Equal Pay Day
Frauen im Bezirk Kitzbühel arbeiten seit 10. Oktober "gratis"

Setzen sich für gerechte Entlohnung von arbeitenden Frauen ein: LA Claudia Hagsteiner und Anna Grafoner (li.).
  • Setzen sich für gerechte Entlohnung von arbeitenden Frauen ein: LA Claudia Hagsteiner und Anna Grafoner (li.).
  • Foto: SPÖ Tirol
  • hochgeladen von Johanna Schweinester

Weibliche Beschäftigte verdienen um 22,5 Prozent wniger, als ihre männlichen Kollegen; Kitzbühel ist Bezirk mit hoher Teilzeitquote, österreichweit unter den niedrigsten Fraueneinkommen; SPÖ Frauen, ÖGB und Land Tirol setzen Maßnahmen zur Schließung der Lohnschere.

TIROL, BEZIRK KITZBÜHEL (jos). Der Equal Pay Day wird an zwei Tagen im Jahr begangen: Einerseits an jenem Tag, bis zu dem Frauen ab Jahresbeginn unentgeltlich arbeiten, bis sie die gleiche Lohnsumme wie Männer bekämen – dies ist in Tirol der 9. März. Der 14. Oktober hingegen markiert jenen Tag, ab dem Frauen – verglichen mit den Löhnen der Männer – unentgeltlich arbeiten: Am 14. Oktober haben Männer in Tirol nämlich bereits jenes Einkommen erreicht, wofür Frauen bis Jahresende noch arbeiten müssen. Österreichweit fällt der Equal Pay Day heuer auf den 25. Oktober.

Equal Pay Day im Bezirk Kitzbühel am 10. Oktober

11.143 Euro beträgt der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern im Bezirk Kitzbühel. Weibliche Beschäftigte verdienen somit um 25,5 % weniger als ihre männlichen Kollegen. "Nach wie vor hinkt unser Bezirk in puncto Gleichberechtigung hinterher. Ab dem 10. Oktober arbeiten Kitzbühelerinnen statistisch gesehen bis Jahresende gratis", so das Resümee von Gewerkschafterin Anna Grafoner, Betriebsratsvorsitzende des Sozialsprengels Kitzbühel.
"Viele Frauen können aufgrund von Mehrfachbelastungen, einem enormen Ausmaß an unbezahlter Arbeit sowie fehlender Kinderbetreuung schlicht nicht Vollzeit arbeiten. Das hat dramatische Auswirkungen", so Grafoner und LA Claudia Hagsteiner (SPÖ).

Niedriges Lohnniveau in vielen Berufen

Die Corona-Krise hat mehr denn je verdeutlicht dass Frauenarbeit unverzichtbar ist: "Beschäftigte in Gesundheitsberufen, im Handel, in der Reinigung, im Tourismus sowie in der Kinder- und 24-Stunden-Betreuung halten das Land am Laufen. In diesen Branchen sind vorwiegend Frauen beschäftigt. In vielen dieser Berufe sind allerdings die Arbeitsbedingungen verbesserungswürdig und das Lohnniveau niedrig", so ÖGB Landesfrauensekretärin Susanne Golubovic.
Die ÖGB Frauen setzen sich für gleichen Lohn und gleiche Arbeit ein, außerdem wollen sie mit einem flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen Frauen den Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtern.

Neues Modell des Gewerkschaftsbundes

Das Modell der Gewerkschaft sieht vor, dass beide Eltern gleich viel Zeit für die Kinderbetreuung und für die Erwerbsarbeit zur Verfügung haben. "Damit würden beide Eltern von diesem Modell profitieren: Väter hätten mehr Zeit für ihre Kinder und Mütter würden mehr verdienen", so Golubovic weiter.
Das Modell soll für Beschäftigte in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst gelten. Konkret würde es zur Anwendung kommen, wenn beide Elternteile nach der Karenz ihre Arbeitszeit auf 28 bis 32 Wochenstunden reduzieren bzw. erhöhen und diese Teilzeit jeweils mindestens vier Monate dauert. Werden diese Voraussetzungen erfüllt, sieht das Modell vor, dass 250 Euro Pauschale pro Elternteil pro Monat steuerfrei ausbezahlt werden. Das Geld soll maximal bis zum vierten Geburtstag des Kindes bezogen werden können und auch für Alleinerziehende gelten.

Ausbilden, umschulen, fair entlohnen

Die SPÖ-Frauen im Bezirk Kitzbühel fordern die Möglichkeit zum Umstieg in einen anderen Beruf: "Wer in einem Beruf arbeitet, in dem Arbeitsplätze verloren gehen, muss die Chance bekommen, umzusteigen. Es muss daher jetzt in Weiterbildung, Umschulung und Qualifizierung investiert werden", so Grafoner und Hagsteiner. "Frauen haben das Recht auf ein Gehalt, von dem sie leben können. Dafür müssen in Branchen wie z. B. dem Handel, dem Tourismus und der Pflege die Gehälter steigen. Auch die Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten müssen dringend verbessert werden", so die Frauen unisono.

"Historische Chance" zur Veränderung

Auch das Land Tirol will Verbesserungsvorschläge einbringen, dazu müsse aber an mehreren Schrauben gedreht werden: Einerseits müssen mehr Frauen motiviert werden, ihre berufliche Zukunft abseits der frauendominierten Berufe zu suchen. „Es ist aber nicht allein die Bringschuld der Frauen, die Einkommensverhältnisse individuell zu ihren Gunsten zu ändern. Es ist die Bringschuld aller, die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie so auszugestalten, dass Frauen schlussendlich mehr verdienen“, so LR Gabriele Fischer.
Gerade nach den coronabedingten Lockdowns, in denen Frauen Außerordentliches leisten mussten und trotzdem vielfach positive und wertvolle Erfahrungen mit Homeoffice und Telearbeit gesammelt wurden, ergebe sich die historische Chance, die Arbeitskultur nachträglich zu verändern und somit eine Win-Win-Situation für Arbeitnehmer und Wirtschaft zu schaffen: „Eine moderne Arbeitskultur ermöglicht Beschäftigten – auch den Vätern – die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie, steigert die Arbeitsplatzattraktivität und sorgt dafür, dass Unternehmen Fachkräfte halten und anziehen können“, ist Palfrader überzeugt.

Drei Millionen Euro bis 2023

Das Land Tirol hat bereits Impulse gesetzt, um dem Schließen der Lohnschere einige Schritte näher zu kommen: „Mit Maßnahmen zur Erhöhung der Erwerbsbeteiligung und eigenständigen Existenzsicherung von Frauen, aber auch zur Erhöhung des Frauenanteils in der Technik und des Männeranteils in der Betreuung, liegt der finanzielle Schwerpunkt des Gleichstellungspaketes auf Frauen am Arbeitsmarkt“, berichtet Fischer.
Gestartet wurden bereits fünf Projekte, welche die Erwerbsbeteiligung von Frauen erhöhen und damit die eigenständige Existenzsicherung ermöglichen sollen. Für den Zeitraum 2021 bis 2023 stehen dafür rund drei Millionen Euro aus dem Gleichstellungspaket zur Verfügung.
Insgesamt sieht das Gleichstellungspaket zusätzlich zum laufenden Budget rund 6,7 Millionen Euro für Gleichstellungsmaßnahmen vor. Darüber hinaus können rund 3,5 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds lukriert werden.

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