17.10.2014, 10:28 Uhr

"Pensionslücke wird wohl zum Wort des Jahres 2014 gekürt"

Josef Striegl, Direktor der Sozialversicherungsanstalt der Bauern (Foto: Foto: SVB)

Der Rotary-Club Kremsmünster setzte sich kürzlich in einer Diskussionsrunde intensiv mit dem Neuen Pensionskonto und mit der langfristigen Finanzierbarkeit des Pensionssystems auseinander.

KREMSMÜNSTER (sta). Josef Striegl, Direktor der Sozialversicherungsanstalt der Bauern stellte das Neue Pensionskonto im Detail vor:

Im Mittelpunkt des Pensionskontos steht die Formel: 45 – 65 – 80, soll heißen: Wer nach 45 Versicherungsjahren mit 65 Jahren in Pension geht, soll 80 Prozent des durchschnittlichen Lebenseinkommens als Pension bekommen.

Zur Pensionsbemessung werden also künftig sämtliche Versicherungsjahre und nicht mehr nur die „besten“ herangezogen. Der Grundsatz der lebenslangen Durchrechnung statt der Heranziehung der „besten Jahre“ ( derzeitige Bemessungszeit: die „besten“ 26 Jahre) bedeutet einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Massive Verbesserungen bei der Anrechnung der Kindererziehungszeit sowie eine höhere Aufwertung von weiter zurückliegenden Beitragsgrundlagen haben die offensichtlichen Nachteile durch die lebenslange Durchrechnung - zumindest zum Teil - kompensiert. Personen mit hohen Einkommensschwankungen zählen zu den „Reformverlierern“; Personen mit kontinuierlichem Einkommen, aber auch Mütter ohne lange Teilzeitphasen kann man zu den Gewinnern zählen.

Mit dem neuen transparenten Pensionskonto wurde wohl das größte Reformprojekt der letzten Jahrzehnte umgesetzt. Striegl berichtete über die politischen Hintergründe und ging auch auf Fragen der Harmonisierung sowie der mittel- und langfristigen Finanzierbarkeit des Pensionssystems ein.
Die steigende Lebenserwartung und niedrigere Geburtenraten verursachen demographische Veränderungen, auf die man durch rechtzeitige Reformmaßnahmen reagieren muss. Striegl bezeichnete großzügige – vorzeitige, abschlagsfreie - Ruhestandsregelungen in der Vergangenheit zum Teil als „politischen Sündenfall“.

Vordringlich für die langfristige Finanzierbarkeit des Pensionssystems ist die Anhebung des faktischen Pensionsanfallsalters. Das von der Regierung für 2018 angepeilte Ziel für das durchschnittliche Anfallsalter von 60,1 Jahren ( derzeit: 58,8 Jahre) ist zwar ambitioniert, aber durchaus realistisch.

Das neue Pensionskonto bedeutet für den einzelnen hohe Transparenz –aussagekräftige Vorausberechnungen des künftigen gesetzlichen Pensionsanspruchs sind damit möglich. Die sog. „Pensionslücke“ wird derzeit stark thematisiert. Das Wort „Pensionslücke“ hat gute Chancen zum „Wort des Jahres“ zu werden. Private Pensionsvorsorgeprodukte werden in letzter Zeit stark nachgefragt. Striegl empfiehlt unbedingt eine seriöse und umfassende Beratung in Anspruch zu nehmen.

Striegl hob auch hervor, wie attraktiv es künftig sei, länger im Erwerbsleben zu bleiben. Mit 65 statt mit 62 in Pension zu gehen, bedeutet z. B. ein Mehr an Bruttopension um rund 25 Prozent.

Das Resümee von Striegl: Österreich ist ein sozialer Wohlfahrtsstaat mit einem – im OECD-Vergleich - durchaus beispielgebenden Pensionssystem, das durchaus auf einer soliden Basis steht. Freilich darf man sich auch künftig rechtzeitiger Reformschritte, insbesondere aufgrund der fortschreitenden demographischen Entwicklung, nicht verschließen. Das Beste für eine erfolgreiche Sozial- und Pensionspolitik ist eine erfolgreiche Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Ein funktionierender Sozial- und Wohlfahrtsstaat bedeutet Umverteilung und verteilt werden kann/ darf/soll nur, was vorher erwirtschaftet wird.
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