Auftraggeber gesucht: Die Arbeitsinitiative St. Johann hilft vom Garten bis zur Glühbirne

Zivildiener Stefan und Herr Schett von der Arbeitsinitiative: Am Ende der Schicht im Montessori-Haus wird der gesammelte Müll noch zum Müllplatz geliefert.
  • Zivildiener Stefan und Herr Schett von der Arbeitsinitiative: Am Ende der Schicht im Montessori-Haus wird der gesammelte Müll noch zum Müllplatz geliefert.
  • hochgeladen von Elisabeth Schwenter

ST. JOHANN (elis). Ein paar Männer und Frauen tragen Schachteln mit Müll nach draußen und schlichten sie. Dann machen sie sich an die Arbeiten rund um das Haus und im Inneren. Sie putzen, kümmern sich um den Garten und tauschen kaputte Glühbirnen aus. Zwischen ihnen wuseln Kinder herum, rufen „Hallo“, winken, lachen und verschwinden in ihren Gruppenräumen. Alles wie immer, alles normal.
Alle zwei Wochen rückt im Montessori-Haus in St. Johann ein eigener Trupp an und erledigt in ein paar Stunden alles, was in einer Kinderbetreuungseinrichtung mit ca. 90 Kindern eben so notwendig ist. Es wird gekehrt, geputzt, gerecht, geklopft, gepickt und entsorgt. Und das seit Jahren. Diese Menschen sind etwas Besonderes, sie gehören zur Arbeitsinitiative des Psychosozialen Pflegedienstes in St. Johann. Das heißt: Die Menschen, die hier seit einer halben Ewigkeit mit dem Montessori-Haus zusammenarbeiten, sind eigentlich psychisch krank. Doch das, was sie hier tun, hilft ihnen auf dem Weg zurück ins normale Leben, es ist ein Teil ihrer Therapie.

Durch Arbeit zurück zur Normalität

In der Arbeitsinitiative des PSP werden Belastungsfähigkeit, Ausdauer, Verlässlichkeit und Konfliktfähigkeit trainiert, um den KlientInnen eine spätere berufliche Rehabilitation zu ermöglichen. Das Montessori-Haus und ein Hotel in St. Johann nehmen zur Zeit regelmäßig die Dienste der Arbeitsinitiative in Anspruch.
Vom Montessori-Haus hört man nur Lob: „Die Zusammenarbeit funktioniert schon sehr lange sehr gut. Und die Kosten sind überschaubar, das ist für unseren Verein natürlich ein Pluspunkt“, so Ursula Beltermann aus dem Montessori Büro. Eine klassische Win-Win Situation.

Allround-Kräfte

Wer sind die Allround-Kräfte, die den Müll entsorgen, die Blumen und den Garten pflegen und Glühbirnen wechseln?
Der PSP hat bereits vor zehn Jahren in St. Johann eine Arbeitsinitiative gegründet. Ziel der Beschäftigungsmaßnahme für KlientInnen des Pflegedienstes ist es, die Grundarbeitsfähigkeiten jener Menschen zu trainieren, die am ersten Arbeitsmarkt zur Zeit keine Chance auf eine Anstellung haben, weil sie erst einmal ihre psychischen Krankheiten auskurieren müssen.
Und trotzdem sind sie nicht zum Nichtstun verdammt. Sie können und sie wollen diversen Beschäftigungen nachgehen. Und daher sucht der PSP nach Auftraggebern. Der PSP ist nicht auf Gewinn ausgerichtet und bietet daher seinen KlientInnen so die Möglichkeit ein therapieabhängiges Taschengeld zu verdienen.

Neue Aufträge gesucht

Das Anwerben der Arbeitskräfte funktioniert ganz einfach: Anrufen, Absprache der Arbeit und der Termine und dann kann es auch schon losgehen. „Ideal wären für uns Auftraggeber, die den Dienst regelmäßig brauchen, weil sich so die KlientInnen besser auf die Arbeiten einstellen können“, so Erika Obermoser, Betreuerin der Arbeitsinitiative. „Gartenprojekte wären natürlich auch super. Einmalige Aufträge, auch von Privaten, nehmen wir sehr gerne an.“
Die KlientInnen selbst würden sich über Aufträge freuen, bei denen weniger geputzt werden muss und mehr an sonstigen Tätigkeiten – von der Küche bis in den Garten – gemacht werden kann.
Was das wäre? Holzarbeiten, Hausmeistertätigkeiten, Gartenarbeiten, Reparaturarbeiten und vieles, vieles mehr.
Im Montessori-Haus ist es schon lange ganz normal, dass alle zwei Wochen die Damen und Herren von der Arbeitsinitiative unterwegs sind. Mit den Eltern und Kindern gab es nie Probleme. „Jeder ist dankbar für die kompetente Hilfe“, so Ursula Beltermann. „Wertschätzung“, ist sich Erika Obermoser sicher, „das ist wichtig. Wir wollen unsere KlientInnen natürlich auch nicht ausnützen oder überfordern.“

Bügelservice

Genug freie Kapazitäten gibt es bei der Arbeitsinitiative direkt in den Räumlichkeiten des PSP bei der „Bügelinitiative“. Jeden Mittwoch kann hier Bügelwäsche gebracht werden, nach ein paar Stunden ist sie gebügelt und zusammengelegt wieder abholbereit. Ab 9.30 Uhr stehen die „BügelmeisterInnen“ bereit, bis 15 Uhr oder nach persönlicher Vereinbarung kann die Wäsche wieder geholt werden. Ausprobieren lohnt sich jedenfalls.

Alle Infos und Kontakt zur Arbeitsinitiative: PSP St. Johann, Bahnhofstraße 7, 6380 St. Johann in Tirol; 05352/67642, kontakt.stjohann@psptirol.org

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