09.09.2014, 15:41 Uhr

Arteriosklerose: Gefahr in Verzug

Interview mit Primar Helmut Spalt, Leiter des Radiologie-Instituts im LKH Kirchdorf/Krems.

Bezirksrundschau: Sehr geehrter Herr Primarius, das LKH Kirchdorf widmet sich sehr intensiv der Behandlung von Gefäßerkrankungen. Sie arbeiten dabei eng mit der Chirurgie zusammen. Was konkret passiert bei einer Arteriosklerose im Körper?
Prim. Helmut Spalt: Eine Arteriosklerose ist eine durch Kalkablagerungen verursachte Veränderung der Arterien (Schlagadern), die über viele Jahre entsteht und zunächst völlig unerkannt verläuft. So kommt es bei Betroffenen oft schon im Jugendalter unbemerkt zu ersten Gefäßschäden durch Fettablagerungen in der innersten Arterienschicht. Später entstehen durch dazukommende Blutbestandteile Engstellen und schließlich Verschlüsse.

Was sind die Ursachen?
Die Ursachen resultieren weitestgehend aus einem ungesunden Lebensstil wie Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen und hohem Cholesterinspiegel kombiniert mit Risikofaktoren, wie das Alter, genetische Veranlagung oder auch das Geschlecht. Männer erkranken früher als Frauen.

Welche Erkrankungen entstehen aus einer Arteriosklerose?
Durch die Gefäßverkalkung kommt es zu einer Verengung oder zum Verschluss. Dies führt je nach betroffenem Gebiet zu unterschiedlichen Erkrankungen: Bei Beteiligung der Halsschlagader kann es zu einem Schlaganfall kommen; sind die Herzkranzgefäße betroffen, ist ein Herzinfarkt die Folge. Bei Verengungen im Bereich der Becken- und Beinarterien kann es zum Auftreten der Schaufensterkrankheit kommen, das heißt Beinschmerzen beim Gehen, die nach kurzer Pause wieder abklingen. Wir unterscheiden vier Stadien: Stadium 2: eingeschränkte Gehstrecke. Stadium 3: zusätzlich Ruheschmerz. Stadium 4: das schlechteste Stadium, offene Wunden an den Füßen, die wegen der schlechten Durchblutung nicht heilen.

Außerdem unterscheiden wir zwischen akutem oder chronischem Verschluss. Beim akuten Verschluss der Becken- Beingefäße, meist durch ein Blutgerinnsel, treten plötzlich Schmerzen und Gefühlsstörungen im betroffenen Bein auf. Das Bein ist kalt. Ohne eine entsprechende sofortige Therapie kann es zur Amputation führen. Bei einem chronischen Verschluss entwickeln sich über die Jahre Umgehungskreisläufe der verschlossenen Stelle. Dadurch sind die Patienten oft weitgehend beschwerdefrei.

Welche Untersuchungsmöglichkeiten gibt es?
Mittels Ultraschall oder Computertomographie versucht man vorerst das Ausmaß der Verengung des betroffenen Gefäßes herauszufinden. Zur genaueren Abklärung beziehungsweise Therapie kann eine Gefäßdarstellung mit Kontrastmittel (Angiographie) durchgeführt werden.

Chirurgen und Radiologen arbeiten bei der Behandlung der Arteriosklerose sehr eng zusammen.
Das ist richtig. Gemeinsam mit den Chirurgen legen wir je nach Ausmaß beziehungsweise Lokalisation der Verengung die bestmögliche Behandlung für jeden Patienten fest. Entweder eine Gefäßdehnung – die mit örtlicher Betäubung vom Radiologen durchgeführt wird – oder eine Operation, die vom Chirurgen durchgeführt wird.
Bei der Gefäßdehnung überbrückt man die eingeengte Stelle mit Hilfe eines dünnen Führungsdrahtes. Über diesen wird ein Ballonkatheter eingebracht. Ist das Ergebnis nach einer weiteren Kontrastmittelkontrolle nicht zufriedenstellend, wird ein Metallgitter (Stent) in die Arterie eingebracht. Chirurgische Verfahren sind unter anderem die Entfernung der Kalkablagerung oder eine Bypass-Operation.

Bleibt das gedehnte Gefäß dann, wie es ist?
Natürlich sollte der Patient nach seiner Entlassung mit einer gesunden Lebensweise die Risikofaktoren weitestgehend ausschalten, damit es nicht zu einem neuerlichen Verschluss kommt.

alle Fotos: gespag
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