02.09.2014, 14:59 Uhr

"Nicht immer ist der Zweck transparent"

(Foto: Kzenon/Fotolia)

Heimische Lokalbetreiber setzen sich gegen die "Paragastronomie" zur Wehr.

BEZIRK (wey). Von Open-Air-Clubbings über den Feuerwehrheurigen bis zu zahlreichen Dorffesten: Im Sommer gibt es hunderte Veranstaltungen dieser Art. Wie die "Presse" vor einigen Tagen berichtete, setzt sich die Diskoszene immer häufiger gegen die so genannte Schwarz- oder Paragastronomie zur Wehr. Wenn die gesammelte Jugend ihre Wochenende auf Partys verbringt, fehlt den Lokalbetreibern der Umsatz. In Niederösterreich etwa mussten bereits zahlreiche Feste abgesagt werden, da die Behörde ihre Genehmigung zurückzog. Ein privater Verein namens "Bündnis der Gastronomie Österreich" habe es sich zum Ziel gesetzt, Vereine und Veranstalter anzuzeigen, die Feste "illegal" ausrichten.

Gemeinnützige Vereine dürfen an drei Tagen im Jahr Veranstaltungen abhalten, um damit das Vereinsleben zu finanzieren. Sie dürfen aber keinem kommerziellen Anbieter Konkurrenz machen. "Feste durchzuführen ist für Vereine mit einem enormen Aufwand verbunden", sagt Stefan Lorenz, Geschäftsführer der Landjugend OÖ. "Behördliche Auflagen und unzählige Vorschriften sind große Herausforderungen. Wir führen jährlich in allen Bezirken Schulungen zum Thema Veranstaltungs- und Vereinsrecht durch, um Jugendlichen ihre Verantwortung als Funktionäre bewusst zu machen."

Am Wochenende bemerkbar
Bezirkshauptmann Dieter Goppold stellt den heimischen Veranstaltern ein gutes Zeugnis aus. "Die Vereine im Bezirk halten sich offenbar an die Richtlinien, es gibt diesbezüglich nur vereinzelt Anfragen. Bei uns ist das derzeit kein Thema."
Für Siegfried Pramhas, den Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer OÖ, ist die Situation dennoch nicht unproblematisch. "Viele Gastronomen im Bezirk spüren die Festlzeit im Sommer. Das hören wir immer wieder und es ist an den Wochenendfrequenzen in den Abendlokalen merkbar", berichtet Pramhas. "Die meisten Feste finden statt, um Investitionen zu tätigen, die auch der Allgemeinheit zugutekommen. Dagegen ist nichts zu sagen. Problematischer sind jene Feste, bei denen nicht immer ganz transparent ist, wie die Erlöse verwendet werden. Davon gibt es im Bezirk zwar wenige - aber es gibt sie." Von der Gastronomie, so Pramhas, wird verlangt, ein ganzes Jahr geöffnet zu haben, fixe Arbeitsplätze und beste Qualität zu bieten. Sie ist mit einer Vielzahl von Auflagen und ständigen Kontrollen befasst. "Bei Festln, so hat man das Gefühl, werden trotz vieler Beteuerungen andere Maßstäbe angewandt. Das sorgt natürlich für Ärger. Die Wirte sind Nahversorger, sie müssen investieren und wirtschaften können."

"Diskotheken können die Vereinsfeste als Chance sehen und davon profitieren – schließlich sind durch jedes Fest auch viele Leute auf den Beinen, wo der eine oder andere zu späterer Stunde auch noch in der Disco vorbeischaut", sagt Dominik Feßl, Geschäftsführer der ÖVP Kirchdorf. "Wenn man aber die unliebsame Konkurrenz mittels Anzeigen aus dem Weg schaffen will, wird es dazu führen, dass sich die Vereinsmitglieder künftig am Abend lieber noch ein Getränk im Vereinsheim genehmigen, anstatt in die Disko zu gehen, die einem vielleicht das Sommerfest verdorben hat."
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