anwältin Sandra Wanduragala Anfang der 1990er Jahre mit der Gründung von Selyn eine Alternative entgegensetzen. Ihr Ziel: Ein wirtschaftlich tragfähiges Unternehmen und gleichzeitig sozialen Mehrwert schaffen, Frauen auf dem Land zu Arbeit und Einkommen verhelfen und eine alte Handwerkstradition lebendig erhalten. Was vor 22 Jahren mit 15 Frauen in Kurunegala im Nordwesten Sri Lankas begann, ist heute ein Betrieb, der an die 1000 Menschen in die Produktion kunterbunter Stofftiere und farbenprächtiger Heimtextilien einbindet. Vom Färben des Baumwollgarns über das Weben bis hin zum Zuschnitt und dem Vernähen werden sämtliche Verarbeitungsschritte von Selyn koordiniert.


Überzeugen durch hohe Qualität


Hohe Qualitätsstandards sind dabei zentral. Die Spielsachen müssen nicht nur vom Design überzeugen, sondern auch frei von gesundheitsschädlichen Stoffen sein. „Wenn die Qualität nicht passt, werden wir die Produkte langfristig nicht erfolgreich verkaufen,“ ist Selyna Peiris überzeugt. Sie ist die Tochter der Gründerin von Selyn, und inspirierte die Mutter zum Namen des Betriebs. Die heute 28-Jährige absolvierte ihre Ausbildung in Sri Lanka, Großbritannien und Österreich. Seit 2013 arbeitet sie bei Selyn im Bereich der Unternehmensentwicklung. „Bei jeder Entscheidung, die wir treffen, denken wir daran, welche Auswirkungen sie auf die Menschen hat, mit denen wir arbeiten,“ stellt Peiris fest. Auch Umweltaspekte spielen eine Rolle. So legt man bei Selyn größten Wert auf Abfallvermeidung. Stoffreste werden nicht entsorgt, sondern zu originellen Schmuckkreationen weiterverarbeitet.

Frauen stärken


Die Angestellten – über 90 Prozent Frauen – profitieren von geregelten Arbeitszeiten, deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn liegender Bezahlung sie haben Anspruch auf bezahlten Krankenstand und bezahlten Mutterschafts-urlaub – alles keineswegs selbstverständlich in Sri Lanka. Dazu kommen weitere Sozialleistungen wie etwa die Einrichtung einer Kinderbetreuung in einer der Webereien, Bonuszahlungen, zinslose Kredite oder medizinische Betreuung. In den letzten Jahren kooperiert Selyn vermehrt mit unabhängigen Werkstätten aber auch Heimarbeiterinnen. Mit der Weitergabe von Know-How, kontinuierlichen Aufträgen und einem fairen Miteinander schafft man Perspektiven.

Etwa 60 Prozent der Produktion geht in den Export. Doch auch der heimische Markt ist für Selyn ein Bereich, in dem man noch stärker Fuß fassen will. Selyna Peiris hat dabei ein klares Ziel vor Augen: „Ich möchte, dass Selyn zu einer Marke wird, die nicht nur für ein gutes und modernes Produkt steht, sondern wirklich für und mit den Frauen in diesem Land arbeitet und so zu einer Plattform wird, um auch die Politik gegenüber Frauen in Sri Lanka zu beeinflussen. Ich glaube, das ist möglich. Wir müssen es nur tun!“

Seit 2009 ist Selyn Mitglied der World Fair Trade Organisation. EZA Fairer Handel aus Österreich kooperiert seit 2013 mit dem Unternehmen und beliefert die Weltläden in Österreich mit den originellen Stoffspielsachen. „In der herkömmlichen Spielzeugproduktion werden oft Menschen- und Arbeitsrechte missachtet,“ stellt Karin Thaler von der Fairtrade-Plattform Josefstadt fest. „Die lustigen Stofftiere von Selyn könnten nicht nur so manches Kinderherz erobern, sie stehen auch für mehr Fairness in der Produktion!“

Der Bezirk Josefstadt ist ein offizieller Fairtrade Bezirk. Im Rahmen der Agenda Josefstadt gibt es auch eineFairtrade Plattform. Wenn Sie finden dass sich im Bezirk zu wenig zu diesem Thema tut, werden Sie aktiv! Sie finden uns Montags von 14:00 - 19:00 im Agendabüro in der Piaristengasse 32 oder jederzeit per Email unter info@agendajosefstadt.at oder unter 0677 613 89 500.
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