26.11.2016, 19:56 Uhr

Was mache ich, wenn mir jemand übel zugespielt hat? Kann Verzeihung gelingen?

Was mache ich, wenn mir jemand übel zugespielt hat? Kann Verzeihung gelingen? Zwei namhafte Persönlichkeiten referierten in Schlierbach über diese Thematik Ist es möglich, zu verzeihen? Ist es möglich, von den Verletzungen Schritt für Schritt loszulassen und im Hier und Jetzt zu leben? Mit diesen Fragen beschäftigten sich zwei namhafte Persönlichkeiten am „Tag der Barmherzigkeit“ im Stift Schlierbach. Die Verantwortlichen des Dekanates Windischgarsten luden zum Abschluss des Jahres der Barmherzigkeit zu V

Zwei namhafte Persönlichkeiten referierten in Schlierbach über diese Thematik.

SCHLIERBACH. Ist es möglich, zu verzeihen? Ist es möglich, von den Verletzungen Schritt für Schritt loszulassen und im Hier und Jetzt zu leben? Mit diesen Fragen beschäftigten sich zwei namhafte Persönlichkeiten am „Tag der Barmherzigkeit“ im Stift Schlierbach. Die Verantwortlichen des Dekanates Windischgarsten luden zum Abschluss des Jahres der Barmherzigkeit zu Vorträgen mit Melanie Wolfers und Bischof Manfred Scheuer ins Genusszentrum.

Melanie Wolfers hat in ihrem Vortrag in Schlierbach Schritte aufgezählt, um Kränkungen zu überwinden und von Neuem „vorwärts“ zu leben. „Die tiefsten Wunden des Leben sind Beziehungsverletzungen“, so Melanie Wolfers. Kein Lebensbereich ist von inneren Verletzungen ausgenommen. Ärger und Wut, Angst, Scham und Ohnmacht sind Gefühle der Kränkung. Sie zeigte auf, wie hoch die Kosten sind, wenn ein Loslassen nicht gelingt. „Was wir nicht loslassen, lässt uns nicht los, hat uns in der Hand“, so die Referentin. Es sind meistens Anteile von beiden Seiten. Der Weg der Versöhnung ist anspruchsvoll, er fällt einem nicht in den Schoß, sagte Melanie Wolfers. Freiheit ist dabei oberstes Gebot. Niemand kann zur Vergebung gezwungen werden. Es ist ein innerer Prozess, ein freies Wollen.

Bischof Manfred Scheuer stellte die Frage „Was ist Barmherzigkeit?“. Er zeigte verschiedene Szenen des Alltags auf und verknüpfte damit den Begriff Sympathie. Barmherzigkeit ist für Bischof Scheuer ein Beziehungsthema. Es gilt, einander auf Augenhöhe zu begegnen. Er wies dabei auf das päpstliche Schreiben über die Freuden der Liebe mit dem Titel „Amoris laetitia“ hin. Es geht hier zuerst um das Annehmen, nicht das Urteilen. Ein guter Blick der Liebe sieht das, was wächst, das was gut ist. Auf die Frage eines Zuhörers, woher die Kraft dafür nehmen, antwortete Bischof Manfred Scheuer: „Barmherzigkeit, Verzeihen ist kein Kraftakt. Von der heiligen Schrift her ist es Gnade. Ein Zueinanderspiel von Gnade und eigener Freiheit. Ich kann Verzeihung nicht einfordern. Ich muss darum bitten, darauf warten. Es braucht auch Zeit“, so der Bischof. Ihm ist es ein großes Anliegen, das grundsätzliche Wohlwollen, die gegenseitige Wertschätzung zu pflegen – innerhalb der Familie genauso wie in unserer Gesellschaft.

Mit einem Wortgottesdienst in der Stiftskirche endete die Dekanatsveranstaltung.

Fotos: Haijes
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