Wilderer-Sonderausstellung
Wenn ein Museum zum Tatort wird

Fritz Kammerhuber, Robert Steinbichler, Gustav Hilger und Klaus Dolleschall (v.li.) im neuen Ausstellungsraum.
  • Fritz Kammerhuber, Robert Steinbichler, Gustav Hilger und Klaus Dolleschall (v.li.) im neuen Ausstellungsraum.
  • Foto: Weymayer
  • hochgeladen von Martina Weymayer

Die Wilderer-Sonderausstellung im Museum im Dorf in Molln schaute sich kürzlich auch Klaus Dolleschall an.

MOLLN. In den ersten drei Monaten seit der Eröffnung besuchten bereits mehr Gäste als im gesamten Jahr 2018 das Museum in Molln.
Die erfolgreiche Sonderausstellung versucht hautnah die Geschehnisse des Dramas von damals aufzuzeigen. Das Museum wird buchstäblich zum "Tatort". In einem eigenen Raum wurden die Szenen der Schreckensnacht nachgestellt und mit so manchem "Gustostückerl" an damaligen, typischen Wildererbüchsen und -stutzen ergänzt. Am Boden liegende Bierkrügerl, umgeworfene Stühle, drei tote Wilderer, zwei verletzte Gendarmen sowie ein weiterer ermordeter Wilderer – vor hundert Jahren waren sie der traurige Höhepunkt der jahrelangen Querelen rund um das Wildern in Molln.

Exponate und Originale aus der Zeit um 1919

Das Museumsteam hat keine Kosten und Mühen gescheut und viele Exponate und Originale aus der Zeit um 1919 herangeschafft. Selbst eine Zuggarnitur der Steyrtalbahn wurde zwischen Museum im Dorf, Mairreithütte und dem neuen Raum mit der Sonderausstellung aufgestellt. Die fünf verhafteten Wilderer wurden ja aus einem Waggon der Steyrtalbahn am Bahnhof Grünburg von ihren Kameraden in letzter Minute befreit. Von dort zogen die Wilderer siegessicher nach Molln und wurden vom Wirt des Gasthofes Dolleschal zur Jause eingeladen. Gendarmen stürmten den Gasthof und ermordeten drei Wilderer – ein vierter Wilderer wurde in derselben Nacht in seinem Bett umgebracht. Eine riesige Menschenmenge begleitete die ermordeten Wilderer damals auf ihrem letzten Weg.

Von Molln in die Mongolei

Ein Bild von der gelungenen Sonderausstellung machte sich kürzlich auch Klaus Dolleschall. Der 51-Jährige ist der Urenkel von Josef Dolleschall, in dessen Gaststube sich das Wildererdrama im März 1919 abspielte. 18 Jahre lang führte Klaus Dolleschall die Metzgerei seiner Eltern in Molln, 2008 führte ihn der Zufall allerdings nach Asien. "Ich bin über einen Maschinenhändler in die Mongolei gekommen und habe dort eine Fleisch- und Wurstfabrik aufgebaut", erzählt er. "Nach gut drei Jahren ging ich nach China, mittlerweile bin ich seit über vier Jahren Betriebsleiter einer Fleisch- und Wurstfabrik in Hongkong." Auf 1.000 Quadratmetern Produktionsfläche erwirtschaftet er hier mit 60 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 10 Millionen Euro. "Schuld" daran könnten auch die Original Mollner Rezepturen sein, die Klaus Dolleschall mit nach Asien genommen hat. Einmal im Jahr kommt er zum "Heimaturlaub" nach Molln, um die Eltern zu besuchen. Seine nächste berufliche Station könnte ihn nach Singapur führen – diese Entscheidung ist aber noch nicht endgültig gefallen.

Autor:

Martina Weymayer aus Kirchdorf

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