26.11.2016, 14:30 Uhr

„Weihnachten ist nicht das Fest des Weihnachtsmannes“

Pater Nikolaus und Kater Felix (Foto: Macheiner)
SCHLIERBACH (mach). Die Bedeutung des Festes geht immer mehr verloren. Weihnachten ist ein pures Kauffest geworden. Zunehmend suchen deshalb Menschen bewusst den Abstand vom Rummel und fragen nach dem Sinn. Die christliche Antwort auf diese Sinnsuche ist: Gott ist Mensch geworden, damit wir im besten Sinn des Wortes Mensch werden können. Die BezirksRundschau sprach mit Pater Nikolaus, dem Abt vom Stift Schlierbach. Die stimmungsvolle Musik dazu lieferte das Schnurren vom Kater Felix.

BezirksRundschau: Zu den Weihnachtsfeiertagen sind die Kirchen stark besucht. Natürlich auch von Menschen, die sonst nicht kommen. Sehen Sie das eher mit einem lachenden oder einem weinenden Auge?

ABT NIKOLAUS: Ich freue mich über die volle Kirche, wenn auch Quantität nie allein zählen darf. Wir legen Wert auf eine ansprechende Gestaltung der Messe, heuer wird die Nikolaimesse von Joseph Haydn in der Stiftskirche gespielt und ich freue mich über all jene, die mit uns die Geburt Jesu gemeinsam feiern.

Ihre ganz persönlichen Erinnerungen aus der Kindheit? Haben Sie ein spezielles Weihnachtserlebnis, an das Sie sich immer wieder gerne zurückerinnern?

Etwas ganz Besonderes war für mich immer der Gang zur Mette zu später Stunde, in meinem Heimatort Vorderstoder. Sie begann damals noch um Mitternacht, der Schnee, die stimmungsvollen Lichter und im Anschluss an die Messe die Turmbläser.

Wie stehen Sie zum Konsum, der dieses Fest begleitet?

Die eigentliche Bedeutung der religiösen Feste ist oft verlorengegangen. Ostern ist nicht das Fest des Osterhasen und Weihnachten nicht das des Weihnachtsmannes. Schenken ist etwas Schönes! Aber es kommt dabei nicht so sehr darauf an, was und wie viel, sondern auf die Einstellung des Schenkens. Uns wird ständig eingeredet, dass wir mehr brauchen, dabei ist weniger manchmal mehr!

Es ist die Zeit der Wünsche, welchen haben Sie?

Es ist ja heuer mein erstes Weihnachten als Abt …mein Wunsch ist es, dass es gut weitergeht mit unserer Ordensgemeinschaft, dass das Stift Schlierbach eine gute Zukunft hat und künftigen Herausforderungen gewachsen ist.

Glauben Sie eigentlich an das Christkind, Herr Abt?

Selbstverständlich! Christus als Kind, Gott als Mensch, das ist die Grundlage unseres Glaubens. Dem Weihnachtsfest mit all seinen Bräuchen wohnt ein gewisser Zauber inne, weil es ja auch um die Sehnsucht nach dieser geheimnisvollen Wirklichkeit, die wir Gott nennen, geht.

Kann es sein, dass in unserer schnelllebigen Zeit gerade jetzt viele Menschen etwas vermissen?

Ich glaube, viele Menschen wünschen sich eine Entschleunigung, sie haben das Gefühl nur noch zu arbeiten, konsumieren, irgendwie zu schauen, dass sie mit dem Leben zurechtkommen. Hier können die Klöster mit ihren Angeboten eine hilfreiche Alternative sein und ich bemerke auch ein steigendes Interesse bei jungen Menschen. Es gibt auch wieder mehr Eintritte ins Kloster, worüber ich mich sehr freue.

Wie erleben Sie die Vorweihnachtszeit im Stift Schlierbach? Wird auch im Stift gefeiert mit Baum und allem, was zu einem richtigen Weihnachtsfest gehört?


Für mich ist sie sehr zeitintensiv. Neben meiner Funktion als Abt betreue ich ja auch noch die Pfarre Wartberg mit. Nach dem Abendgebet haben wir Mönche ein gemütliches Beisammensein in unserem Refektorium, dem Speisesaal. Die jungen Mönche putzen den Christbaum feierlich auf und zünden die Kerzen an. Wir beten, singen Weihnachtslieder, genießen gutes Essen und jeder bekommt ein kleines Geschenk – hier darf ich selber Christkind spielen (schmunzelt).

Bei welchen Kekserln wird denn der Herr Abt schwach?

Unsere Stiftsküche wird in diesen Tagen auch zur Weihnachtsbäckerei und verwöhnt uns mit allerlei Leckereien… genascht wird bei uns erst ab dem 24. Dezember, meine Favoriten sind die Vanillekipferln.

Überall treffen sich zu Weihnachten Familien, setzen sich zusammen und verbringen gemeinsame Stunden miteinander. Denken Sie nie daran, dass es schön wäre, auch eine eigene Familie zu haben?

Wenn man Entscheidungen trifft, dann verpasst man immer ein paar andere Möglichkeiten. Ich bin meinen Weg gegangen. Ich habe ja eine sehr große andere Familie – eben im Sinne meiner Gemeinschaft.

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