Stift Schlierbach
Predigt zum 5. Fastensonntag von Abt Nikolaus

Abt Nikolaus, Stift Schlierbach
  • Abt Nikolaus, Stift Schlierbach
  • Foto: Stift Schlierbach
  • hochgeladen von Martina Weymayer

Die Evangelien der Fastenzeit konfrontieren mit Themen, die wir gern wegschieben, die aber lebensentscheidend sind. Im Evangelium des 5. Fastensonntags geht es um das wohl wichtigste: es geht um nichts weniger als um Leben und Tod. Vor nichts haben wir so viel Angst wie vor dem Tod. Vor nichts fühlen wir uns so ohnmächtig wie vor dem Tod und wissen doch: Wir sind ihm ausgeliefert.
Die Geschichte der Auferweckung des Lazarus stellt sich dieser Frage und versucht Antwort zu geben. Das scheinbar unentrinnbare Schicksal, kann offenbar doch überwunden werden. Es gibt doch eine Macht und eine Hoffnung über den Tod hinaus. Dabei geht es nicht um eine wundersame Geschichte aus längst vergangener Zeit. Sondern es geht um die Überwindung des Todes, die allen Menschen verheißen ist.

Jesus spricht das selbst im Evangelium mit großer Klarheit aus: "Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Auf geradezu überwältigende Weise strahlt da die Hoffnung auf, die der Glaube vermittelt.

Halten wir uns die Alternative vor Augen: Wenn es keinen Gott gibt, dann sind wir Menschen wirklich hoffnungslos dem Tod ausgeliefert. Zwar tun wir alles, um dem zu entgehen. Man investiert in medizinischen Fortschritt, in Gentechnologie und in die Möglichkeit des Klonens. Wissenschaft und neue Technologien werden das Leben wohl verlängern können, trotzdem bleiben wir Menschen endlich und bleibt unsere Lebenszeit begrenzt. Hoffnung angesichts der Macht des Todes gibt es nur, wenn da jemand ist, der unsere innerweltlichen Lebensbedingungen übersteigt und den wir Gott nennen.

"Glaubst du das?"

Weil das die Wahrheit ist, an der sich alles entscheidet, fragt Jesus im Evangelium Marta ganz nachdrücklich: "Glaubst du das?“ Weil das die Wahrheit ist, an der sich der Sinn auch unseres ganzen Lebens entscheidet, fragt Jesus auch jede und jeden von uns: "Glaubst du das?" Marta hat ganz einfach geantwortet: "Ja, Herr, ich glaube.“ Können auch wir so antworten? Ich wünsche es uns!

Als Jesus Lazarus auferweckte, war er selbst auf dem Weg nach Jerusalem. Er war auf dem Weg, der ihn zum Tod am Kreuz führte. Er war auf dem Weg, der ihn durch den Tod hindurch zur Auferstehung führte.

Wir sind in der Fastenzeit auf einem Weg, der uns zum Karfreitag und zu Ostern hinführt. Es ist der Weg, der uns wieder klar macht, worum es beim Glauben letztlich geht: um eine Teilhabe am Leben Jesu, eine Nachfolge auch in manch schweren Zeiten, um am Ende dieses Weges mit ihm auch Ostern feiern zu können. Wir gehen diesen Weg, weil das Leben, das Sterben und die Auferstehung Jesu uns Zusage ist: Es gibt Gott. Und mit Jesus hat Gott uns gezeigt, dass er uns Menschen nicht dem Tod überlässt, sondern dass er uns über den Tod hinaus die Fülle des Lebens schenken will.

Auferstehung schon jetzt

„Lazarus, komm heraus!“ –  Mit diesen Worten ruft Jesus seinen geliebten Freund aus der Grabhöhle heraus. Ein Toter kehrt ins Leben zurück. Und damit zeigt das Evangelium uns beispielhaft, dass wir zu einem beständigen Leben berufen sind. Aber Leben ist schon jetzt möglich, Auferstehung ist immer auch Gegenwart. Kleine Wunder dieser Art gibt es auf jeden Fall heute auch: Ein Mensch schafft den Weg aus seiner Depression und findet neuen Sinn. Müde und Ausgebrannte fassen wieder Tritt und krempeln ihr Leben um. Manche Beziehungen sind in Routinen erstarrt, und plötzlich kehrt wieder Lebendigkeit ein. Überraschend und unvermutet.

Jesu Zusage „Ich bin bei euch alle Tage!“ wird uns durch die gegenwärtige Krise tragen. Es wird Ostern sein! Wir werden anders feiern als gewohnt, aber wir feiern denselben Inhalt, nämlich dass das Leben Sieger ist.

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