12.10.2016, 11:29 Uhr

Der "Goldene Löwe" wird zu Eigentumswohnhaus

Der "Goldene Löwe" weicht einem Eigentumswohnhaus. Die Arbeiten haben bereits begonnen.

Aus dem seit vielen Jahren leerstehenden ehemaligen Hotel wird eine Wohnanlage mit Eigentumswohnungen - und dementsprechenden Preisen.

ST. JOHANN (elis). Eine Luxus-SeniorInnenresidenz sollte in diesem Jahr in St. Johann fertiggestellt sein. Betreute Wohneinheiten mit allem Drum und Dran, eine Art nobles Hotel mit Pfegeangebot für gut situiertes Klientel - im Ortskern von St. Johann. Das war der Plan.
Vor wenigen Tagen haben nun Bauarbeiten beim ehemaligen Hotel „Goldener Löwe“ in der Speckbacherstraße begonnen. Allerdings werden in dem riesigen Komplex keine Luxuswohnungen für ältere Damen und Herren entstehen sondern Privatwohnungen, die 2018, so der geplante Fertigstellungstermin, an Privatkäufer vergeben werden. Die Preise für die 77 Wohnungen werden sich am Immobilienmarkt orientieren. Die Projektverantwortlichen, Jan-Baldem Mennicken (Trapp Investment Partners GmbH & Co KG) und Wolfgang Mantl von der Residenz Goldener Löwe GmbH (die Eigentümergesellschaft des Goldenen Löwens) stellten die Pläne bei der Gemeinderatssitzung am Dienstag, 11. Oktober, vor.

St. Johann inmitten der Immobilienblase

77 neue Wohnungen. Das klingt erst mal nach einem Versprechen für eine Gemeinde wie St. Johann - eine Gemeinde, die wächst. Wohnraum ist gefragt. 41 der 77 Wohnungen sind als Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen, als „Singlehaushalte“ konzipiert, 29 werden 61-85 m² Nutzfläche aufweisen und weitere 7 Stück sollen 86-244 m² bieten. Der vordere Teil der Anlage, die Maximilianstube, wird in der bestehenden Form erhalten bleiben und nur im Inneren ausgebaut. Der Rest wird abgerissen. Es entstehen 77 Wohnungen, 81 Stellplätze, ein Dachgeschoss mit Terrassen, Wohnungen mit Loggien und ein Innenhof, über den Stiegenaufgänge und Aufzüge zu den Wohnungen führen werden.
Neue Eigentumswohnungen, die über den freien Markt vergeben werden und zu einem Teil wahrscheinlich von Immobilienfirmen, Stiftungen gekauft werden, um dann als Mietwohnungen auf dem Markt zu landen. Die Preise werden sich dementsprechend am Immobilienmarkt orientieren. Was das bedeutet? „Die günstigsten Wohnungen werden unter 4.000 Euro/m² kosten“, so Jan-Baldem Mennicken. Für 50 m² muss man also mit etwas unter 200.000 Euro kalkulieren.

Widerstand im Gemeinderat war deutlich

Im St. Johanner Gemeinderat war der Missmut deutlich zu spüren. Die Abstimmung zum Flächenwidmungsplan (Privatwohnungen statt Seniorenresidenz) wurde von 7 der 19 GemeinderätInnen abgelehnt. Die Mehrheit stimmte allerdings dafür.
Die FPÖ etwa stellte die Frage in den Raum, wie viele Einheimische sich diese Wohnungen leisten werden können und sieht die Gefahr eines Anstieges der "Zuagroasten"-Zahl.
Peter Wallner (Liste SOLI) geht noch einen Schritt weiter: „Wir haben solche Wohnungen genug. Eigentlich gehört hier etwas Gemeinnütziges her. Die Spekulationen mit solchen Objekten funktionieren nur, weil wir sie zulassen. Ich bin dafür, das nicht umzuwidmen und diesem System einen Strich durch die Rechnung zu machen. Ich würde das noch 20 Jahre leer stehen lassen und den Spekulanten eine Absage verpassen - und auf politischer Ebene damit ein Zeichen setzen."

Seiwald sieht keine Alternativen

Bgm. Seiwald sieht für die aktuellen Pläne, die bereits in Umsetzung sind - die Abbrucharbeiten haben bereits vor der Gemeinderatssitzung begonnen - keine Alternativen. "Der Schandfleck beschäftigt mich schon lange", so Seiwald. Er habe versucht Hoteliers vom Goldenen Löwen zu überzeugen, allerdings erfolglos. Ein Hotel in dieser Größe sei nicht rentabel. "Natürlich", so Seiwald, "ist das ein Spekulationsobjekt", das gebe er zu. In Zukunft müsse man achtsamer und vorsichtiger sein, um so eine Geschichte zu verhindern.
Die Grünen sehen die Gefahr der sozialen Ausdünnung St. Johanns. "Das ist nicht wünschenswert", so Maria Melle Strele. Auch die SPÖ sieht für die Zukunft Verbesserungs- und Handlungsbedarf.
In Zukunft, so der Bürgermeister, werde man Käufer genau überprüfen, werde Bauverbote rigoros durchsetzen, werde man versuchen, so etwas zu verhindern. Allerdings sehe er in der aktuellen Situation keine Alternative, auch um den "Schandfleck" endlich zu beseitigen.
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