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Neue Kärntner Qualifizierungsinitiative "Du kannst was"

Land Kärnten, Arbeiterkammer und Wifi wollen Hilfsarbeiter zu Facharbeitern machen, um ihnen mehr Chancen im Berufsleben zu geben. Sie können ihren Lehrabschluss nachholen.
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  • Land Kärnten, Arbeiterkammer und Wifi wollen Hilfsarbeiter zu Facharbeitern machen, um ihnen mehr Chancen im Berufsleben zu geben. Sie können ihren Lehrabschluss nachholen.
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Land Kärnten, Arbeiterkammer und Wifi wollen Hilfsarbeiter zu Facharbeitern machen, um ihnen mehr Chancen im Berufsleben zu geben. Sie können ihren Lehrabschluss nachholen. 

KÄRNTEN. "Du kannst was – von der Hilfskraft zur Fachkraft" nennt sich die Qualifizierungsinitiative, die das Land Kärnten in Kooperation mit der Arbeiterkammer (AK) Kärnten und dem Wifi Kärnten nun startet. Landeshauptmann Peter Kaiser, Landeshauptmann-Stellvertreterin Gaby Schaunig, Christoph Appé, Bereichsleiter und Projektbeauftragter der Arbeiterkammer Kärnten, und Wifi-Institutsleiter Andreas Görgei präsentierten das Projekt, das in anderen Bundesländern bereits erfolgreich durchgeführt wird.

Qualifizierung entscheidend für Einstufung

"Es gibt sehr viele Kärntner, die am Arbeitsmarkt als Hilfsarbeiter eingestuft sind, weil sie keine Lehrabschlussprüfung vorweisen können. Aber sie haben Kompetenzen, die meistens über die Einstufung im Beruf hinausgehen", so Kaiser zum Hintergrund. "Das bedeutet, diese Menschen haben Kompetenzen erworben, die man eigentlich in einer Lehre erwerben würde, aber ihnen fehlt der formale Abschluss", führte Schaunig aus.
Durch das Projekt sollen Teilnehmer den Lehrabschluss nachholen können, um bessere Perspektiven im beruflichen Leben zu erlangen. Denn eine Qualifizierung, die man vorweisen kann, ist entscheidend für die Einstufung. Schaunig: "Das hat finanzielle Auswirkungen. Das Gehalt differiert, vergleicht man Hilfs- und Facharbeiter, zwischen 30 und 40 Prozent. Das setzt sich fort bis zum Pensionsbezug. Gut ausgebildete Mitarbeiter sind die beste Wirtschaftsförderung."

Schnellere Vermittlung durch AMS

Auch die Vermittlungsquote beim Arbeitsmarktservice (AMS) ist bei Facharbeitern natürlich besser, Betriebe achten bei der Einstellung auf die formale Qualifikation. Kaiser führte aus, dass Personen mit Lehrabschluss durchschnittlich nach 190 Tagen vermittelt werden, Hilfsarbeiter nach 230 Tagen. 

Erstberatungen ab dem Sommer

Appé erläuterte die Teilnahme-Voraussetzungen: Man muss mindestens 22 Jahre alt sein, in einem aufrechten Beschäftigungsverhältnis stehen und mindestens fünf Jahre Praxiserfahrung im Beruf haben. 
Der Ablauf der Qualifizierung:

  1. Erstberatung durch die Arbeiterkammer, um grob die Kenntnisse zu überblicken
  2. begleitender Selbsteinschätzungsprozess durch die Arbeiterkammer (Workshops), die Kenntnisse werden tiefer eruiert, zumindest 50 Prozent dieses Prozesses können digital erfolgen
  3. erster Qualifizierungscheck durch die Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer
  4. individuelle Weiterbildungsmaßnahmen durch Wifi und BFI – je nach Kenntnissen
  5. zweiter Qualifizierungscheck durch die Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer
  6. im Idealfall Ausfertigung des Lehrabschlussprüfungszeugnisses

Die Erstberatungen werden schon ab dem heurigen Sommer durchgeführt, die Maßnahmen starten dann im Herbst. In einem ersten Schritt will man so ca. 40 Personen qualifizieren.

Peter Kaiser (per Video zugeschaltet) mit Gaby Schaunig, Andreas Görgei und Christoph Appé (rechts)
  • Peter Kaiser (per Video zugeschaltet) mit Gaby Schaunig, Andreas Görgei und Christoph Appé (rechts)
  • Foto: LPD Kärnten/Wajand
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Lebenslanges Lernen

Görgei geht von einer Zielgruppe von 2.000 bis 3.000 Personen zwischen 25 und 64 Jahren in Kärnten aus. 14 Prozent der 25- bis 64-Jährigen in Kärnten können nur einen Pflichtschulabschluss vorweisen. "Wir wollen mit dem Projekt zeigen, dass man sich immer weiterentwickeln kann. Das stärkt auch das Selbstbewusstsein. Und eine Lehrabschlussprüfung ist auch die Basis für weitere Qualifikationen wie die Berufsreifeprüfung", so Görgei. 
Das Wifi wird sich mit der entsprechenden Ausbildung einbringen. "Wir bieten hunderte Vorbereitungskurse für den Lehrabschluss. Bei diesem Projekt individualisieren wir die Ausbildungsprogramme und wir garantieren, dass diese 40 Personen den Lehrabschluss erlangen. Wir lassen sie nicht alleine."

Maßgeschneidertes Ausbildungspaket

Kompetenzen, die schon vorhanden sind, muss man also nicht nochmal erwerben. Das ist auch das Besondere am Projekt: die Individualität. Die Arbeiterkammer ermittelt genau, welche Kompetenzen für einen Lehrabschluss noch notwendig sind, Wifi und BFI liefern dann das maßgeschneiderte Ausbildungspaket dafür. Man geht davon aus, dass die Teilnehmer bis zu zwei Jahre für den Lehrabschluss brauchen werden.
Die Kurse sind außerhalb der normalen Arbeitszeit möglich. Görgei appelliert jedoch an die Firmen, ihre Mitarbeiter für die Qualifizierungsmaßnahmen freizustellen.

Kosten: 125.000 Euro pro Jahr

Das Projekt verursacht Kosten von 125.000 Euro pro Jahr (kalkuliert für 50 Teilnehmer). 93.750 Euro steuert das Land bei, 31.250 die Wirtschaftskammer und die Arbeiterkammer Sachleistungen.
Das Programm ist für die Teilnehmer kostenlos. "Außer es sind Spezialschulungen nötig", so Appé. Aber auch dafür gibt es eine Qualifizierungsförderung.    
Ein Vergleich:
Einstiegsgehalt laut Kollektivvertrag – Unterschied zwischen Fach- und Hilfsarbeiter:

  • KFZ-Mechanik: 2.260 Euro mit Lehrabschluss, 1.941 Euro ohne
  • Handel/Verkauf: 1.675 Euro bzw. 1.589 Euro
  • Tischlerei: 2.071 Euro bzw. 1.790 Euro
  • Gastronomie: 1.650 Euro bzw. 1.540 Euro
Land Kärnten, Arbeiterkammer und Wifi wollen Hilfsarbeiter zu Facharbeitern machen, um ihnen mehr Chancen im Berufsleben zu geben. Sie können ihren Lehrabschluss nachholen.
Peter Kaiser (per Video zugeschaltet) mit Gaby Schaunig, Andreas Görgei und Christoph Appé (rechts)

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