35 Jahre nach Reaktorunglück
Böden sind teilweise immer noch verstrahlt

35 Jahre sind seit dem Unglück im Atomkraftwerk Tschernobyl vergangen. (Symbolbild)
  • 35 Jahre sind seit dem Unglück im Atomkraftwerk Tschernobyl vergangen. (Symbolbild)
  • Foto: Christa Eder
  • hochgeladen von Florian Meingast

Seit dem Reaktorunglück im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 sind beinahe 35 Jahre ins Land gezogen. Dennoch: Die Langzeitfolgen der Katastophe sind auch in Österreich immer noch zu spüren. 

BEZIRK KIRCHDORF. Grund dafür sind Niederschläge in den Tagen nach dem Unglück. Dadurch wurden zahlreiche Böden im Land mit radioaktivem Cäsium-137 belastet. Geht es nach Experten des österreichischen Umweltbundesamtes, wurden Gebiete in Oberösterreich, Salzburg, der Steiermark und Kärnten besonders schwer vom "radioaktiven Niederschlag" getroffen.

So zum Beispiel der Bezirk Kirchdorf. Hier wurden mit 1. Mai 1986 an der südlichen Grenze zur Steiermark Spitzenwerte zwischen 100 und 114 Kilobecquerel – ein Kilobequerel entspricht übrigens 1.000 Becquerel – Cäsium-137 pro Quadratmeter gemessen. Mit der Einheit Becquerel wird angegeben, wie viele Atome pro Sekunde zerfallen. Zum Vergleich: Rund um Linz betrug der Wert etwa 25 bis 40 Kilobecquerel.

Auch heute noch verstrahlt

Während der vergangenen 35 Jahre hat sich diese radioaktive Belastung jedoch nicht einfach in  Luft aufgelöst, sondern bestenfalls abgenommen. Mit 1. Mai 2021 maßen die Experten des Amtes in den selben Gebieten nämlich Spitzenwerte von bis zu 71 beziehungsweise 25 Kilobecquerel.

"Radioaktive Lebensmittel"

Dass sich die radioaktive Belastung der Böden auch auf Lebensmittel auswirkt, zeigt eine aktuelle Untersuchung – sie wurde von 1. April 2018 bis 12. April 2021 durchgeführt – von Experten der Agentur für Ernährungssicherheit, kurz AGES, in Linz.

Während dieser Zeit untersuchten sie 307 Lebensmittel, darunter zum Beispiel Obst, Gemüse, Pilze und Fleisch, auf Radioaktivität. Die größtenteils oberösterreichischen Produkte stammten von Lebensmittelaufsicht sowie Amts-Tierärzten und wurden auch im Land verkauft.

In 16 Proben stellten die Experten Mengen des radioaktiven Isotops Cäsium-137 von mehr als einem Becquerel pro Kilogramm, abgekürzt Bq/kg, fest. Darunter waren Rindfleisch (Werte zwischen 1,0 und 1,1 Bq/kg), Pilze (Werte zwischen 77,2 und 139,9 Bq/kg) und Wild von (Werte zwischen 2,3 bis 649 Bq/kg. Letzterer stammt von einem Reh aus dem Bezirk Braunau). Der Grenzwert für Cäsium-137 liegt bei 600 Bq/kg.

Kontrolle von Rohmilch

Seit dem Atomunglück kontrollieren Experten der AGES auch Rohmilch auf Radioaktivität. Dafür werden Proben auf Cäsium-134, Cäsium-137, Kalium-40, Strontium-90 und Iod-131 getestet. Im Vorjahr stellten die Experten bei den 48 Rohmilchproben "keine Auffälligkeiten" fest. Alle Probenergebnisse lagen weit unter dem Grenzwert. Dieser liegt bei 370 Bq/kg.

Oberösterreichische Allianz

Am 35. Jahrestag der Katastrophe präsentierte die "Allianz der Regionen für einen europaweiten Atomausstieg" – sie hat ihre Wurzeln übrigens in Oberösterreich – zudem die Studie "Risiken von Laufzeitverlängerungen alter Atomkraftwerke". Das Durchschnittsalter der aktiven Atomkraftwerke in Europa beträgt derzeit nämlich etwa 35 Jahre. Aus wirtschaftlichen Gründen ist für die meisten inzwischen eine Laufzeitverlängerung auf 40 Jahre geplant.

Darin kommen die 15 Experten etwa zum Schluss, dass Technologien und Sicherheitskonzepte aller derzeit betriebenen europäischen Leistungsreaktoren veraltet sind. Dadurch steigt das Risiko von Fehlfunktionen und Unfällen. Auch ist der Schutz vor "neuen" Risiken, also zum Beispiel Flugzeugabtürze und Überschemmungen, nicht gegeben.

Begrenzte Laufzeit

Aus diesem Grund fordert die Allianz unter anderem, dass die Laufzeiten alter Reaktoren begrenzt werden. "Das Risiko schwerer nuklearer Unfälle steigt durch den Betrieb alter Reaktoren deutlich an. Diese Grundaussage der Studie sollte am 35. Gedenktag der Reaktorkatastrophe einmal mehr bewusst machen, welchen Gefahren die Bevölkerung durch ihren Weiterbetrieb ausgesetzt ist", sagt Oberösterreichs Klima- und Umwelt-Landesrat sowie Koordinator der Allianz Stefan Kaineder (Grüne).


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