Schneller als der Wind

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„Jetzt haben wir in der Breitenau sogar eine Bootswerft“, staunen die Leute angesichts eines Trimarans - das ist ein Segelboot mit 3 Rümpfen. Das auf Hochglanz polierte grün-weiße Boot ist Ausgangspunkt für Gespräche über die wahren Werte im Leben, über die Natur und die Schöpfung. Sein Schöpfer ist Projektleiter, Nationalpark-Ranger und Buchautor („Einfach Meer! Was Schiffe und Unternehmen gemeinsam haben“) Christoph Nitsch aus Molln.

Molln/Breitenau (mach): „Das Reisen ohne Treibstoff, das Gefühl, mit dem Segelboot und dem Wind eins zu werden, ist für mich so einzigartig“, schwärmt Christoph, „wenn das Boot unter vollen Segeln über die glatte See gleitet und mit den spitzen Rümpfen durch die Wellen schneidet“. Zuerst das Schlauchboot des Vaters,  dann als Student paddelte er über skandinavische Gewässer, nach einem Motorboot und einem Segelkurs konnte ihm keiner mehr den Wind aus den Segeln nehmen. Es folgten selbstgebaute Kanus und Kajaks. Nachdem er mit seiner Helga in den Hafen der Ehe gesteuert war, flitterten sie auf einem Boot in Kroatien. Ihr erstes Segelboot hieß “Inspiration“. „Segeln inspiriert mich, wenn der Blick nach oben wandert und der Wind die weißen Segeln vor blauem Himmel formt, entschwindet der Alltag“, lässt Nitsch in seine Bootswelt eintauchen.

Und weil ein Mensch ohne Träume wie ein Boot ohne Segel ist,

erfüllte sich Christoph seinen Traum vom eigenen selbstgebauten Boot. Schon in jungen Jahren zeigte sich, dass er ein begnadeter Schrauber und Bastler war, „es ist einfach faszinierend, mit den eigenen Händen etwas Großartiges zu schaffen“. Über eine Anzeige im Internet fand Nitsch ein passendes Dreirumpfboot als Rohbau mit den Plänen des Konstrukteurs Ian Farrier. „Helga, wenn es morgen in der Früh noch da ist, dann kaufe ich“, weihte er seine Frau in sein Projekt ein. Es war noch da! Zuerst musste der Rohbau aus Frankfurt geholt, der Heuboden ausgemessen, ausgeräumt und ein Weg gefunden werden, das Boot in die „Werft“ zu bringen. Dann ging es mit viel Liebe zum Detail, Fingerspitzengefühl und Herzblut zur Sache. „Meine Mutter, eine pensionierte Handarbeitslehrerin, ging mir beim Bau zur Hand, meine Frau machte im Haushalt klar Schiff“, beschreibt er das gute Teamwork. 3000 Arbeitsstunden in 3 Jahren hieß es bis spät in die Nacht schleifen, sägen, hobeln, lackieren und messen und nochmals messen, um die richtige Geometrie zu finden –„Die Materialbeschaffung war sehr aufwändig, keiner hatte alles, was ich brauchte“. Im August 2018 war es soweit: „LIGHTNESS“, die Helle, verließ die Heuboden-Werft.

„Die Titanic wurde von einem Fachmann gebaut, die Arche Noah von einem Laien“,

zitiert Christoph. Er ist ein Laie, das schnittige Schmuckstückchen aber alles andere als laienhaft: Ein Sachverständiger untersuchte das Boot und war vom Dreirümpfer begeistert. Angenehm ist bei dieser Bauart die fehlende Schräglage, Lee oder Luv werden unwichtig. „Ein Trimaran bezieht die Stabilität von den seitlichen Auslegern, während der Fahrt kann man sich frei bewegen, ohne die Töpfe in der Bordküche und sich selber am Klo festhalten zu müssen“, erklärt der „Noah aus der Breitenau“. Helga und Rauhhaarbracke Lupo freuen sich am meisten auf das Sonnenbaden und Entspannen auf den Auslegernetzen, Christoph auf die berauschenden Geschwindigkeitserlebnisse, „moderne Segler können schneller als der Wind sein, durch die Segelphysik macht sich das Boot seinen Wind zum Teil selbst“. Zu jedem Wind die passende Segelstellung finden, die Natur hautnah zu spüren, das bereitet dem Bootsbauer „himmlische Erlebnisse“.

Segeln ist Lebensfreude pur

„Himmlisch ist es auch, an einem lauen Sommerabend unter freiem Himmel zu ankern und über Gott und die Welt zu philosophieren“, kann Christoph Nitsch seine Begeisterung nicht verbergen, „und nach dem Abendessen und einem guten Gläschen Wein von den sanften Wellen in den Schlaf geschaukelt zu werden“. Bei Tagesanbruch den Anker lichten, untermalt vom leisen Gurgeln des Wassers versteckte Buchten und kleine Fischerdörfer erkunden und im kristallklaren Wasser baden – so beschreibt der mit allen Wassern gewaschene Mollner die Faszination Segeln.

Möge seine Crew immer genug Wasser unter dem Kiel haben und die Schotten dicht bleiben (es geht dabei nicht darum, dass sich ein britannisches Volk mit Whisky abfüllt). Mast- und Schotbruch!

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