14.10.2014, 14:05 Uhr

Zeit zum Trauern nehmen

Foto: v.l. Sigrun Schöttl, Seelsorgerin im LKH Kirchdorf; Bezirkskoordinatorin Sabine Greimel, Mobiles Hospiz Bezirk Kirchdorf; (Foto: LKH Kirchdorf)

Seelsorgerin Sigrun Schöttl gibt Ratschläge, wie man den Tod eines geliebten Menschen verkraftet.

BezirksRundschau: Frau Schöttl, Sie sind Seelsorgerin im Krankenhaus Kirchdorf. Was raten Sie all jenen, die einen geliebten Menschen verloren haben?
Sigrun Schöttl: Wenn ein Mensch stirbt, der uns sehr nahe steht, ist es schwer mit der Endgültigkeit mit der uns der Tod konfrontiert, umzugehen. Um den Tod besser begreifen und verarbeiten zu können, ist es gut wenn die Möglichkeit besteht, den Verstorbenen noch einmal zu sehen und zu berühren – ihn/sie zu begreifen.
Wenn wir den Schritt gehen können, dem Toten und damit auch dem Tod ins Gesicht zu sehen, sie/ihn zu berühren, dann ist für die Trauerarbeit schon viel geschehen. Später sind diese Dinge oft nur mühsam nachzuholen..

Welche Rolle spielen Rituale bei der Trauerarbeit?
Rituale helfen, den Tod begreifbar zu machen. Wir können eine Kerze anzünden, einen Rosenstock oder einen Baum pflanzen, es gibt das Nachtwachen u. v. m. Kinder machen das oft ganz automatisch: Sie nehmen einen Gegenstand, den sie mit dem geliebten Menschen verbinden und tragen ihn mit sich oder geben ihm einen besonderen Platz in ihrem Leben. So hat z.B. eine Tochter den Schal ihrer verstorbenen Mutter in ihrem Bett einen festen Platz gegeben. Diese angreifbaren Zeichen der Verbundenheit helfen, mit dem Unbegreifbaren umgehen zu können.
Als Trauernde/r ist es wichtig, alle Gefühle zuzulassen: Schmerz und Trauer, Wut, Klage, Ohnmacht, Hilflosigkeit, etc. Neben diesen „negativen“ Gefühlen gibt es immer wieder auch Momente tiefer Verbundenheit, der Ruhe und des Friedens. Alles darf sein.

Wohin kann man sich wenden, wenn ein Angehöriger verstorben ist?

Im Krankenhaus an die Seelsorgerin, die Psychologinnen bzw. vermitteln die Stationsleitungen Kontakte. Außerhalb des Krankenhauses an die Pfarre oder das Mobile Hospiz des Roten Kreuzes.

Wenn im Krankenhaus jemand stirbt, besteht dann die Möglichkeit für die Angehörigen, sich vom Verstorbenen zu verabschieden?
Ja. Es gibt den Verabschiedungsraum im Erdgeschoß des Krankenhauses. Aber auch auf den Stationen wird darauf geachtet, dass die Angehörigen ausreichend Zeit haben sich zu verabschieden, Rituale zu feiern und Zeit für das gemeinsame Gebet zu haben.

Werden Sie im Krankenhaus mit dem Thema Trauer in der Seelsorgearbeit konfrontiert?
Trauer ist ein Hauptthema der Seeslsorge. Trauer hat aber nicht immer nur etwas mit Tod und Sterben zu tun. Auch Veränderungen im Leben lassen uns trauern. Im Krankenhaus ist man als Patient aus dem Alltag und seinem gewohnten Umfeld herausgerissen. Nach einem Aufenthalt im Krankenhaus besteht die Unsicherheit ob wir unser vorheriges Leben wieder genauso aufnehmen können, wie wir es gewohnt waren. Oftmals heißt es dann langsamer treten oder sogar Pflege in Anspruch zu nehmen.

Unser Leben ist geprägt von Veränderung und Loslassen. Der Prozess des Loslassens ist meist mit Trauer verbunden: Wenn Kinder aus dem Haus gehen, wenn unsere Mobilität eingeschränkt ist, usw. Wenn wir im Loslassen unseren Blick darauf richten können, dass das Loslassen in vielen Fällen auch einen Gewinn an Freiheit bedeutet, können wir damit vielleicht gelassener umgehen.
„Der Tod dauert das ganze Leben und hört auf, wenn er eintritt“, heißt es im Film „The Bandits“. Tod und Trauer gehören zu unserem Leben. Sind sie auch schwer auszuhalten, zeigen sie uns doch, wie kostbar das Leben ist. Jeder Atemzug ist ein Geschenk.
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