13.04.2017, 12:43 Uhr

Ich wollt' ich wär' ein Huhn....

Lakenfelder Hahn (Foto: Macheiner)

Hühner: Sie sind braun oder weiß, legen Eier, gackern, schmecken am besten zart-knusprig gebacken oder gebraten, kommen in Sprichwörtern vor wie z.B. ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn, da lachen ja die Hühner, mit jemandem ein Hühnchen rupfen und der Hahn im Korb. Das Brettspiel „Fuchs und Henne“, der Film „Das Fest des Huhnes“ und das Buch "Superhenne Hannah". Und dass sie dem Osterhasen beim Bemalen der Eier helfen. Mit diesem bescheidenen Wissen fahre ich zum prächtigen Hof der Lachmayrs inmitten ländlicher Idylle.

WARTBERG (mach): „Die weißen und braunen Hühner gehören zur Rasse der Leghorns und der Rotländer“, klärt mich Roland Lachmayr auf, „es gibt weltweit mehrere hundert verschiedene Rassen wie Altsteirer, Australops, Marans, Vorwerkhühner und Lakenfelder“. Zu der letztgenannten hat er vor 3 Jahren seine Liebe entdeckt. „Meine Familie betreibt die Hühnerzucht nicht gewerblich, sondern als Hobby“, so der Hausherr, „mich stört es nicht, wenn meine Hühner weniger Eier legen als reine Legehühner und langsamer wachsen als Masthühner. Die Zweinutzungsrasse Lakenfelder hat eine sehr schöne Optik“. Und so kommt es nicht selten vor, dass Autofahrer stehenbleiben und sich am schwarz-weißen Federvieh erfreuen. Einige Lachmayr Hühner gackern sogar im tirolerischen Kitzbühel - neben dem „gock gock“ gibt es noch eine Vielzahl von Lauten, die je nach Klangfarbe etwas anderes bedeuten: Warnung vor Feinden wie Habichten und Füchsen, Drohlaute, Legebereitschaft und mit „tuck tuck tuck“ lockt der Hahn seine Schar zum Futter. Manchmal haben seine Lockrufe aber nicht nur kulinarische Hintergedanken – schließlich muss ja für den Nachwuchs gesorgt werden! Die bekannteste Lautäußerung begegnet uns schon in der Bibel als Jesus zu Petrus sagte: „Bevor der Hahn 3mal kräht, wirst du mich 3mal verraten haben“. Das passt zu Ostern! „Bei manchen Rassen spart man sich glatt das Färben der Ostereier“, schmunzelt Lebensgefährtin Susanne mit Klein Luisa am Arm, “die „Grünleger“ legen mintgrüne Eier und die Marans schokobraune“. Allerdings ohne Überraschungsfiguren! Überraschungen ersparen sich immer mehr private Haushalte, die sich eigene Hühner im Garten halten, weil sie dann wissen, wo das Fleisch und die frischen Eier herkommen.

„Ich wollt, ich wär‘ ein Huhn, ich hätt‘ nicht viel zu tun“...

Von wegen! Die gefiederten Freunde sind sogar ausgesprochen fleißig, den lieben langen Tag scharren sie nach Futter wie Körner, Insekten und Würmer. „Hühner sind Allesfresser, Sonnenblumenkerne mögen sie besonders gerne“, verrät mir der Altbauer Franz. Sogar Steine und Kalk wandern in deren Mägen zum Zerkleinern der Nahrung und für die Eierschalenproduktion. Unsere fleißigen Eier- und Fleischlieferanten haben aber noch andere Qualitäten: Hinter den Hof- und Gartenbewohnern steckt mehr als ein gackerndes Tierchen – jedes Huhn ist ein Individuum, manche sind schüchtern und zurückhaltend, andere mutig und draufgängerisch. Hühner sind genauso intelligent wie Hunde oder Katzen, lieben ihre Kinder, schließen Freundschaften, kennen Gefühle wie Trauer und Eifersucht und sind sehr sozial. „Die Rang-oder Hackordnung regelt das Zusammenleben und sagt aus, wer wen „hacken“ darf und wer das Hacken anderer zu erdulden hat“, erzählt Herr Lachmayr, „es geht darum, wer am Futter-oder Schlafplatz den Vorrang hat“.

Draußen vorm Hof sehe ich, dass hier der Slogan „glückliche Hühner“ tatsächlich gelebt wird. 30 Hühner und 3 Hähne bedanken sich für die gute Unterbringung und ein gutes Leben mit fröhlichem Gackern und freudigem Geflatter. Vor allem die Lakenfelder zaubern wie „weiße Laken auf schwarzen Feldern“ schöne Farbtupfen ins saftige Grün der Wiesen.

Mit viel neuem Wissen und einer veränderten Einstellung Hühnern gegenüber verabschiede ich mich von der Familie Lachmayr – die Frage „was war früher: die Henne oder das Ei“ konnte mir aber auch der Experte nicht beantworten. In diesem Sinne wünscht die BezirksRundschau allen Leserinnen und Lesern ein schönes Osterfest!

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