Alois Latzelsberger: "Grauslich war’s bei uns in Österreich" - mit Video!

Alois Latzelsberger

WINDISCHGARSTEN (wey). Alois Latzelsberger, Jahrgang 1921 und gebürtig aus Rosenau am Sonntagberg in Niederösterreich, erzählt aus seinem bewegten Leben.

Herr Latzelsberger, nach dem ersten Weltkrieg waren die Zustände in Österreich katastrophal. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Latzelsberger: Ja, das war wirklich so, das habe ich auch so erlebt. Mein Vater war Wagnermeister, hatte aber keine Arbeit und ging auf die Stör. Ich war oft mit dabei, damit ich auch etwas zu essen bekommen habe. Mein Vater war im ersten Weltkrieg in den Isonzoschlachten. Er war ein schneidiger Soldat. Weil er mir ein Vorbild war, bin ich später auch Soldat geworden. Ich habe in Sankt Leonhard am Forst eine Wagnerei-Lehre gemacht. Zu dieser Zeit hatten wir nichts zu essen. Erst, als die deutschen Truppen hereinkamen, hat der Chef zu mir gesagt: Loisl, geh hinüber und bring etwas zum Essen! Vorher hat er geschimpft, aber da war es ihm nicht zu blöd. Auf dem Hauptplatz war eine Feldküche, von dort habe ich Schüsseln herübergebracht. Als sie leer waren, hat er mich gleich noch einmal hinübergeschickt.

Wie haben Sie den Anschluss erlebt?
Hervorragend! In den 1930er-Jahren war es grauslich bei uns in Österreich.
Als die deutschen Truppen hereinkamen, war ich schon bei der Hitlerjugend. Da ging auf einmal die Arbeit wieder los. Der Anschluss war ja für uns eine enorme Freude, besonders durch meine Zugehörigkeit. Es hat aber jeder mitgeschrien. Ich möchte nicht sagen, dass ich erst im Krieg draufgekommen bin, dass das alles eine Katastrophe ist, aber ich habe mir nichts gedacht dabei. Ich war dafür, hab meinen Eid geschworen für Führer, Volk und Vaterland (Anm.: siehe Video!)

Wie war das für Sie im Krieg?
Ich bin in Frankreich und in Berlin gewesen und habe in Dresden die Waffenmeisterschule gemacht. Ich bin viel herumgeschickt worden und war auch beim Polenfeldzug dabei, aber ohne Kampfhandlungen. Wir haben uns ein bisserl mit den Mentschern unterhalten. Eine junge Frau hat mir einmal aus der Hand gelesen und mir vorausgesagt, dass ich sehr alt werde.
Als deutsche Soldaten hatten wir die Order, dass wir uns anständig benehmen mussten. Ich bin dann zur Wehrmacht gekommen, zur Nachrichtentruppe nach Wien, und bin dort ausgebildet worden. 1942 habe ich geheiratet, die Ehe hält bis heute.

Wie war es, als Sie aus dem Krieg zurückkamen?
Ich konnte nicht nach Hause zurück, weil dort die Russen waren. Daher bin ich in Windischgarsten geblieben. Ich habe wieder als Wagner gearbeitet, zuerst beim ehemaligen Lindbichler in der Steyrbruck und dann weim Werschitz in Windischgarsten. Irgendwann hat das aber nicht mehr richtig hingehaut, dann ging ich in die Danubius und bin 30 Jahre dort geblieben. Ich habe jede Abteilung durchgemacht, war Verlademeister am Bahnhof und zehn Jahre im Holzeinkauf.  Damals habe ich auch das erste Auto gehabt, einen VW Käfer.

Würden Sie heute wieder alles so machen wie damals?
Nein! Das kann man nicht mehr gut heißen. Ich würde heute nie für eine nationale Partei meine Stimme abgeben. Die Lausbuben, die heute herumrennen mit einem Hakenkreuz, die wissen ja gar nicht, wo das herkommt. Mir ist das nicht recht, weil das nicht mehr zu uns passt.

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