Gastronomie im Bezirk
"Für Vor-Ort-Tests ist eigentlich keine Zeit"

Bianca Pramberger (links) und Markus Ferlbermayr (rechts) sind die Juniorchefs der "Taverne in der Schön" in Micheldorf.
  • Bianca Pramberger (links) und Markus Ferlbermayr (rechts) sind die Juniorchefs der "Taverne in der Schön" in Micheldorf.
  • Foto: BRS/mef
  • hochgeladen von Florian Meingast

Abstand, FFP2-Masken und die "drei G": Unter strengen Auflagen durften Oberösterreichs Gastronome und Hoteliers ihre Betriebe am vergangenen Mittwoch wieder öffnen. Doch diese Auflagen sind für manche Wirte schwierig umzusetzen.

BEZIRK. So sieht etwa Josef Neumair, Chef der Inzersdorfer Dorfstub'n, die Kontrolle der "drei G" – also ob der Besucher getestet, geimpft oder genesen ist – als Herausforderung. Aufgrund von Lockdowns und Kurzarbeit verlor er nämlich zwei Mitarbeiter. "Die beiden fehlen natürlich. Aufgrund der momentanen Personalsituation muss ich vier Teilzeitkräfte zu Corona-Beauftragten ernennen. Sie müssen dann die Gäste während der 90 Stunden, die wir pro Woche geöffnet haben, auf die 'drei G' kontrollieren. Das ist wirklich aufwändig", sagt Neumair.

Trotz der strengen Auflagen sollte unter den Gastronomen die Freude darüber, ihre Lokale wieder öffnen zu dürfen, im Vordergrund stehen. Diesen Standpunkt vertritt jedenfalls Stephan Sams. Er ist einer der drei Bezirkswirtesprecher und Chef des Gasthauses Zum Schwarzen Grafen in Micheldorf.

Aber auch er übt Kritik. "Ich frage mich, warum die Gastronomen so auf die Probe gestellt werden. Wenn der Besucher eines der ,drei G‘ erfüllt, kann ich davon ausgehen, dass er gesund ist", sagt Sams. Warum die Gastronomen trotzdem auf den Zwei-Meter-Abstand achten müssen und Gäste nichts an der Bar konsumieren dürfen, wisse er nicht. Wie Neumair spekuliert zudem auch Sams damit, dass die Auflagen viele Gäste vom Lokalbesuch abhalten. "Vielen Wirten wird dadurch ein wesentlicher Teil der Einnahmen wegfallen. Es gibt Gastronome die überlegen, ob sie ihre Gaststätten unter diesen Bedingungen überhaupt aufmachen oder gar zusperren sollen", meint Sams.

Zeit, die keiner hat

Sams kritisiert zudem die Vorgaben, unter denen die Vor-Ort-Tests stattfinden müssen. So muss der Corona-Beauftragte des jeweiligen Gasthauses nämlich so lange beim Gast bleiben, bis der Test ein Ergebnis zeigt. "Das dauert ungefähr 15 bis 20 Minuten und muss vor dem Lokal passieren. Das ist Zeit, die in der Gastro eigentlich keiner hat", ist Sams überzeugt.

Auch Markus Felbermayr von der Micheldorfer "Taverne in der Schön" sieht die Vor-Ort-Tests eher als "Notlösung". Von großen finanziellen Einbußen aufgrund der Maßnahmen geht er jedoch nicht aus. "Wenn wir geschickt reservieren und die Gäste bestmöglich verteilen, können wir das beste aus der kleineren Zahl an Sitzplätzen machen. Der Andrang ist jedenfalls da. Die Leute sind nämlich gut gelaunt und froh, dass sie wieder zum Wirten dürfen", sagt Felbermayr.

In Zukunft wünscht er sich jedoch von der Regierung, dass sie Gastronome über weitere Maßnahmen früher informiert. "Mir geht es dabei zum Beispiel darum, unter welchen Auflagen wir künftig Hochzeitsgesellschaften bewirten dürfen. Mit 1. Juli dürfen ja aus jetziger Sicht schon wieder größere Veranstaltungen stattfinden", sagt er.

Kommentar

Nach einer Zwangspause durften Oberösterreichs Gasthäuser am vergangenen Mittwoch endlich wieder öffnen. Anstelle sich jedoch darüber zu freuen, sind einige Gastronomen über die strengen Auflagen verärgert. So beklagen Bezirkswirtesprecher Stephan Sams und Dorfstub'n-Chef Josef Neumair, dass für Vor-Ort-Tests zu wenig Zeit ist. Auch befürchten sie Umsatzrückgänge. Die lassen sich wohl kaum vermeiden, aber: Die Erfahrungen aus Vorarlberg zeigen, dass der Betrieb auch unter Einhaltung der Vorgaben recht reibungslos funktioniert – vor allem wenn die Gäste ihren Teil dazu beitragen. Heißt: Ungefragt beim Wirt die Bestätigung über getestet, geimpft oder genesen vorweisen. Und dann entspannt genießen. Denn die Wirte sollen sich ums Bewirten und Verwöhnen kümmern können, anstatt um die mäßig praktikablen Vor-Ort-Tests.

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