20 Schafe gerissen
Gezielte Entnahme des Wolfes in Kössen gefordert - mit Video!

Vertreter der Landwirtschaftskammer, der Gemeinde und betroffene Bauern fordern eine gezielte Entnahme des Wolfes.
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In Kössen schrillen bei den Bauern derzeit die Alarmglocken: Wegen mehreren Wolfattacken wurden bereits viele Tiere ins Tal getrieben, die Bauern bleiben ratlos zurück. Nun wird eine gezielte Entnahme gefordert.


KÖSSEN (jos). Zwanzig tote Schafe, Notschlachtungen der stark verletzten Tiere, eine verzweifelte Suche nach einigen abgängigen Schafen – das ist die traurige Bilanz, die die zwei Kössener Bauern Leo Mühlberger und Anton Dagn derzeit hinnehmen müssen.
Schuld daran ist ein Wolf, der derzeit auf dem Gebiet Naringalm und in näherer Umgebung sein Unwesen treibt. Ein Wolf im Blutrausch, der die Bauern wütend und gleichzeitig ratlos zurücklässt.
Die Emotionen gingen am 29. Juli beim Lokalaugenschein vor Ort in Kössen mächtig hoch.

"Hat mit Tierschutz nichts mehr zu tun"

"Alleine in der Nacht auf den 23. Juli wurden 14 Schafe getötet. Eines hat nach der Attacke noch gelebt, war aber schwer verwundet. Ich musste es hinter der Hütte erschießen, um es nicht qualvoll verenden lassen zu müssen. Das hat mit Tierschutz überhaupt nichts mehr zu tun", zeigt sich Mühlberger erbost. "Ob wir nächstes Jahr unsere Tiere noch mal auf die Alm treiben, steht in den Sternen", so Mühlberger weiter.
Auch wenn die betroffenen Bauern vom Land Tirol für ihre verendeten Tiere finanziell entschädigt werden, ist die Situation verfahren.
Einerseits ist es seitens der EU derzeit nicht gestattet, eine gezielte Entnahme der sogenannten "Problemwölfe" durchzuführen, andererseits steht die Almwirtschaft im Kaiserwinkl auf der Kippe, sollte man dem Problem mit dem Wolf nicht Herr werden.

Problem für Natur und Tourismus

"Um das ganz klar festzuhalten: Wir sind nicht gegen die Wölfe, aber mit aller Vehemenz gegen die aktuelle Situation. Es geht hier nämlich nicht nur um ein paar Schafe, sondern in Folge um unsere gesamte Almwirtschaft. Es ist wichtig, dass die öffentliche Hand die Almbauern unterstützt und eine für alle verträgliche und vor allem umsetzbare Lösung findet", so Bürgermeister Reinhold Flörl. Auch der Tourismus würde laut Flörl unter der derzeitigen Situation leiden.

"Einzäunung ist nur Verlagerung des Problems"

An einer umsetzbaren Lösung scheint es jedoch derzeit zu scheitern.
Da aufgrund des hohen Schutzstatus der Wolf nicht gezielt entnommen werden darf, schlagen das Land Tirol und das Büro Alpe (Beratung für Alpwirtschaft, Anm. d. Red.) eine "wolfsabweisende Einzäunung der Alm mit einem elektrifiziertem Fünflitzenzaun in der Höhe von 110 cm" vor, wie dem der Redaktion vorliegenden Herdenschutzplan zu entnehmen ist. 60 Prozent der Kosten würden dabei vom Land Tirol übernommen werden.
Solch ein Zaun müsste auf der Naringalm eine Länge von fünf Kilometern aufweisen, um das gesamte Gebiet abdecken zu können. "Da spricht man von einem Aufwand, der für die Bauern sehr schwer zu bewerkstelligen wäre. Angenommen, hier in Kössen würde man die Tiere einzäunen, dann wandert der Wolf einfach weiter. Das ist nur eine Verlagerung des Problems. Oder müssen wir irgendwann das ganze Land mit einem Fünflitzenzaun einzäunen?", äußert Helga Brunschmid, Landwirtschaftskammer-Vizepräsidentin, ihre Bedenken. Als Alternative schlägt das Land einen "Pferch" vor. Das sei für Mühlberger keine Option: "Soll ich auf einem Hektar 94 Schafe einzäunen? Das ist nicht argerecht."
Auch eine Verbringung des Wolfes und eine Eingliederung in ein bestehendes Rudel wäre aus rechtlicher Sicht verboten.

Gezielte Entnahme gefordert

"Der Wolf weist eine Vermehrungsrate von 36 Prozent auf. 3.500 Schafe und 1.200 Ziegen sind auf den Höfen und Almen im Bezirk Kitzbühel beheimatet. Das Verhältnis passt einfach nicht mehr zusammen", erklärt Josef Heim. "Als Österreich 1995 der EU beitrat und man den Regelungen zum Thema 'Wolf' zugestimmt hat, hat niemand damit gerechnet, dass uns das 25 Jahre später einmal zum Verhängnis wird", bedauert er. Durch die hohe Population der Wölfe in Europa sei der Wolf nicht mehr schützenswert, führt Heim weiter aus.
Kritisiert wurde auch die Vorgehensweise bei der DNA-Analyse seitens des Landes. "Bereits am 2. Juni gab es in Kirchdorf die ersten Risse. Dass heute zufällig die Ergebnise der Analyse ausgeschickt wurden, finde ich äußerst bedenkenswert", so Heim beim gestrigen Lokalaugenschein. LA Josef Edenhauser wies die Vorwürfe zurück und erklärte: "Solch ein Verfahren ist langwierig und dauert eine gewisse Zeit. Bereits zwei Institute wurden mit der Analyse beauftragt."
Für die gezielte Entnahme müssten lt. Edenhauser alle Mitgliedsstaaten der EU zustimmen. "Wir wollen erreichen, dass der Alpenbogen als 'besonderes Gebiet' ausgewiesen wird und eine gezielte Entnahme somit ermöglicht wird", führt Edenhauser weiter aus.
Bevor es zu einer gezielten Entnahmen überhaupt kommen könnte, müssten die Betroffenen vorher alle die von der EU vorgesehenen "gelinderen Maßnahmen" (z. B. Einzäunen, Besenderung der Wölfe usw.) umsetzen.

"Wenn man nicht schreit, wird man nicht gehört"

Auch aus der Sicht der Jäger sei die Situation nicht einfach zu handhaben. "Das Land Tirol ist jetzt gefordert, etwas zu unternehmen", so Bezirks-Jägermeister Martin Antretter. "Mit diesem Treffen wollen wir aufzeigen, wie prekär die Lage ist. Wenn man nicht schreit, wird man auch nicht gehört", findet Antretter. "Wenn sich nichts ändert, wird mancher Bauer wohl zu Mitteln greifen, die nicht legal sind", bedenkt er.

Gahr: "Kräfte gegen den Wolf bündeln"
DNA-Analyse bestätigt Wolfsverdacht bei Rissen im Kaiserwinkl
Vertreter der Landwirtschaftskammer, der Gemeinde und betroffene Bauern fordern eine gezielte Entnahme des Wolfes.
Auf der Naringalm wurden Wildkameras installiert. Auf vielen Bildern ist der Wolf zu sehen.
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