Mollner Wilderer-Drama
Tragödie im Gasthaus Dolleschall am 14. März 1919

Die Wilderertragödie von Molln haben Volksschulkinder künstlerisch verarbeitet. Am Foto: Leopold Geiblinger vom Wilderermuseum St. Pankraz
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  • Die Wilderertragödie von Molln haben Volksschulkinder künstlerisch verarbeitet. Am Foto: Leopold Geiblinger vom Wilderermuseum St. Pankraz
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MOLLN, BEZIRK (wey). Als die Leute traumatisiert aus dem ersten Weltkrieg heimkamen, herrschten daheim Chaos und große Not.

Die Menschen waren verbittert und hegten einen Hass gegen die Obrigkeit. Die, die aus dem Krieg zurückkamen, hatten nichts - und die Daheimgebliebenen hatten auch nichts. "Dass aus der Not heraus damals gewildert wurde, das hat jeder gewusst", erklärt Leopold Geiblinger vom Wilderermuseum in Sankt Pankraz. "Man hat gewisse Dinge in diesen Notzeiten toleriert, man hat die Augen zugedrückt. Irgendwann wurde es aber zuviel - vor allem, als manche begonnen haben Kälber zu stehlen. Dann war auch der Rückhalt der Bauern dahin."

Die Ermordung des Försters Johann Daxner

Wer einen Wilderer zur Strecke brachte, für den gab es eine Prämie. Der Lamberg´´ sche Förster Johann Daxner, Vater von zehn Kindern, hatte im Juni 1918 einen Wilderer gestellt. Kurze Zeit später war er selber tot. Am 17. Oktober 1918 wurde er in der Mollner Breitenau von einem Wilderer meuchlings ermordet. Die Pfarrchronik Molln verzeichnet: "Am 17. October Nachts ca. 7 Uhr wurde am sogenannten Wölhauer Holzplatz Herr Förster Johann Daxner mit einem Schrotschuß in die Lunge von Meuchelmördern erschossen. Das Entsetzen über diese That, die einem braven Manne, Vater von 10 Kindern, das Leben kostete, war eine allgemeine. Johann Daxner war ein religiöser und pflichteifriger Förster im Jaidhause und ist wahrscheinlich von Wilderern ermordet worden."
Das "Daxnerkreuz" erinnert bis heute an das Ereignis. Offiziell wurde der Mörder nie ausgeforscht. Der Mord an Johann Daxner ist Teil der Vorgeschichte des "Wildererdramas". 

Schießerei im Gasthaus Dolleschall

Am 14. März 1919, um 19.30 Uhr, ereignete sich schließlich der denkwürdige Vorfall beim Gasthaus Dolleschall in Molln. In der Mollner Pfarrchronik wird er folgendermaßen geschildert: "Der 14. März wird wohl einer der traurigsten Tage in der Geschichte Mollns bleiben. An diesem Tage begab sich eine Schar junger Leute (...), nach Grünburg, um dort inhaftierte Wilderer zu befreien. Es kam dort zu einem Zusammenstoße mit den Gendarmen, in dessen Verlauf die Wilderer befreit und dann Befreier wie Befreite am Abend in Molln in Dolleschalls Gasthaus eintrafen. Inzwischen war von Linz und Steyr mit Autos Gendarmerie-Verstärkung (50 Mann) eingetroffen, um neuerliche Verhaftungen vorzunehmen. Es kam zu neuen Thätlichkeiten, wobei die Gendarmen genöthigt waren, von der Waffe Gebrauch zu machen und drei von den Aufrührern erschossen wurden, während ein vierter mit dem Bajonette in seiner Wohnung beim Resch in der Ramsau erstochen wurde. Die Aufregung war eine furchtbare und drang die Kunde hievon durch das ganze Land." Zur Beerdigung am 18. März sollen daher bis zu 3.000 Menschen gekommen sein.

Gedenkjahr 2019

2019 wird es sowohl im Wilderermusem St. Pankraz als auch im Museum im Dorf in Molln zur Wilderertragödie einen Schwerpunkt geben. Unter anderem sind Theateraufführungen und Lesungen von Prof. Roland Girtler geplant.

Mehr Informationen zum Thema Wildern gibt es im Museum im Dorf in Molln und im Wilderermuseum St. Pankraz.

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