Littering
Nicht jeder Mist ist Dünger

Jürgen Maurhart, Lukas Wolfsjäger, Christoph Ebner, Christian Lang, Edeltraud Huemer, Regina Aspalter, Andreas Ehrenhuber (v.li.)
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  • Jürgen Maurhart, Lukas Wolfsjäger, Christoph Ebner, Christian Lang, Edeltraud Huemer, Regina Aspalter, Andreas Ehrenhuber (v.li.)
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Der Begriff "Littering" steht für die Vermüllung von Feld und Flur. Seit einigen Jahren kommt es wieder zu vermehrter illegaler Entsorgung von Abfall in der Natur.

BEZIRKE KIRCHDORF, STEYR-LAND. Mit einer speziell "geschmückten" Erntekrone machen die Landwirte auf dieses Problem aufmerksam. "Nicht nur die Weltmeere sind voller Müll. Auch bei uns wird der Abfall achtlos weggeworfen", weist Jungbauern-Landesobmann Christian Lang auf ein substanzielles Problem hin. Er verschandle nicht nur die Landschaft, sondern stelle eine echte Gefahr für Mensch und Tier dar. Plastikmüll aller Art und vor allem Metalldosen verunreinigen das Erntegut und seien lebensgefährlich für die Tiere. Hundekot, der liegenbleibt, kann etwa bei Rindern zu Fehlgeburten führen. Am Beispiel Zigarettenstummel bewahrheite sich das Sprichwort "kleine Ursache, große Wirkung": Die Filter verrotten nicht, verseuchen aber Boden und Grundwasser.

Bewusstsein schaffen

Edeltraud Huemer, Obfrau des Bauernbunds im Bezirk Steyr-Land, sagt dazu: "Wir finden nicht nur Glasflaschen oder Plastik, sondern auch Reifen oder kürzlich sogar ein ganzes Fahrrad in einem Getreidefeld. Mir persönlich liegt das Thema der achtlos weggeworfenen Zigarettenstummel sehr am Herzen. Hier muss ein Umdenken passieren." Handlungsbedarf ortet auch Kirchdorfs Bauernbund-Obmann Andreas Ehrenhuber. "Vor jedem Schnitt sammle ich Plastik, Papier, Glasscherben oder Essensreste auf – und trotzdem landet manches in der Silage. Mir ist wichtig aufzuzeigen, was wir Landwirte schaffen und dass wir alle von der Landwirtschaft leben."
Regina Aspalter, Landtagsabgeordnete und Bezirksbäuerin aus Steyr, ergänzt: "Oft ist es nicht Böswilligkeit, sondern Unwissenheit, wenn Menschen etwas achtlos wegschmeißen. Es ist ihnen nicht bewusst, welch weitreichende Konsequenzen das haben kann. Darum ist ein wichtiger Bestandteil der Bäuerinnenarbeit in den Bezirken, in die Kindergärten und Schulen zu gehen und auf diese Dinge aufmerksam zu machen."

400 Tonnen jährlich an den Landesstraßen

Pro Jahr werden entlang von Landesstraßen ca. 400 Tonnen sogenannter „gelitteter“, also aus dem Fenster geworfener Abfall, eingesammelt. Landwirtschaftskammer OÖ und der OÖ Landesabfallverband ziehen nun an einem Strang: „Wir müssen das Bewusstsein für das Problem Littering stärken, mehr auf Abfallvermeidung achten und von der Verpackung bis zur Entsorgung für mehr Nachhaltigkeit sorgen“, betonen LAbg. Michaela Langer-Weninger, Präsidentin der Landwirtschaftskammer OÖ, und OÖ LAV-Vorsitzender Roland Wohlmuth.

31 Straßenmeistereien mit 950 Mitarbeitern sind in Oberösterreich im Einsatz und sie betreuen rund 6.000 Straßenkilometer, um die Straßenränder vom Abfall zu befreien. Für die professionelle Straßenreinigung werden in Oberösterreich pro Jahr rund drei Millionen Euro ausgegeben, bundesweit 15 bis 20 Millionen Euro. Auf den Wiesen und Feldern müssen die Grundeigentümer selbst für die Entsorgung des Abfalles aufkommen, wenn – wie in den allermeisten Fällen – der Verursacher nicht festzustellen ist. Anders ist die Regelung im Wald: Die Gemeinde muss im Wald abgelagerten Abfall auf ihre Kosten entfernen, wenn der Verursacher nicht festgestellt werden kann.

„Eine vergleichbare Regelung kannte früher auch das OÖ Abfallwirtschaftsgesetz: Abfall, der von Dritten auf Privatgrundstücken abgelagert wurde, war auf Kosten der Gemeinde bzw. der Straßenverwaltung zu entsorgen. Nur, wenn der Grundeigentümer der Ablagerung zugestimmt oder sie geduldet hat, war er heranzuziehen. Wir fordern nun, das Abfallwirtschaftsgesetz wieder entsprechend zu ändern: Die Grundstückseigentümer müssen von der Entsorgungspflicht befreit werden. Die anfallenden Entsorgungskosten dürfen weder den Grundstückseigentümern noch den Gemeinden zufallen – dafür sind klare und nachvollziehbare Entschädigungsflüsse vom Gesetzgeber festzulegen“, stellt Präsidentin Langer-Weninger fest.

Pfandsystem

Die Landwirtschaftskammer ist für die Einführung eines Pfandsystems für Einwegflaschen und Metalldosen, um den Anfall von Einweg-Verpackungen zu verringern und die Verschmutzung von landwirtschaftlichen Flächen einzudämmen. Vorbild dafür ist Deutschland, das bereits seit einigen Jahren 25 Cent Pfand pro Einwegflasche bzw. Getränkedose einhebt. Diese Maßnahme steht auch im Einklang mit den laufenden Bemühungen der EU, den Anfall von Plastikmüll durch das Verbot von Einweg-Artikeln zu reduzieren.

Klimaschutz und die Schonung der Ressourcen müssen zudem über den ganzen Lebenszyklus eines Produkts und seiner Verpackung im Blickpunkt stehen – auch in der bäuerlichen Direktvermarktung. Direktvermarkter können durch das Naheverhältnis zum Kunden sehr oft auf Verpackung verzichten bzw. diese möglichst sparsam gestalten. Direktvermarktung braucht keine langen Transportwege und somit tragen Produkte direkt vom Bauernhof positiv zum ökologischen Fußabdruck eines Lebensmittels bei. Direktvermarkter werden in speziellen Kursen des Ländlichen Fortbildungsinstituts der Landwirtschaftskammer OÖ (LFI) zum Thema Nachhaltigkeit geschult. Auch die Seminarbäuerinnen der Landwirtschaftskammer OÖ bieten entsprechende Workshops an.

Abfall-Bewusstsein schärfen

„Der Landesabfallverband will zur Bewusstseinsbildung beitragen, Abfall richtig zu entsorgen und nicht einfach wegzuwerfen. Unsere beliebte Straßen-Aktion mit Hase und Igel und den Abfallpfeilen wird deswegen 2020 in ganz Oberösterreich als völlig überarbeitete Schwerpunktkampagne gegen Littering im urbanen sowie ländlichem Gebiet wiederholt werden. Wir hoffen, dadurch alle Bürger wieder zu mehr umweltfreundlichem Handeln anzuregen. Für diese Bewusstseinsbildung brauchen wir starke Partner, deswegen freuen wir uns, dass wir künftig mit der Landwirtschaftskammer OÖ in abfallwirtschaftlichen Fragen verstärkt kooperieren werden und laden auch alle regionalen Verbände der OÖ Landjugend dazu ein, diese Kampagne zu unterstützen“, erläutert Bgm. Roland Wohlmuth, Vorsitzender des Landesabfallverbandes.

Denn nicht nur die Straßenränder oder städtischen Parks werden vermüllt, sondern auch Felder, Wiesen, Almen und Wald. Jährlich gelangen etwa in Österreich 41 Tonnen Plastik in die Donau. Davon sind nur etwa zehn Prozent der Industrie zuzuschreiben. Auch das Rauchen belastet die Umwelt: 80 Prozent der rund 16 Milliarden in Österreich gerauchten Zigaretten landen am Boden – auf der Straße oder in der Kanalisation.

Serviceleistungen der Umwelt Profis

Neben der Daseinsvorsorge für eine geordnete Sammlung des Restabfalls sowie der Altstoffe versorgen die oö. Bezirksabfallverbände (BAV) Bürger, Betriebe und Anstalten mit wichtigen Informationen zur korrekten Abfallentsorgung: persönlich, per Telefon, E-Mail oder über die OÖ Umwelt Profi Abfall App, über Facebook und per Gemeindeinformationen. Die Abfallberater besuchen Schulen und Kindergärten, um auch den Kleinsten schon zu zeigen, wie wichtig die richtige Abfallentsorgung und -trennung für unser Klima ist.

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