Predigt aus dem Stift Schlierbach
"Es gibt einen anderen Durst"

Abt Nikolaus Thiel, Stift Schlierbach
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  • hochgeladen von Martina Weymayer

Predigt von Abt Nikolaus Thiel, Stift Schlierbach

Man erlebt es schon selten aber doch: Da fehlt plötzlich das Wasser. Man dreht den Hahn auf und es kommt nichts. Da kommen sofort die Gedanken: Was ist jetzt? Ich will mich waschen, ich will Kaffee kochen, will…. Selbstverständlich ist es, zu jeder Tages- und Nachtzeit Wasser zu haben.

Die Frau im Evangelium hatte das Wasser nicht so selbstverständlich wie wir. Sie lebte in einer Situation, wie sie Millionen von Menschen auch heute noch erleben: Wasser ist ein knappes Gut. Wer Wasser braucht, muss oft lange Strecken zum Brunnen gehen.
Wasser ist lebensnotwendig. Jesus selbst hat das am eigenen Leib erfahren. Er bittet mitten in der Mittagshitze die Frau im Evangelium um einen Schluck Wasser.

Es gibt einen anderen Durst

Auch die Frau im Evangelium möchte mit dem Wasser ihren leiblichen Durst stillen. (Dieser war ja auch verständlich, wenn wir bedenken, wie heiß es in Palästina zur Mittagszeit ist.) Doch auf eine sehr einfühlsame und liebevolle Weise macht Jesus der Frau – und damit auch uns – klar: Es gibt noch einen anderen Durst in dir. Dein Durst, den du jetzt empfindest, der ist wichtig. Es ist gut, wenn du ihn stillst. Diesen Durst wirst du aber immer wieder bekommen. Weißt du aber auch, dass du noch einen viel wichtigeren Durst in dir hast?

In uns allen steckt ein Durst nach Sinn, nach einem Leben in Fülle, nach dem Mehr, nach dem Ganzen, letztlich nach einer größeren Wahrheit als die rein sichtbare. Diesen Durst spürt man in unserer Welt sehr deutlich. Viele suchen Zuflucht in religiösen Gruppen - nicht unbedingt in den traditionellen Kirche. Immer mehr sind bereit, für die Lehre ihrer Gruppe viel zu Opfern an Mühe und Geld, wenn dort nur Halt und Orientierung geboten wird. Durst gibt es viel. Vielleicht muss sich die Kirche durchaus einmal ihre Angebote überdenken, wie sie auf so viele Durstende reagiert.

Diesen Durst spricht Jesus in der Frau und damit auch in uns ganz klar an. Jesus sagt der Frau – und damit auch uns: Wenn du meine Worte annimmst, wenn du glaubst, was ich dir von Gott erzähle, dann werde ich diesen anderen Durst in dir stillen.

Die Frau braucht lange, bis sie begreift, was Jesus ihr sagen will. Dann wird sie für ihre Mitbewohner zur Missionarin. Sie verkündet, was sie mit Jesus erlebt und erfahren hat. Auf ihr, wohl begeistertes Zeugnis hin, gehen nun die anderen Menschen von Samarien zu Jesus, hören seine Worte.

Glaube braucht Zeit und Vermittlung

Gerade darin liegt die zweite Bedeutung dieses langen Evangeliums. Der Weg des Glaubens. Glaube kommt nicht auf Knopfdruck. Das muss man sich als Seelsorger auch immer wieder selbst vor Augen halten, aber auch als Vater und Mutter, als selbst überzeugt glaubende Frau und Mann. Glaube braucht manchmal längere Zeit zum Wachsen und kann nicht erzwungen werden. Die Frau kommt langsam zur Überzeugung: Du bist der Messias. Zuerst spricht sie ihn respektvoll als Herren an und erst zuletzt, nachdem Jesus ihr viel Zeit geschenkt hat, erkennt sie, der ist es! Und sie zieht die wichtigen Konsequenzen daraus: Selbst begeistert, spricht sie zu den Ihren.

Wasser ist bei uns schnell wieder zu haben. Die Leitungen sind schnell repariert, aber der Durst nach mehr, wie steht es mit dem? Wir haben alles was wir brauchen und alles was wir uns wünschen, was unser Herz begehrt.

Mit dem, was Jesus der Frau sagt, spricht er auch unseren anderen Durst an, den Durst nach Gott.
Mit seinen Worten und mit seiner Gegenwart, mit seiner Botschaft bietet uns Jesus sein „Wasser“ an, sein „Lebensmittel“ zu einem guten und gelingendem Leben. Von diesem „Wasser“ sagt Jesus: „Wer von diesem Wasser, das ich ihm gebe, trinkt, wird nie mehr dürsten.“ Dieses Wasser ist der Glaube an Gott. Gott ist die Quelle, die nie versiegt.

Autor:

Bezirksrundschau Kirchdorf aus Kirchdorf

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