04.09.2014, 20:43 Uhr

10. VCÖ-Mobilitätspreis OÖ geht an die Gemeinde Hinterstoder

v.l.: Dr. Willi Nowak, VCÖ-Geschäftsführer, LR Rudi Anschober, Bürgermeister Helmut Wallner mit Vizebürgermeisterin Angelika Diesenreiter und Roland Wallner vom Siegerprojekt "Hinterstoder - sanft mobil", Mag. Peter Schmolmüller, Regionalmanager ÖBB-Postbus GmbH (Foto: Land OÖ/Kauder)

Die Gemeinde Hinterstoder gewinnt den 10. VCÖ-Mobilitätspreis Oberösterreich und wurde von VCÖ, Landesrat Rudi Anschober und ÖBB-Postbus ausgezeichnet.

HINTERSTODER. In Oberösterreich wird jeder dritte Alltagsweg umweltfreundlich zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Am umweltfreundlichsten werden die Schulwege zurückgelegt. Im Vergleich zum Jahr 2001 hat sich die Umweltbilanz insbesondere der Einkaufswege aber verschlechtert. Der VCÖ (Verkehrsclub Österreich) weist darauf hin, dass ein Mobilitätswandel bereits erkennbar ist, vor allem in den Städten.

Siegerprojekt „Hinterstoder sanft mobil“

Das Projekt „Hinterstoder sanft mobil“ wurde im Jahr 2002 gestartet, mit dem Ziel, autofreien Tourismus zu ermöglichen und den Urlaubsgästen ein vielfältiges Mobilitätsangebot zur Verfügung zu stellen. Ein schöner und beabsichtigter Nebeneffekt: Auch die Bevölkerung von Hinterstoder profitiert vom verbesserten Mobilitätsangebot. Der Busverkehr ist das Rückgrat, Fahrräder und E-Bikes sind eine wichtige Ergänzung. Die Fahrgastzahlen beim Tälerbus sind deutlich gestiegen. VCÖ-Geschäftsführer Willi Nowak,
Landesrat Rudi Anschober und der Regionalmanager des ÖBB-Postbus, Peter Schmolmüller, überreichten den 10. VCÖ-Mobilitätspreis Oberösterreich an Bürgermeister Helmut Wallner.

Hinterstoder ist heute vom Wiener Westbahnhof mit öffentlichen Verkehrsmitteln in weniger als drei Stunden erreichbar. Das Auto hat keinen Geschwindigkeitsvorteil mehr. Zahlreiche Maßnahmen wurden in den vergangenen Jahren umgesetzt: Der öffentliche Verkehr wurde besser vernetzt, der neue Tälerbus bietet einen Taktverkehr, es wird ein Elektrobus eingesetzt, der keine gesundheitsschädlichen Abgase beim Fahren emittiert, klimafreundlicher ist und nicht von Erdöl abhängig ist. 43 Bushaltepunkte wurden neu errichtet, sind nun barrierefrei und haben teilweise Echtzeitanzeigen. Die Verbesserungen beim öffentlichen Verkehr werden mit den Einnahmen aus der Parkraumbewirtschaftung finanziert. Für Fahrräder gibt es eine Lufttankstelle. Das Seitental „Polsterlucke“ wurde verkehrsberuhigt. Es wurden zudem nachhaltig zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.
Seit dem Jahr 2007 ist Hinterstoder auch Mitglied des transalpinen Öko-Tourismus- Verbandes „Alpine Pearls – Perlen der Alpen“.

„Die Gemeinde Hinterstoder bringt ein Stück Zukunft in die Gegenwart. Denn wir befinden uns am Beginn des größten Mobilitätswandels seit der Massenmotorisierung“, gratuliert VCÖ- Geschäftsführer Willi Nowak.

Umwelt-Landesrat Rudi Anschober: „Ich gratuliere der Gemeinde Hinterstoder, allen Verantwortlichen und Mittragenden zu dieser zukunftsweisenden Initiative. Mit dem ausgebauten Bus-Netz und dem Zusatzangebot an E-Fahrrädern wird ein wertvoller Beitrag geleistet zur Emissionsreduzierung, damit zum Umwelt- und Klimaschutz, aber auch für die Gesundheit von Touristen und Einheimischen – tolle Pionierarbeit für eine auch zukünftig saubere Urlaubsregion!“

ÖBB-Postbus Regionalmanager Peter Schmolmüller gratuliert den Gewinnern recht herzlich: „Mit ihren Initiativen zur Stärkung der sanften Mobilität im Tourismus bietet Hinterstoder neben der landschaftlichen Schönheit und abwechslungsreichen Urlaubsangeboten einen weiteren Grund, den Urlaub in dieser Ferienregion zu verbringen. Nun müssen wir es noch schaffen, dass
die Urlauberinnen und Urlauber überwiegend mit der Bahn und dem Bus anreisen.“


Vielfältige Mobilität ist ein Mobilitätstrend der Zukunft

In welche Richtung sich die Mobilität der Zukunft entwickeln wird, ist schon heute erkennbar. Einerseits beim sich ändernden Mobilitätsverhalten in großen Städten Österreichs, andererseits durch internationalen Entwicklungen.

Die zunehmende Vielfalt in der Verkehrsmittelwahl ist einer der zukünftigen Mobilitätstrends. Dazu zählt die wachsende Bedeutung des öffentlichen Verkehrs und auch von Gehen und Radfahren. So nimmt die Zahl der Elektro-Fahrräder stark zu, wodurch sich der Radius von Fahrrädern erweitert und auch Strecken in hügeligem Gelände gut mit dem Fahrrad bewältigbar werden. Auch Carsharing gewinnt an Bedeutung, „nutzen statt besitzen“ ist eine weiterer Mobilitätstrend. Fachleute sehen für Kfz-Werkstätten und Kfz-Händler die Chance, sich zu Mobilitätsdienstleistern zu entwickeln, die auch Carsharing oder Leihfahrräder anbieten. Der VCÖ betont, dass diese Entwicklungen auch nötig sind, um die bereits beschlossenen Energie- und Klimaziele erreichen zu können.

OÖ hat bei umweltfreundlicher Mobilität noch aufzuholen

Rund 31 Prozent der Alltagswege werden in Oberösterreich mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß und mit dem Rad zurückgelegt, wie die Mobilitätserhebung des Landes Oberösterreich zeigt. In anderen Bundesländern ist der Anteil der umweltfreundlichen Mobilität höher: In Tirol sind es 42 Prozent, in Vorarlberg 48 Prozent.

Die Analyse des VCÖ zeigt, dass die Wege zur Schule und Universität am umweltfreundlichsten zurückgelegt werden. Zwei Drittel dieser Strecken werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad absolviert. Die anderen Alltagswege werden überwiegend mit dem Auto gefahren. Nur jeder dritte Einkauf wird in Oberösterreich zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigt. Nur jeder fünfte kommt mit dem öffentlichen Verkehr, zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit.

VCÖ-Analyse: Stärkster Rückgang bei umweltfreundlichen Einkaufswegen

Der VCÖ hat analysiert, wie sich das Mobilitätsverhalten in Oberösterreich in den vergangenen Jahren verändert hat. Der Anteil der umweltfreundlichen Mobilität war im Jahr 2012 niedriger als im Jahr 2001. „Die Talsohle ist aber bereits durchschritten. Seit dem Jahr 2006 sind Änderungen im Mobilitätsverhalten erkennbar. Es ist in den vergangenen Jahren die Zahl der Radfahrerinnen und Radfahrer sowie der Fahrgäste des öffentlichen Verkehrs gestiegen“, stellt VCÖ-Geschäftsführer Nowak fest.

Auffallend ist, dass sich vor allem die Umweltbilanz der Einkaufswege gegenüber dem Jahr 2001 verschlechtert hat. Im Jahr 2001 wurden noch 39 Prozent der Einkäufe autofrei erledigt, im Jahr 2012 waren es nur 31 Prozent. „In diesen Zahlen spiegelt sich die wachsende Zahl von Supermärkten am Stadtrand wider, die meist nur mit dem Auto gut erreichbar sind. Diese haben wiederum den Rückgang bei der Nahversorgung beschleunigt. Hier braucht es dringend Korrekturen und strengere Vorgaben durch die Raumordnung. Denn Orte ohne Nahversorgung veröden und verlieren an Attraktivität und an Bevölkerung“, weist VCÖ-Geschäftsführer Nowak auf die Folgen hin.

Auch bei den Freizeitwegen ist der Anteil der umweltfreundlichen Mobilität heute deutlich niedriger als im Jahr 2001. Umso wichtiger ist es, dass viele Gemeinden die Maßnahmen und Ideen des diesjährigen Gewinners des VCÖ-Mobilitätspreis Oberösterreich aufgreifen und möglichst viel davon nachahmen.

Städte als Vorreiter der Mobilitätswende

Dass sich das Mobilitätsverhalten ändert, ist an der Entwicklung in großen Städten sehr gut erkennbar. So ist in Linz der Anteil der zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Öffis zurückgelegten Wege zur Arbeit von 38 Prozent im Jahr 2001 auf 41 Prozent im Jahr 2012 gestiegen. Bei den Wegen zur Schule und Universität hat der Anteil von bereits hohen 76 Prozent auf 79 Prozent weiter zugenommen. Doch auch in Linz ist der Anteil der umweltfreundlichen Einkaufswege zurückgegangen, von 59 auf 56 Prozent.

Umweltfreundliche Mobilität ist auch gesünder, kostengünstiger, platzsparender und energieeffizienter. Umso wichtiger ist es, das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln auszubauen und die Bedingungen zum Radfahren und Gehen zu verbessern, betont der VCÖ. Ein wichtiger Schritt zur Verkehrsvermeidung ist eine verkehrssparende Raumordnung. „So wie Energiesparhäuser heute der Standard sind, sollen neue Wohnsiedlungen Verkehrssparhäuser sein“, so VCÖ-Geschäftsführer Nowak.

Der VCÖ-Mobilitätspreis Oberösterreich wird vom VCÖ in Kooperation mit dem Land Oberösterreich und dem ÖBB-Postbus durchgeführt und vom Verkehrsverbund Oberösterreich und der Energie AG Oberösterreich unterstützt.

10 Jahre VCÖ-Mobilitätspreis Oberösterreich – Die Gewinner

Jahr 2014: Gemeinde Hinterstoder für Projekt „Sanft mobil“
Jahr 2013: „Mobilcard Krenglbach“ – Institut für Kommunalforschung und Umweltbildung
Jahr 2012: Gemeinde Munderfing sammelt Fahrradkilometer
Jahr 2011: Klimafreundliche Mobilität - Marktgemeinde Ottensheim
Jahr 2010: Jugendermäßigung im OÖVV – OÖ Verkehrsverbund
Jahr 2009: 3-Märkte-Bus der Gemeinden Pregarten, Wartberg ob der Aist und Hagenberg im Mühlkreis
Jahr 2008: Verkehrsparen Traun, Stadtgemeinde Traun
Jahr 2007: Nahversorgungskonzept, Regionalmanagement OÖ
Jahr 2006: Rad aktiv, Stadt Vöcklabruck
Jahr 2005: Mobilitätsmanagement, JKULinz
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