Suchtgift zerstört Existenzen

Der Konsum eines "Joints" darf nicht bagatellisiert werden. Oftmals ist es der Einstieg zu härteren Drogen.
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  • hochgeladen von Franz Staudinger

BEZIRK KIRCHDORF (sta). 157 Anzeigen wegen illegalem Suchtmittel-Konsum 2018 bedeuten einen Rückgang (-35) gegenüber 2017. Dealern und Konsumenten auf der Spur sind auch Polizeibeamte aus dem Bezirk Kirchdorf, die immer wieder mit Fahndungserfolgen punkten. "Wir haben acht Beamte im Suchtgift-Einsatz und sind im Bezirk flächendeckend aufgestellt. Im Vorjahr waren es weniger angezeigte Konsumenten. Droge Nummer eins ist und bleibt Cannabis, aber Kokain und Amphetamine waren 2018 auch ein Thema", weiß Bezirks-Polizeikommandant Franz Seebacher. "Den Großteil der Dealer im Bezirk Kirchdorf stellen Einheimische. 16 Händler sind im Vorjahr ausgeforscht und bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden. Das ist auch ein Verdienst der akribischen Arbeit unserer Beamten", so Seebacher. "In Kremsmünster konnte etwa eine professionelle Aufzuchtanlage mit zirka 100 Cannabispflanzen entdeckt und sichergestellt werden. Cannabis stellt gerade bei Jugendlichen häufig den 'Einstieg' dar und führt oft schnell zu härteren Drogen und damit zur Abhängigkeit und zum sozialen Abstieg."

"Joint" nicht verharmlosen
Johann Plienegger aus Spital am Pyhrn ist Arzt und behandelt derzeit etwa 60 bis 70 Patienten im Rahmen des Opiatsubstitutionsprogrammes. "Gelegentliche Konsum von Cannabis scheint besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr verbreitet zu sein. Wenn auch die zu erwartenden körperlichen Schäden deutlich geringer ausfallen als beim Tabak- oder Alkoholmissbrauch, sollte der Cannabis-Konsum nicht generell verharmlost werden.
Neuere Studien belegen, dass insbesondere junge Konsumenten mit unter Umständen dauerhafter Intelligenzminderung rechnen müssen, vor allem, wenn regelmäßig Cannabis mit hohem THC-Gehalt zur Anwendung kommt. Außerdem sehe ich in der Praxis leider immer wieder Patienten, die durch Cannabis-Konsum Psychosen entwickelt haben. Die schizophrenieartigen Symptome, wie Wahn oder Halluzinationen, müssen oft jahrelang, manchmal auch lebenslang, medikamentös behandelt werden. Auch, wenn schon lange kein Konsum mehr stattgefunden hat."
Wolfgang Klima von der Suchtberatungsstelle "X-Dream," in Kirchdorf sagt: "Der Konsum von Cannabis, besonders auch im Hinblick auf die Lenkerberechtigung, ist immer wieder Inhalt unserer Beratungstätigkeit. Opiate und Heroin sind immer ein Thema. Der Konsum von Crystal Meth ist derzeit etwas weniger präsent. Teil unseres Angebotes ist es auch, dass wir sogenannte Angehörigenberatungsgespräche führen. Dabei kann man mit den erfahrenen Beratern klären, was Sache ist und ob eine Abhängigkeit angenommen werden muss.
Mehr Informationen dazu findet man unter: www.sucht-promenteooe.at

"Benzos" werden in ihrer Gefährlichkeit unterschätzt
Der Arzt Johann Plienegger behandelt hauptsächlich Patienten aus den Bezirken Kirchdorf, Steyr und Steyr Land. Er kennt die Gefahren der Drogen. Besonders problematisch ist aus seiner Sicht der leider nach wie vor häufige Mischkonsum mit Benzodiazepinen (Tranquilizern). "Die Medikamente dieser Wirkstoffgruppe führen zu starker körperlicher Abhängigkeit, was den Entzug meist schwieriger als einen Heroin-Entzug macht. Die Patienten werden müde und antriebslos und es ist ihnen alles egal. Außerdem wird das Kurzzeitgedächtnis ausgeschaltet, wodurch Benzodiazepine immer wieder auch als "k.o.-Tropfen" missbraucht werden. Die Konsumenten halten sich fatalerweise meist selbst für unbeeinträchtigt, was im beruflichen Bereich und insbesondere im Straßenverkehr gefährliche Folgen haben kann. Auch an den meisten tödlichen Zwischenfällen im Zusammenhang mit Drogen-Intoxikationen sind fast immer "Benzos" beteiligt. Leider werden die entsprechenden Wirkstoffe auch in der Fachwelt nach wie vor grob in ihrer Gefährlichkeit unterschätzt und großzügig als Schlaf- und Beruhigungsmittel verordnet", so Plienegger.

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