Öffentlicher Verkehr
Es fehlt eine attraktive landesweite Netzkarte

Der Verein Fahrgast Kärnten hat Anregungen, was den öffentlichen Verkehr in Kärnten betrifft
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Öffentlicher Verkehr in Kärnten soll Schritt für Schritt attraktiviert werden. Der Verein Fahrgast Kärnten hat einige Anregungen, was Verbesserungen betrifft, auf die der Fokus zu legen wäre.

KÄRNTEN. Ab Mai zahlen Kärntner Senioren nur noch den halben Preis für die Öffi-Jahreskarte (wir berichteten hier). Laut Mobilitäts-Referent Landesrat Ulrich Zafoschnig ist dies ein "erster Schritt", denn es sollen weitere Maßnahmen folgen – für Senioren wie für alle anderen Generationen, im Bereich des Angebots und des Tarifsystems. Mit letzterem soll sich sogar eine Reformgruppe in der Tiefe beschäftigen.

Erster positiver Schritt

Der Verein Fahrgast Kärnten begrüßt diese Entwicklungen. Das "Senioren-Ticket" sei ein erster Schritt und generell sei es positiv, dass für den öffentlichen Verkehr wieder mehr Bewusstsein geschaffen wird. Allerdings habe es schon Rückmeldungen von Senioren gegeben, die bemängeln, dass es sich um ein streckenbezogenes Jahresticket handelt. Pensionisten würden eher ein vergünstigtes Ticket benötigen, das für ganz Kärnten gilt – etwa für Ausflüge.

Es fehlt landesweites Ticket

In Kärnten gelten 50 Tarif-Zonen. Ohne Stadtzuschlag kostet ein Jahresticket für ganz Kärnten 2.420 Euro. Für eine typische Pendlerstrecke wie Klagenfurt-Villach zahlt man 1.035 Euro (1.320 Euro mit Klagenfurter Stadtzuschlag, also Stadtwerke). Und da fährt man nur diese Strecke und keine andere.
Ein Fahrgast Kärnten-Vergleich: In Tirol werden landesweit im Jahr höchstens 490 Euro (!) verrechnet, in Salzburg kostet das Landesticket inklusive Stadt Salzburg 1.539 Euro (ohne Stadt 1.400 Euro).
In Kärnten fehlt ein solches landesweites Ticket.

Der überparteiliche Verein sieht sich als "kostenloser Feedback-Lieferant von Öffi-Nutzern für Verkehrsunternehmen und die Politik". "Um konstruktiv etwas weiterzubringen", sagt Obmann Markus Lampersberger. Daher hat Fahrgast Kärnten auch Anregungen, was Angebot und Tarifsystem betrifft.

Anregungen für das Angebot

Bei Fahrplan bzw. Angebot gibt es zwei zentrale Punkte für den Verein:

  • Frühzug Klagenfurt-Salzburg: Die früheste Anbindung startet um 6.45 Uhr und ist um 9.45 Uhr in Salzburg. "Das ist zu spät, es geht schließlich auch um Anschlüsse, z. B. nach München", sagt Obmann-Stellvertreter Eduard Kaltenbacher.
  • Das S-Bahn-Angebot an Sonn- und Feiertagen sei auf der Hauptlinie (S1) zwischen Friesach und Spittal mit Zwei-Stunden-Takt unzureichend. 
  • Ein weiterer Wunsch für die S1: Im Kärntner Zentralraum fährt sie an Werktagen vor 8 Uhr bedarfsorientiert, was der Verein positiv bewertet. Einen 30-Minuten-Takt gibt es allerdings erst ab Mittag. Dieser wäre für den Vormittag wünschenswert.
  • Noch ein Wunsch betrifft ländliche Regionen: Rufbusse mit fixem Fahrplan nach dem Vorbild im Gailtal (Bestellung bzw. "Ruf" bis zwei Stunden vor Abfahrt) fürs Wochenende seien sinnvoll. Ein solches Angebot fehlt zum Beispiel gänzlich im Görtschitztal und am Wörthersee-Südufer.

Anregungen für das Tarifsystem

Im Hinblick auf das Tarifsystem sieht Fahrgast Kärnten hier Handlungsbedarf: 

  • Familienermäßigung im Linientarif des Verkehrsverbundes: Ein "Familien-Vorteil" nach Vorbild ÖBB wäre – wie in anderen Bundesländern bereits geschehen – auch für den Verkehrsverbund Kärnten, also auch für Busse, wichtig. 
  • Ermäßigung für Jugend: Es gibt zwar das praktische "Jugend.mobil-Ticket" im Verkehrsverbund, allerdings gilt das nur für Kärntner Jugendliche.
  • Ein österreichweiter Wunsch der Fahrgast-Verbände: die "Vorteilscard-Classic" der ÖBB auch für Busse. 

Kombination aus Angebot und Preis

Die Vision, und solche müsse man haben, so Kaltenbacher, sei ein österreichischer Verkehrsverbund mit einheitlichem Tarifsystem. Um mehr Kärntnern den öffentlichen Verkehr schmackhaft zu machen, sei eine attraktive Kombination aus Angebot und Preis wichtig, meint er. "Natürlich muss dies auch finanziert werden können. Doch öffentlicher Verkehr wird sich nie rechnen", sagen die Fahrgäste-Vertreter und hoffen auf ein Bekenntnis für die Öffis seitens des Landes, was sich auch budgetär niederschlägt.

Der Verein Fahrgast Kärnten hat Anregungen, was den öffentlichen Verkehr in Kärnten betrifft
Vom Verein Fahrgast Kärnten: Obmann Markus Lampersberger (links) und Stellvertreter Eduard Kaltenbacher

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