Corona-Virus
Schuschnig für regionale Lockerungen im Tourismus

Die Seenregionen seien mittlerweile ganz gut gebucht. Man müsse alles daran setzen, den Herbst touristisch zu nutzen.
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  • Die Seenregionen seien mittlerweile ganz gut gebucht. Man müsse alles daran setzen, den Herbst touristisch zu nutzen.
  • Foto: Franz Gerdl
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Der Kärntner Tourismus ist bereit für den Neustart am Freitag. Durch eine eigene "Containment-Strategie" haben Kärntner Betriebe einen Leitfaden, was bei einem Corona-Fall oder Verdachtsfall zu tun ist. Tourismus-Landesrat Sebastian Schuschnig spricht sich für regionale Lockerungen aus, was die Sperrstunde in der Gastronomie und Mund-Nasen-Schutz für Mitarbeiter betrifft, die im Rahmen des Pilotprojekts flächendeckend getestet werden.

KÄRNTEN. Am Freitag öffnen die Beherbergungsbetriebe nach dem Shutdown ihre Türen. Daher gaben Tourismus-Landesrat Sebastian Schuschnig, Kärnten-Werbung-Chef Christian Kresse und der neue Tourismus-Spartenobmann in der Wirtschaftskammer Josef Petritsch einen Ausblick auf die Saison.
Schuschnig startete aber mit einem Rückblick: Bei den Übernachtungen betrug das Minus im April 94,2 Prozent. Die gesamte Wintersaison bilanzierte mit minus 13,7 Prozent. "Bis Februar hatten wir fast plus neun Prozent, dann kam das vorzeitige Ende. Also ist in Kärnten das Minus im Winter geringer als andernorts."

Betriebe umfassend informiert

Gemeinsam mit Kärnten Werbung und Wirtschaftskammer habe man schnell begonnen, am "Recovery-Plan" für den Kärntner Tourismus zu arbeiten. In einzelnen Arbeitsgruppen wurden Verhaltensempfehlungen für Gäste sowie Maßnahmen und Empfehlungen für die Betriebe erarbeitet. Es gab dahingehend Online-Schulung mit bisher über 800 Teilnehmern, regelmäßige Video-Konferenzen mit Betrieben und über 9.000 Info-Poster wurden an die Betriebe verteilt. "Die Betriebe sind umfassend informiert", so Kresse, der auf das Tourismus-Informations-System der Kärnten Werbung touris.kaernten.at verwies.

Zweite Bewerbungsoffensive

Mit 1. Mai startete eine erste Bewerbungsoffensive mit einem Investitionsvolumen von zwei Millionen Euro im Bereich Inlandstourismus (mehr dazu hier). Schuschnig zufolge sei diese "sehr erfolgreich angelaufen". Im Fokus stand Kärnten als Ort für naturaktives Urlauben, die Südlichkeit und die Erinnerung an frühere Zeiten, als Kärnten noch ganz besonders beliebt bei Urlaubern aus Österreich war. 
Nun startet die zweite, grenzüberschreitende Bewerbungsoffensive mit dem Schwerpunkt deutscher und süddeutscher Raum. Dafür gibt es laut Kresse eine gemeinsame Kampagne mit Tirol und Salzburg.

Auch ein erstes Unterstützungspaket für Tourismusverbände wurde geschnürt (mehr dazu hier). Ab heute gibt es dazu die Antragsmöglichkeit bei der Abteilung 7 des Landes.

"Containment-Strategie" geht morgen an Betriebe

Außerdem ist die Region Wörthersee eine der bundesweiten Pilotregionen für flächendeckende Corona-Testungen bei Tourismus-Mitarbeitern (mehr dazu hier). Rund 500 Betriebe werden teilnehmen. Kärnten hat weiters eine eigene "Containment-Strategie" ausgearbeitet. Schuschnig: "Wir sind das erste Bundesland, das Antworten auf Fragen liefert, die vom Gesundheitsministerium bisher offen geblieben sind. Bei der ,Containment-Strategie' geht es darum, wie man mit einem Verdachtsfall oder bestätigten Corona-Fall in einem Tourismus-Betrieb umgeht." Details zur Strategie wollte er noch keine nennen, da diese heute noch mit den örtlichen Gesundheitsbehörden abgestimmt wird. Morgen soll die Strategie an die Betriebe ausgeschickt werden.

Freuen sich auf den Tourismus-Start am Freitag: Christian Kresse, Sebastian Schuschnig und Josef Petritsch (von links)
  • Freuen sich auf den Tourismus-Start am Freitag: Christian Kresse, Sebastian Schuschnig und Josef Petritsch (von links)
  • Foto: LPD Kärnten/Hude
  • hochgeladen von Vanessa Pichler

Hotels müssen offen bleiben können

Oberstes Ziel dabei sei, den betroffenen Gast oder Mitarbeiter so schnell wie möglich zu isolieren – idealerweise daheim – und so schnell wie möglich eine Testung in die Wege zu leiten. Für Betroffene, die sich nicht in Heimquarantäne begeben können, werden Ersatzquartiere zur Verfügung gestellt. "Wir müssen die Beherbergungsbetriebe Corona-frei halten, damit sie offen bleiben können", so Schuschnig. 

Regionale Lockerungen im Tourismus

Er sieht immer noch nicht alle Fragen durch das Gesundheitsministerium geklärt. Die derzeitige Regelung für Saunen etwa sei nicht praktikabel. Eine 90-Grad-Sauna müsste nämlich nach jedem Besuch desinfiziert werden. 
Landeshauptmann Peter Kaiser und Oberösterreichs Thomas Stelzer arbeiten ein Konzept für regionale Lockerungen von Corona-Maßnahmen aus. Zwei Punkte habe Schuschnig Kaiser dabei mit auf den Weg gegeben: Kärnten könnte die Sperrstunde in der Gastronomie schrittweise auf Mitternacht bzw. 1 Uhr erweitern. So würde man Schattengastronomie verhindern.
Der zweite Punkt betrifft Mund-Nasen-Schutz: Schuschnig sieht eine Aufhebung für jene Mitarbeiter im Tourismus möglich, die ohnehin im Rahmen des Pilotprojekts getestet werden. 

Seenregionen gut gebucht

"Wir wollen einen sicheren Tourismus bieten und dafür haben wir alles getan", so Schuschnig. Die ersten ein bis zwei Öffnungswochen seien nun entscheidend. 
Seit der Information über eine Grenzöffnung zu Deutschland mit 15. Juni bemerke man deutlich mehr Anfragen. Kresse weiter: "Für die Märkte in Zentral- und Osteuropa scharren wir in den Startlöchern, aber es gibt noch zu wenig Information. Für Italien sehe ich heuer wenig Perspektiven."
Derzeit seien die Rückmeldungen vor allem in der Ferienhotellerie sehr gut, bei den Campingplätzen herrsche eine durchwegs gute Buchungslage, ebenso bei Appartmenthäusern. Vor allem die Seenregionen werden nachgefragt, im alpinen Bereich werde es noch etwas dauern. 
Massive Probleme ortet Petritsch bei der Stadthotellerie, wo am Freitag viele nicht aufsperren würden. Hier sei man sehr abhängig von Events und Seminaren und es werde weitere Unterstützungsmaßnahmen brauchen. 

Kresse: "Den Herbst nutzen!"

Für Kresse hat Kärnten alle Chancen, die teilweise komplett neuen Interessen der Urlaubsgäste zu befriedigen: "Viele Gäste, die jetzt kommen, hätten Kärnten heuer nicht gewählt. Diese müssen wir zu Stammgästen machen!" Und er appelliert an Betriebe, die sonst im Herbst geschlossen haben, heuer über eine Öffnung nachzudenken: "Wir müssen September und Oktober mit aller Kraft nutzen!"

Schuschnig: "Werden nicht allen helfen können!"

Petritsch wertet die Regelungen im Tourismus als "praktikabel", nun müsse man sich daran halten, appelliert er an Kollegen. Man arbeite daran, weitere Lockerungen auf den Weg zu bringen. Über 80 Prozent der Betriebe seien von den Hilfspaketen des Bundes nicht ganz überzeugt. Auch hier wären noch "Punkte zum Nachschärfen".
Der Tourismus, ist Schuschnig überzeugt, wird entscheidend sein, um die Arbeitslosenzahlen in den Griff zu bekommen. Doch das Insolvenz-Risiko für die Betriebe werde noch weiter bestehen. "Bei den Hilfsmaßnahmen evaluieren wir ständig, wo es Nachbesserungsbedarf gibt, wo Anschlussförderungen Sinn machen etc. Wir werden nicht allen helfen können, aber wie wollen so viele wie möglich unterstützen." 

Neustartbonus des Bundes

Übrigens: Heute hat die Bundesregierung einen Neustartbonus beschlossen. Dieser soll vor allem für den Tourismus interessant sein. Viele Betriebe sind noch nicht voll ausgelastet und brauchen daher noch nicht immer Vollzeitkräfte. Mit dem Neustartbonus wird ermöglicht, dass mit bisher als arbeitslos gemeldeten Personen weniger Arbeitsstunden pro Woche vereinbart werden, das Gehalt aber vom AMS auf 80 Prozent des letzten Nettolohns aufgestockt wird.

FPÖ pocht weiterhin auf komplette Öffnung

In einer Reaktion zeigt sich die Kärntner FPÖ enttäuscht darüber, dass es bei der heutigen Pressekonferenz zum Tourismus keine positiven Neuerungen für Gastronomie und Hotellerie in Kärnten gab. Die FPÖ fordert schon länger die komplette Öffnung des "Tourismus- und Veranstaltungslandes Kärnten". FPÖ-Chef Gernot Darmann: "Es kann auch nicht sein, dass nur die Wörthersee-Region von den geplanten Corona-Testungen des Bundes profitieren soll, sondern hier müssen alle Kärntner Tourismusregionen berücksichtigt werden, damit sie keinen Wettbewerbsnachteil erleiden."

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Die Seenregionen seien mittlerweile ganz gut gebucht. Man müsse alles daran setzen, den Herbst touristisch zu nutzen.
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Autor:

Vanessa Pichler aus Klagenfurt

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