14.03.2017, 15:38 Uhr

"Noch 170 Jahre bis zur echten Gleichstellung"

Julia Bauer präsentierte aktuelle Zahlen und sprach über die Situation der Frauen am Arbeitsmarkt.

Anlässlich des Weltfrauentags lud das Arbeitsmarktservice Kirchdorf zum Filmfrühstück ins Kino ein.

KIRCHDORF (wey). Gezeigt wurde der Film "I, Daniel Blake". Vorher machte Geschäftsstellenleiterin Julia Bauer deutlich, warum das AMS eine Veranstaltung zum Weltfrauentag organisiert. "Nach aktuellen Studien wird es noch 170 Jahre dauern, bis Männer und Frauen wirklich gleichstellt sind", erklärt sie. "Das geht sich weder für die Kinder noch für die Enkelkinder aus. Dafür sollten wir etwas tun." Und zwar unter anderem in Richtung Berufsorientierung. "Frauen konzentrieren sich derzeit auf einige wenige Branchen, in denen sie tätig sind", sagt Bauer. "Männer sind in mehr Branchen tätig, in denen sie auch besser verdienen." Zahlreiche Frauen sind zudem teilzeitbeschäftigt. Bauer: "Die individuellen Gründe dafür sind vielfältig und wenn man sich freiwillig dafür entscheidet, ist das durchaus legitim." Der Großteil aller Frauen in Österreich, die teilzeitbeschäftigt sind – das sind aktuell 331.000 – hat allerdings deswegen keinen Vollzeitjob, weil sie Betreuungspflichten gegenüber Kindern oder älteren Erwachsenen haben. Diesen 331.000 Frauen stehen gerade einmal 8000 Männer gegenüber, die aus demselben Grund einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen. "Teilzeitarbeit kann ein schöner und passender Schritt sein. Ich glaube aber nicht, dass das für die Gesamtheit der Frauen so passt", sagt Bauer. "Zudem erleben wir in unserer täglichen Arbeit immer wieder, dass vielen nicht bewusst ist, welche Folgen eine Teilzeitbeschäftigung haben kann, vom Arbeitslosengeld über die Notstandshilfe bis bis hin zum Pensionsanspruch."

Zwei- bis dreimal im Berufsleben Kunde beim AMS

Derzeit liegt die Arbeislosenquote im Bezirk bei 6 Prozent und damit unter dem Oberösterreich- und dem Österreich-Schnitt. Man müsse heutzutage davon ausgehen, fährt Bauer fort, dass jeder Mensch zwei- bis dreimal während des Berufslebens Kunde beim AMS wird, weil sich die Dienstverhältnisse ändern. "Es gibt leider auch Situationen, in denen sich die Arbeitslosigkeit verfestigt", sagt die Geschäftsstellenleiterin. Problematisch ist die Situation für ältere Personen ab 50 Jahren genauso wie für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder Personen, die lediglich einen Pflichtschulabschluss haben. Besonders brenzlig wird es dann, wenn mehrere dieser Faktoren zusammenkommen. Dennoch sei dies kein Grund zum Verzweifeln. Lösungen, so Bauer, gäbe es viele, von der geförderten Facharbeiter-Kurzausbildung über Stiftungsmodelle, das Programm AQUA - arbeitsnahe Qualifizierung - bis hin zu Sprachkursen.

NEU: Lehrstellenförderung für über 18-Jährige

Bei der neuen Lehrstellenförderung für Erwachsene bezahlt das Unternehmen nur die Lehrlingsenschädigung. Der Arbeitnehmer bekommt aber den Hilfsarbeiterlohn ausbezahlt, die Differenz übernimmt das AMS. "So kann man sich die Ausbildung leisten und die Lehrjahre überbrücken", sagt Julia Bauer.
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