Hochfilzen/Interview
"Ich will finanzielle Ordnung!"

Bgm. Konrad Walk vor dem Gemeindeamt Hochfilzen, das jüngst um- und ausgebaut wurde.
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Gemeindeamtsumbau, Budget, Wiesensee, Betriebsansiedlungen, Wohnbau – Interview mit Hochfilzens Bgm. Konrad Walk.

HOCHFILZEN. Viel wurde zuletzt in der Grenzgemeinde Hochfilzen auf den Weg gebracht, viele weitere Pläne werden gewalzt. Der Ortschef geht auf einige wesentliche Agenden im BB-Gespräch ein.

BEZIRKSBLÄTTER: Budget 2019 und finanzielle Lage – wie schaut's aus?
KONRAD WALK:
"Unser heuriger Haushalt summiert sich auf 3,858.200 Euro, davon 3,495 Mio. € im ordentlichen Budget. Es wurde am 14. 1. mit einer Gegenstimme beschlossen. Die Ertragsanteile sind mit 1,225.000 € angesetzt, die Kommunalsteuer mit 240.000 €, die Grundsteuern (A, B) mit 105.000 €. Der Verschuldungsgrad liegt bei rund 30 %. Wir budgetieren immer vorsichtig, haben gut gewirtschaftet und seit 2005 (Biathlon-WM) den Schuldenstand stetig reduziert. Die WM 2017 wurde ohne die Schulden zu erhöhen durchgeführt. Der WM-Kredit aus 2014 wurde 2018 getilgt. Es konnte mit Hilfe des Landes viel investiert werden. Wichtig ist mir, dass die Finanzen in Ordnung sind. Wir haben auch nichts ausgegliedert, alles ist im Haushalt enthalten. Nun sindFinanzverwalter Manuel Forstner und ein Ausschuss dabei, auf die doppelte Buchhaltung umzustellen (ab Budget 2020, Anm. d. Red.)."

Einige größere Budgetposten bzw. einmalige Ausgaben 2019?
"Für den Aufschließung am Hörhag sind 320.000 € (Restsumme), für das Bachlfeld VI 361.700 € budgetiert, für die Aufschließung des Gewerbegebiets 590.000 €, das sind die größten Posten, die aber dann auch im Einnahmenbereich zu Buche schlagen (Verkauf Grundstücke, Anm.)."

Sie haben mit einem verstärkten Lkw-Aufkommen im Bereich RHI zu kämpfen?
"Ja, es fällt auf, dass verstärkt Container-Lkw verkehren. Die RHI ist aber in Ausarbeitung eines Projekts. Ich vertraue darauf, dass das besser bzw. gelöst wird. Ich bin ja nicht allgemein gegen Lkw-Verkehr, aber gegen unnötigen Verkehr."

Im Gemeindeamt wurde umgebaut?
"Ja, vor allem haben wir Barrierefreiheit geschaffen. Informationsmöglichkeiten (Einheimische, Gäste) werden mit den Adaptierungen zeitlich ausgedehnt, die Finanzverwaltung kam ins Parterre (vorher 1. Stock), eine behindertengerechte Toilette ist öffentlich zugänglich. Auch das TVB-Ortsbüro ist hier untergebracht (per Miete, Anm.). Wir haben 200.000 € investiert, wobei nötige Brandschutz-Adaptierungen mit 100.000 € zu Buche schlugen. Diese Zusatzkosten ergaben sich erst während des Umbaus und wurden im Gemeinderat einstimmig abgesegnet."

Großes Thema ist immer der Wohnbau.
"Zuletzt wurde viel neuer Wohnraum geschaffen, wir haben auch guten Zuzug. Am Bachlfeld läuft der 6. Abschnitt, da haben wir 13 Baugründe gekauft, neun sind bereits vergeben, vier vergeben wir bis ins Frühjahr 2019. Einzelne Grundstücke sind noch zu haben. Diese letzte Bauphase umfasst 11.727 m2, da sind auch Schneeablage-, Verkehrs- und Wasserversickerungsflächen enthalten. Die Grundstücke werden von uns ab Frühjahr voll erschlossen und kosten 142 €/m2. Es gibt strenge Kriterien, vor allem was Baubeginn, Fertigstellung und Zweitwohnsitze anbelangt. Am Hörhag wurden im Dezember 36 Wohnungen übergeben. Wir freuen uns auf weitere zuziehende Bürger und junge Familien, wir haben z. B. auch in Schule und Kindergarten noch Kapazitäten."

Zuletzt wurde viel Augenmerk auf den Fußgängerverkehr gelegt.
"Ja, wir haben mehrere Gehwege-/steige verbessert bzw. erweitert. 2018 haben wir mit dem Gehsteig bis zur Landesgrenze begonnen, der heuer fertig gestellt wird. Da gibt es auch viele Einbauten (Brandschutz, Strom, Leerverrohrungen, Wasser-/Kanal), die man dann gar nicht sieht. Da schaffen wir Infrastruktur für die Einwohner und auch für Betriebe."

Wie ist die Situation bei Betriebsansiedlungen/Gewerbeflächen?
"Wir haben vom Tiroler Bodenfonds Flächen erhalten (zw. RHI und Fußballplatz, Anm.), die zum Teil bereits verbaut sind; nun siedeln sich weitere vier Betriebe aus der Region, aus verschiedenen immissionsarmen Branchen hier an; insgesamt entstehen über 100 neue Arbeitsplätze. Wir sorgen für die Erschließung un den aufwändigen Brandschutz für alle Gewerbeflächen. Die Ausschreibungen laufen, mit der Erschließung starten wir im Frühjahr, die Betriebe stehen ebenfalls in den Startlöchern. Bis 2020 sollten alle Betriebe gebaut haben. Geholfen hat uns auch die Investition in die Glasfaseranbindung, die für die Unternehmen immer wichtiger wird."

"Wie steht's um das geplante Hotelprojekt Unterwarming?
"Der Investor hat ein Chaletdorf mittels Investorenmodell geplant. Vom Land kam dazu keine Zustimmung wegen des hohen Bodenverbrauchs. Das wurde dem Investor mitgeteilt. Im Bauausschuss werden wir weiter beraten. Es sollen nun weniger größere statt mehrerer kleiner Häuser entstehen, da ist auch die Gefahr von Zweitwohnsitzen geringer. Der Gemeinderat steht zum Projekt, wir brauchen mehr Betten, zuletzt sind die Nächtigungen stark gestiegen. Wir hoffen auf eine baldige Lösung, um das Projekt dann öffentlich präsentieren zu können."

Ein Problem ist die Verlandung des Wiesensees.
"Ja, das hängt mit Zuflüssen aus vier Gräben zusammen, die viel Geschiebe einbringen. Für drei Gräben gibt es von der Wildbachverbauung (WLV) für heuer die Zusage zur Verbauung. Wir haben dafür jeweils unseren Kostenanteil von je 45.000 € budgetiert. Das wird ein guter Hochwasserschutz für Unterwarming. Problemfeld ist der Böhmgraben, der am meisten Geschiebe in den See einbringt, für den sich die WLV aber unzuständig zeigt. Wir versuchen, mit dem Land ein Projekt zu erarbeiten (finanziell und fachlich). LH-Stv. Ingrid Felipe hat Unterstützung zugesagt. Es ist auch dem Land ein Anliegen, Stehgewässer zu erhalten, vor allem auch dieses Naturjuwel. Unser Anliegen ist es natürlich auch. Wenn es da eine Einigung gibt, kann man beginnen, behutsam ausbaggern bzw. mit Saugpumpen zu arbeiten, um die Wasserfläche wieder nachhaltig frei zu kriegen. Derzeit wächst der See ja regelrecht mit Gras zu. Alles muss in Einklang mit dem Naturschutz geschehen."

Danke für das Gespräch.
Interview: Nikolaus Kogler

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