13.10.2017, 10:26 Uhr

Nervenkitzel mit Bitcoins

Markus Waghubinger (Foto: AssCompact)

Hochspekulative, digitale Anlageform soll den schnellen Reichtum bringen. Experten warnen davor.

BEZIRK (sta). Bitcoin, sinngemäß „digitale Münze“, ist eine Währung ohne Münzen und Scheine. Banken oder Regierungen haben auf dieses innovative Zahlungsmittel keinen Einfluss. Vielmehr ist es ein von seinen Nutzern verwaltetes offenes Netzwerk. Über die Vertriebsstrukturen, mit denen heute Käufer für Bitcoins geworben werden ist noch wenig bekannt. Der gebürtige Kirchdorfer Markus Waghubinger hat Wirtschaftswissenschaft studiert, war sieben Jahre als Anlageberater tätig und ist heute im Projektmanagement einer Bank tätig. Er sagt: "Immer wenn vornehmlich junge Männer, die vor kurzem noch Lehrlinge, Schüler oder Handwerker waren, plötzlich im Anzug und mit teuren Statussymbolen auftauchen und von ihrem eigenen „Business“ reden, werde ich skeptisch. Denn wir wissen mittlerweile, wie Strukturvertrieb funktioniert: Man positioniert sich als erfolgreicher Geschäftsmann, der es geschafft hat sich sein eigenes „Business“ aufzubauen und holt Bekannte und Verwandte in die Struktur – der Partnerakquisiteur verdient an jedem Abschluss. Ob es sich um ein Pyramidenspiel handelt, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, die Vorgehensweise weist aber erschreckende Parallelen auf."
Konsumentenschützer und Aufsichtsbehörden sollen sich um das Thema annehmen, so Waghubinger. "Es werden bei Bitcoins Kursfantasien verwendet, die zu großem Reichtum führen sollen. Egal ob in der Argumentation begründet, oder nicht – es sollen Laien für ein Investment in einer hochspekulativen, digitalen und unreglementierten Anlageform begeistert werden." Früher oder später werden sich auch die Gerichte mit Geschädigten beschäftigen – davon ist Waghubinger überzeugt. "Spätestens dann, wenn eine etwaige Blase platzt. Es wird sich dann auch die Frage stellen, ob richtig beraten wurde."

"Nur was für Spieler"
Sparkasse OÖ-Generaldirektor Michael Rockenschaub sagt: "Virtuelle Währungen oder auch ‚Kunstwährungen‘ wie Bitcoins sind extrem riskant und außerhalb jeder objektiver Kontrolle. Daher ist das kein Beratungsthema in der Sparkasse Oberösterreich.“
Franz Forsthuber, Geschäftsleiter der Raiffeisenbank Region Kirchdorf dazu: "Es wurde aus Luft Geld geschaffen. Meine persönliche Meinung ist, dass Bitcoins nur für 'Spieler' geeignet sind, die einen Nervenkitzel suchen."

Franz Forsthuber, Raiffeisenbach Region Kirchdorf: Jedem der Anleger muss klar sein, dass er sich mit Bitcoins auf sehr dünnem Eis bewegt und es extreme Währungsschwankungen gibt, die sogar bis zum Totalverlust führen können. Dieser virtuellen Währung liegt kein logisches Geschäftsmodell zugrunde. Ich rate zur absoluten Vorsicht und werde sicher keinen Euro darin investieren.

Anton Obernberger, VKB-Bank Kirchdorf:
Bitcoins und Co. zählen meiner Einschätzung nach zu hochspekulativen Instrumenten. Warum soll der Bitcoin heute um ein Vielfaches mehr Wert sein als zu Jahresbeginn, worin soll diese Wertsteigerung begründet sein? Hier scheint mir persönlich doch sehr viel Spekulation dahinter zu stecken, die mir nicht nachvollziehbar erscheint.

Christian Walcher, Oberbank Kirchdorf: Momentan sind Bitcoins vor allem eines: Spekulationsobjekt. Viele Menschen kaufen sie nur, weil sie hoffen, dass ihr Wert steigt - ohne ernsthaftes Interesse, sie als Zahlungsmittel einzusetzen. Da es keine regulierende Instanz gibt, sind die Kursschwankungen extrem. Auch die rechtliche Situation in Österreich ist noch nicht geklärt.
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Franz Staudinger aus Kirchdorf | 13.10.2017 | 10:28   Melden
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