Georg Matthäus Vischer
Ehrenmal für den einstigen Pfarrer von Leonstein

August Pfaffenhuemer, Bgm. Gerald Augustin, Hermann-Josef Bartels, LAbg. Bgm. Christian Dörfel und Bezirkshauptmann Dieter Goppold (v.li.)
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  • August Pfaffenhuemer, Bgm. Gerald Augustin, Hermann-Josef Bartels, LAbg. Bgm. Christian Dörfel und Bezirkshauptmann Dieter Goppold (v.li.)
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Vischers bahnbrechenden Werke in der bildlichen Darstellung des Antlitzes der damaligen Welt des Habsburgerreiches überdauerten die Jahrhunderte nachhaltiger als sein seelsorgliches Vermächtnis.

GRÜNBURG-LEONSTEIN. Gemeinsam begaben sich der Historiker Pfarrer Hermann-Josef Bartels aus Bonn und Heimatforscher August Pfaffenhuemer aus Leonstein auf die Spuren des Künstlers. In umfangreichen Recherchen stieß man auf bisher kaum bekannte Ergebnisse, welche auch zutage brachten, dass vor 350 Jahren im Leonsteiner Pfarrhof die erste brauchbare und detailgenaue Landkarte von OÖ entstanden ist.

In der Zeit von 1666 bis Anfang 1669 war Vischer die Pfarrstelle zugesprochen worden. Da er schon seit mehreren Jahren mit der Erfassung der Salburgschen Besitztümer beschäftigt war, fand er im Patron der Georg Sigmund Graf Salburg einen eifrigen Fürsprecher. Die „obderennsischen Landstände“, vergleichbar mit der heutigen Landesregierung, erteilten Vischer 1667 den Auftrag zu der Landkarte und nach nur neun Monaten konnte er die fertigen Entwürfe vorlegen. Schon im darauffolgenden Jahr war auch der Kupferstich fertig und das Werk ging 1669, vor 350 Jahren, in Druck. Die Karte ist etwa „drei Schuh und zehn Zoll“, ein wenig mehr als ein Meter im Quadrat groß. Über 150 Jahre, bis nach Napoleon, bleib die „Vischer Karte“ maßgebend und in Gebrauch.

Ein bewegtes Leben

Der Schöpfer dieses einzigartigen Werkes hat ein bewegtes Leben, das leider nicht lückenlos rekonstruierbar ist: 1628 in Wenns im Pitztal in Tirol geboren, Schüler im Stift Stams, dann Soldat im 30-jährigen Krieg, wieder zurück als Novize im Kloster Stams das er nach einem Jahr verließ und Theologie studierte und Weltpriester im Bistum Passau wurde. Belegt sind Stellen in Andrichsfurt und ab 1666 in Leonstein. Nach der Arbeit für die Oberösterreich Karte und Topografie von Städten, Klöstern, Burgen und Schlössern nahm er den Auftrag zur Erstellung einer Karte von Niederösterreich an und nannte sich nicht mehr Pfarrer, sondern Chorographus (Kartograf) oder verwandte Bezeichnungen. Er fertigte in der Folge Karten von Niederösterreich, der Steiermark sowie Ungarn an und erstellte mehr als 1.000 Topografien, die für die Baugeschichte heute noch von großer Bedeutung sind. Trotz seiner hervorragenden Begabung starb Georg Matthäus Vischer 1696 verarmt in Linz, wo weder ein Grab noch ein Denkmal an ihm erinnern.

In seinen letzten Lebensjahren unterstützte ihn der Abt von Kremsmünster und empfahl ihn als Privatlehrer für „höhere Knaben“ in Mathematik und Geografie. Zur Linderung seiner finanziellen Not kaufte er ihm seine Vermessungswerkzeuge, die zum Teil heute noch in der Sternwarte zu sehen sind.

Ehrenmal in Leonstein gesegnet

Am 13. März 2019 wurde das Ehrenmal bei der Pfarrkirche Leonstein gesegnet und das bahnbrechende Werk Georg Matthäus Vischers im Ramen der Jubiläumsfeier „350 Jahre Archiducatus Austriae Suoerioris Geographica a Discriptio“ gewürdigt.

Wer weiterführende Informationen über den berühmten Leonsteiner Pfarrer Georg Matthäus Vischer sucht, findet auf der eigens zum Thema eingerichtete Story Map www.doris.at/url/Vischer/ der DORIS Geoinformation spannende Antworten. Der gebürtige Leonsteiner Hofrat Thomas Ebert hat diese Story Map veranlasst, von der übrigens auch eine englische Version angeboten wird.

Fotos: Pfaffenhuemer

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