07.10.2014, 13:19 Uhr

Wiederverwenden statt Wegwerfen – Erfolgsprojekt ReVital

(Foto: Doc RaBe/Fotolia)

OÖ erfolgreich gegen den Wegwerf-Trend: Tausende Kilo Altwaren werden zu hochwertigen Produkten

BEZIRK, OÖ. Oberösterreich ist wieder einmal vorne: nach Rekordwerten beim Trennen, Sammeln und Wiederverwerten des Abfalls, geht es nun in einem wirklichen Boom ins Wiederverwenden - aus Abfall werden wieder hochqualitative Konsumgüter. 645.000 Kilogramm ReVital-Produkte wurden 2013 in den ReVital-Shops verkauft, das entspricht einer Steigerung von 36 % gegenüber 2012. Das österreichweit einzigartige Projekt war schon nach wenigen Monaten eine absolute Erfolgsstory und hat sich mittlerweile bestens etabliert, wurde etwa auch in Dänemark präsentiert.

Altwaren werden gesammelt, wiederaufbereitet und als hochwertige Produkte wieder verkauft. Bis zum heutigen Datum bestehen bereits 16 Shops in 15 oö. Bezirken. Die bestehenden ReVital-Shops schaffen mittlerweile nachweislich Arbeitsplätze, preisgünstigen Konsum, mehr Klimaschutz und kleinere Müllberge.

Und für 2014 zeichnen sich weitere Steigerungen ab: Im ersten Halbjahr 2014 konnte die Vorsammlung über die Altstoffsammelzentren um 25 % gesteigert werden, die Gesamtsammelmenge (ASZ und direkt über Shop) um 8 %.

Wiederverwendung ist ein vorrangiger Grundsatz der Abfallgesetze, allein die Maßnahmen dazu sind oft sehr dürftig. Oberösterreich hat im Juni 2009 ein Pilotprojekt gestartet, Altwaren in den Altstoffsammelzentren (ASZ) zu sammeln und als „wiederbelebte“ ReVital-Produkte in eigenen Verkaufsstellen, den ReVital-Shops anzubieten. Nach der positiven Bilanz im ersten Pilotjahr stellte das Umweltressort ab 2011 die nötigen Fördermittel für einen weiteren ReVital-Ausbau in allen Bezirken zur Verfügung. Das oö. Modell zur Abfall-Wiederverwendung erhält europaweit Aufmerksamkeit, 2013 wurde das Projekt in Dänemark präsentiert.

Von ReVital, dem Projekt zur Abfallvermeidung durch Wiederverwendung gebrauchter, qualitätsgeprüfter Altwaren, profitieren in mittlerweile 15 Bezirken alle: Umwelt, Klima, Arbeitsplätze, sozial Schwache.

Die Idee

Das Projekt ReVital in Oberösterreich ist eine Geschäftsidee zur landesweiten Vernetzung von sozialen Integrationsunternehmen im Non-profit Bereich, deren Verkaufsstandorte und den Umweltprofis der kommunalen Abfallwirtschaft - LAV, BAV und Statutarstädte und LAVU AG - bei Sammlung, Aufbereitung und Verkauf von gebrauchten Produkten aus den Bereichen Elektroaltgeräte (EAG), Möbel, Sport & Freizeitgeräte und Hausrat.

Die Produktlinie: „ReVital. Ökologisch. Günstig. Sozial.“

ReVital ist der Markenname für gebrauchte, aber gut erhaltene und einwandfrei funktionierende Produkte, die mehr hergeben, weil sie mehrere Werte haben:
1. Die Umwelt nachhaltig entlasten (Abfallvermeidung, Ressourcenschonung und Beitrag zum Klimaschutz),
2. arbeitsmarktpolitische Zielgruppen beschäftigen,
3. günstige Einkaufsmöglichkeiten schaffen, die sich durch geprüfte Qualität auszeichnen und
4. Umtauschrecht für ReVital-Produkte innerhalb von 4 Wochen.
ReVital-Produkte bestechen auch durch Qualität. So gelten als Mindestanforderungen für ReVital-Produkte, anhand derer bereits eine Abgrenzung zu Flohmärkten oder unqualifizierten Secondhand-Läden erkennbar sein muss:
• Optisch ansprechend präsentiert
• Vollständigkeit des Produktes
• Funktionsfähigkeit (mit Prüfnachweis insbesondere bei EAG-Großgeräten)
• Sicherheitsprüfung lt. Norm-Anforderung
• Hygienische Unbedenklichkeit

Wie es funktioniert

Beginnend mit Juli 2009 wurden in ausgewählten Altstoffsammelzentren gebrauchte, aber wiederverwendbare Altwaren nach den Fraktionsgruppen Elektroaltgeräte (EAG), Möbel, Sport & Freizeitgeräte und Hausrat kontrolliert nach einheitlichen Qualitätskriterien gesammelt (vollständig, unbeschädigt hygienisch unbedenklich, ...). Die Aufbereitung und allfällige Reparatur erfolgt in qualifizierten Einrichtungen in OÖ, wie zB. dem Techno Team des FAB / Reno in Wels. Die so „wiederbelebten“ Waren werden unter dem Markennamen als ReVital-Produkte in den adaptierten Verkaufsstellen der Partner als Qualitätslinie/Mehrwertprodukte angeboten.

Netzwerkerweiterung 2013

Zu Jahresbeginn 2013 konnten die Vertriebspartnerschaften in Freistadt mit Volkshilfe und in Ried mit rifa den Vollbetrieb aufnehmen. Anfang Juli 2013 erfolgte die Neueröffnung des Volkshilfe shops in Kirchdorf mit ReVital-Partnerschaft. Somit konnte das ReVital-Netzwerk ab Jahresmitte auf 15 Vertriebspartnerschaften in 14 politischen Bezirken und 6 Aufbereitungsbetriebe erweitert werden; die Projektausweitung lag damit voll im Plan!

Die Kooperation mit dem B7 in Linz betreffend der qualifizierten Fahrradaufbereitung begann ab März / April 2013 anzulaufen und entwickelte sich zuerst kleinräumig, aber mit sehr guten Rückmeldungen der Projektpartner – Diese sehen mögliches Entwicklungspotential zur räumlichen Ausweitung.

Die Projektkoordinierung und Zusammenarbeit des Landesabfallverbandes mit allen Partnern funktioniert auch 2013 weiterhin sehr gut, zudem werden zahlreiche Maßnahmen gesetzt, um die Öffentlichkeit von den ReVital-Shops und den Möglichkeiten in der Abfallsammlung bzw. -wiederverwendung zu informieren. Als neueste Marketingmaßnahme wurde ein Bus der Wels Linien in ein ReVital-Design gehüllt und dreht seither als ReVital-Bus seine Runden.

In Summe wurden im Berichtsjahr 2013 über 1050 Tonnen Altwaren unter dem Titel ReVital-Vorsammlung gesammelt; 43 % davon über die Schiene der Altstoffsammelzentren (ASZ), 57 % stammen aus Spenden bzw. eigener Sammlung der Netzwerkpartner. Gegenüber 2012 konnte somit die Input Sammelmenge generell um 35 %, jener Anteil aus ASZ um rund 43 % gesteigert werden.

Bezogen auf den Gesamtinput von 1.050 Tonnen nehmen die Fraktionen Großmöbel und Elektrogroßgeräte (EAG-G) gleichauf mit jeweils rd. 27 % den vergleichsweise größten Massenanteil ein, gefolgt von Hausrat mit 19 %.
Im Verkauf von ReVital-Produkten liegen eindeutig die Großmöbel mit 36 % vor der Fraktion Hausrat mit 26 % vorne. Das liegt an den vergleichsweise höheren „Verlusten“ bei der Aufbereitung von EAG-G bzw. der geringeren Reparaturfähigkeit.

Von den Aufbereitungsbetrieben konnten rd. 80.000 kg als qualitätsgeprüfte ReVital-Produkte an die Vertriebspartner weitergegeben werden. Dabei handelt es sich zum überwiegenden Teil um aufbereitete Elektroaltgeräte.

Als qualitativ einwandfreie ReVital-Produkte wurden über die Shop-Partner gesamt rd. 645.000 kg verkauft, das bedeutet eine Steigerung um 36 % gegenüber 2012! Bezogen auf den Wareninput in den Shops der Vertriebspartner läge damit die ReVital-Verkaufsquote rein rechnerisch bei 79 %.
Betrachtet man die einzelnen Vertriebsstellen, so zeigt sich 2013 erneut, dass in den Ballungszentren die Nachfrage nach ReVital-Produkten deutlich höher ist als im ländlichen Raum.

Altstoffsammelzentren (ASZ) – Partner für die Vorsammlung

Die Vorsammlung erfolgt unter Aufsicht bzw. Annahmekontrolle durch das ASZ Personal. Die Lagerung findet jedenfalls wettergeschützt entweder im ASZ Gebäude-Lagerraum, oder in einem geschlossenen Seecontainer statt.

Mit Jahresende 2013 waren 79 ASZ, verteilt auf 17 Bezirke, in die ReVital-Vorsammlung eingebunden, gegenüber dem Stand Ende 2012 (68 ASZ) ein Plus von 16 %!

Als Sammelmenge über die ASZ wurden rd. 456.000 kg (ohne Abzug Retourware) aufgezeichnet, das entspricht einer erfreulichen Steigerung von 43 % gegenüber 2012 und stellt weiterhin eine wesentliche Säule im Warenaufkommen der ReVital- Sammlung dar!
Beschäftigungsimpuls

Nach Auswertung der Einzelberichte der Netzwerkpartner konnten Ende 2013 nach Köpfen (also inkl. Teilzeitbeschäftigte) 74 Transitarbeitskräfte und 43 Personen hauptamtlich durch das ReVital-Projekt Beschäftigung finden, eine erfreuliche deutliche Steigerung gegenüber 2012. Zudem werden einige Personen aus dem Bereich Zivildiener, Lehrlinge oder ehrenamtliche Mitarbeiter/innen eingesetzt.

FAZIT: Der anfangs der Pilotphase für 2015 angepeilte Beschäftigungsimpuls durch ReVital ist frühzeitig eingetreten und lässt sich schon nachweisen!

Ausblick und weitere Schritte

Hinsichtlich des Shopausbaus ist eine Netzwerkverdichtung in den großen Städten, zumindest in der Landeshauptstadt, weiterhin anstrebenswert, eventuell in Kooperation mit Urfahr-Umgebung. Großes Potential wird durch die Einbindung der Regionen Wels-Stadt und Wels-Land seit April 2014 gesehen, gibt es doch in Ballungszentren nachweislich eine höhere Nachfrage nach hochwertigen, gebrauchten Produkten.

Im Bereich der Vorsammlung sind die Bezirksabfallverbände (BAV) und Städte in die Verantwortung zu nehmen, um ihre Beiträge zu den vorrangigen Zielen der Abfallhierarchie zu leisten, insbesondere durch Ausweitung der Vorsammlung in den ASZ. Derzeit sind 79 von 180 ASZ in die Vorsammlung einbezogen. Laut einer Abschätzung der LAVU AG Mitte des Jahres 2014 ist in absehbarer Zeit zumindest in 15 weiteren ASZ Platz für eine ReVital-Sammlung.

Aufgrund der hohen Menge an vorhandenen Produkten sollten die Aufbereitungs- und Reparaturkapazitäten jedenfalls erhöht werden, insbesondre im EAG Bereich – so könnte das Re-Use-Potential noch besser ausgeschöpft werden.
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