Blasmusikverband Kirchdorf
"Als Bezirksobfrau blutet mir das Herz"

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Musikvereine im Lockdown: Proben, Auftritte oder Veranstaltungen sind derzeit nicht möglich. Wie geht es mit den Musikvereinen im Bezirk Kirchdorf weiter?

BEZIRK. Die 22 Blasmusikvereine im Bezirk Kirchdorf sind derzeit zur Untätigkeit gezwungen. Bezirksobfrau Stefanie Meiseleder aus Wartberg/Krems dazu im BezirksRundschau-Interview.

Die Pandemie schränkt das gesellschaftliche Leben ein. Wie geht es mit der Blasmusik weiter?
Meiseleder: "Der Blasmusikverband leidet momentan mit allen Musikvereinen und MusikerInnen mit. Seit dem Herbst 2020 gibt es für unsere 22 Vereine keine Möglichkeit mehr, miteinander zu musizieren. Weder in großen noch kleinen Ensembles. Eigentlich eine traurige Momentaufnahme.
Der Blasmusikverband bzw. die Bezirksleitung Kirchdorf stehen momentan aber nicht still! Wir haben einige unserer Projekte weiterentwickelt, neue Ideen gesponnen, Strukturen und unser Auftreten verbessert. Aktuell bereiten wir uns auf unsere Veranstaltungen im Herbst vor. Von Seiten des Oberösterreichischen Blasmusikverbandes wurde beschlossen, dass es in Oberösterreich bis Sommer keine Konzert- und Marschwertungen geben wird. Das heißt für uns, dass wir in Absprache mit dem austragenden Musikverein Inzersdorf-Magdalenaberg das Bezirksmusikfest 2021 von Ende Juni auf Mitte September 2021 (10.-12.9.) verschoben haben. Ebenfalls haben wir die Konzertwertung von April auf Ende November (27.11.) verschoben. Somit haben wir einen wirklich sehr intensiven musikalischen Herbst vor uns, indem alle unsere Veranstaltungen, Konzerte und Angebote, die normalerweise über das Jahr verteil sind, stattfinden werden. Ein organisatorischer Mehraufwand, den wir eben momentan zu planen beginnen. Warum wir das machen? Weil wir unseren Musikvereinen die Möglichkeit und Herausforderung geben wollen, an der Konzert- und Marschwertung teilnehmen zu können. Und weil wir versuchen wollen, wieder etwas musikalischer Normalität herzustellen."

Die Pandemie wird uns wohl noch länger beschäftigen. Welche Hoffnung haben Sie, dass trotzdem bald wieder Proben und Konzerte stattfinden können?
"Ich bin ein Mensch, der sehr positiv denkt. Corona hat mir aber gelernt, mit dem Optimismus manchmal sparsam zu sein und nicht zu hohe Erwartungen zu stellen. Dass es in naher Zukunft wieder mit den Proben losgehen kann, könnte ich mir vorstellen. Sofern uns nicht die nächste Welle überrollt. Mehr Gedanken mache ich mir aktuell eher darüber, unter welchen Umständen es uns möglich sein wird, wieder zu proben. Wird es Eintrittstests geben? Wird es ein Beisammensein danach geben? Sind die Auflagen dafür zu umfangreich, weiß ich nicht, ob es für alle Musikvereine möglich sein kann, wieder mit den Musikproben zu starten. Wenn, dann wünsche ich mir eben, dass wirklich alle wieder Möglichkeit bekommen. Was Konzerte betrifft, halte ich es für unwahrscheinlich, dass bis zum Sommer welche stattfinden können. Nicht nur wegen der vermutlich vorhandenen Sicherheitsauflagen sondern auch, weil nach einem so langem Probenstillstand schlicht die Praxis fehlt. Aber mittlerweile bin ich mit solchen Aussagen eher vorsichtig. Ich kann nur an die Vereine appellieren, ebenfalls vorsichtig zu sein. Wir sollten nicht vergessen, dass die Gesundheit und Sicherheit unserer MusikerInnen wichtiger sind als das lustige Beisammensein bei der Musikprobe."

Wie groß ist die Sorge, dass Mitglieder mit dem Musizieren aufhören und beim Neustart nicht mehr mit dabei sind?
"Je länger der Probenbetrieb stillsteht, desto größer wird die Sorge in den Musikvereinen. Wenn sich da der „Schlendrian“ einschleicht und es zur Gewohnheit wird, sich Freitagabend anderen Beschäftigungen zu widmen, fällt es oft schwer, wieder regelmäßig in die Musikprobe zu gehen. Oft sind es auch die älteren MusikerInnen, die schon länger überlegt haben, in die „Musikpension“ zu gehen. Für diejenigen ist die Coronapause ein guter Grund, diese nun endlich anzutreten. Aber auch die junge Generation hat ihr Sozialleben und Schulleben mit Corona anders strukturiert und vermutlich findet da die Probe bei manchen keinen Platz mehr. In letzter Zeit habe ich wieder vermehrt Gespräche mit unseren Musikvereinen geführt und alle teilen diese Sorgen und Ängste. Als Bezirksobfrau blutet mir das Herz, dass ich unseren Vereinen diese Sorgen und Ängste nicht abnehmen kann. Den Lockdown im Frühjahr konnten alle wirklich gut überbrücken und in der kurzen Zeit im Sommer wieder gut wegstarten, allerdings ist die Spanne nun so groß, dass wir alle nicht einschätzen können, was passieren wird, wenn die Proben endlich wieder los gehen und welche Schäden diese Pandemie bei unseren Vereinen angerichtet hat. Neben den personellen Sorgen kommen nun schön langsam auch die finanziellen Sorgen. Nicht alle Musikvereine haben finanzielle Polster und sind auf die Einnahmen von Konzerten, Auftritten und dem Sammeln angewiesen. Da nun schön langsam wieder der 1. Mai kommt, werden viele nervös."

Haben Sie Angst, dass kleinere Vereine gar nicht mehr auf die Beine kommen?

"Um die kleinen Vereine mache ich mir weniger Sorgen. In den Gesprächen mit den Vereinsfunktionären kristallisierte sich eher die Angst in den mittleren und größeren Vereinen heraus. Die MusikerInnen in den kleinen Vereinen wissen ohnehin, dass es ohne sie keine Musi gibt. Bei den Größeren ist man es als MusikerIn gewohnt, dass Proben und Spielerein auch ohne einem gehen, weil meist genügend Kollegen da sind, die einen musikalisch ersetzen können. Da fällt es leicht zu sagen, „wenn ich aufhöre, sind immer noch sechs andere auf meinem Instrument da, da gehe ich nicht ab“. Nur wenn sich das mehrere denken, wird es schwierig.
Blasmusik ist kulturelle Nahversorgung. Was macht sie so wertvoll?"

Blasmusik ist kulturelle Nahversorgung. Was macht sie so wertvoll?
„Was wär ein Fest ohne Blasmusik?!“ Dieser Satz klingt vielleicht etwas abgedroschen, aber wenn man darüber nachdenkt, ist er wirklich sehr zutreffend. Die musikalische Umrahmung bei z.B. kirchlichen Veranstaltungen ist bereits ein fixer Bestandteil in unserem (kulturellen) Leben und nicht mehr wegzudenken. Blasmusik gehört genauso zu Österreich wie ein Wiener Schnitzerl oder eine Sachertorte. Musik ist generell wichtig und so wertvoll macht sie vor allem, dass sie uns alle erreicht und bereichert. "

Was möchten Sie den 1100 Blasmusikern im Bezirk sonst noch sagen?
„Alles, was du im Leben brauchst, sind Hoffnung und Kraft. Die Hoffnung, dass alles besser wird und die Kraft, bis dahin durchzuhalten und dafür zu kämpfen, dass es besser wird. Liebe MusikerInnen, bitte haltet noch etwas durch. Wir werden bald wieder proben können. Wir werden bald wieder Konzerte spielen können und wir werden uns bald wieder im Bierzelt treffen und miteinander feiern können. Denkt nicht daran, wie schön es vorher war, sondern denkt daran, wie wunderschön es wieder sein wird!"

Blasmusikverband Bezirk Kirchdorf

Derzeit sind von den etwa 1100 Musikern in den 22 Blasmusikvereinen im Bezirk Kirchdorf mehr als die Hälfte unter 30 Jahre alt. Der Anteil von 42 Prozent weiblicher Mitglieder  zeigt, dass die Blasmusik nicht mehr nur von Männern dominiert wird.


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