30.08.2014, 12:28 Uhr

Der Super-Mario ist der Adorf!

Wenn Mario Adorf heute die Bühne betritt, bekommt er Standing Ovations, noch bevor er ein einziges Wort verliert. Sein halbes Jahrhundert schauspielerischen Erfolges spricht für ihn.

Von Nadja Schilling

KITZBÜHEL. Einem schönen Fräulein aus der Eifel passiert Anfang 1930 ein 'Unfall': es wird schwanger.
Ohne Mann, mittellos und von ihrer großen italienischen Liebe verraten, entscheidet sich Alice Adorf für das Baby, und am 8. September desselben Jahres erblickt ihr Liebster, Sohn Mario, das Licht dieser Welt. Der neue Star ist geboren.

Der Gott der Bühne und des Schauspiels freut sich auf seinen baldigen Schaugenuss. Marios Kindheit in Mayen in der Eifel verläuft kriegsbedingt düster. Um finanziell durchzukommen, muss seine Mutter hart arbeiten, und ihr Sohn wächst in der Obhut der katholischen Schwestern des Borromäerinnen-Kindergartens im Kloster auf, wo die Begriffe Barmherzigkeit und Menschenliebe reale Gesichter haben. Die Möglichkeit der Freizeitgestaltung von Teenagern der Nachkriegszeit ist überschauber und spielt sich in Boxkämpfen auf der Straße oder im Kino ab. „Meine geheimen Idole waren die Akteure Spencer Tracy und Jean Gabin“, verrät Adorf. Diese zwei Größen aus Amerika und Frankreich weckten in ihm die Neugier zur Schau und die Lust am Spiel.

Bei der Aufnahmeprüfung in der Otto Falckenberg Schule in München fällt er wortwörtlich von der Bühne über die Rampe, und seine katastrophal vorgetragenen Max Piccolomini-Monologe aus Schillers „Wallenstein“ enden mit einem weniger Schiller'schen „Scheiße!“
Das Schauspiel-Handwerk erlernt der junge Eifler spielerisch und schwänzt fleißig den Unterricht, wenn in den Münchner Kammerspielen Theaterproben laufen. An seine ersten Rollen kommt er oft dank Zufällen: „Ich übte einmal mit meinem Freund Dieter Kirchlechner eine kleine Rolle für sein Vorsprechen beim Filmregisseur des '08/15! Paul May, als Hilfestellung war ich bei diesem Treffen dabei. Dieter war nervös und vergaß ständig seinen Text. Ich diente ihm als Souffleur, bis Herr May mich bat, den Text vorzutragen. Ich tat es und würzte ihn spontan mit meinem Heimatdialekt. Die Rolle bekam ich.“

So geht Mario seit über 50 Jahren seinen Berufsweg: mit großartig gespielten kleinen Rollen und Hauptrollen, die speziell auf ihn zugeschnitten werden. Als Mörder oder Komiker, europaweit oder in Hollywood, bereichern Adorfs Augen, Stimme, Lächeln und seine majestätische Figur zahlreiche Filme, TV- und Theaterproduktionen. So kommt er zum „Mario-Adorf-Burgweg“, der vom Oberen Marktplatz zur Genovevaburg in Mayen hinaufführt - eine Ehrerweisung seiner Heimatstadt an ihren berühmtesten Sohn. Wer kann das schon nachweisen, vor allem noch zu Lebzeiten?!

Seine Zugehörigkeit zur obersten Kunstelite ist verdient und unwiderruflich. Er ist ständig eine Open-end-Überraschung, und mit seinem Schriftsteller-Hobby, das ihn plötzlich als einen humorvollen Wortvirtuosen und Langeweilekiller entlarvt, erobert er in Nu die Leserherzen. Seine Bücher brauchen mittlerweile keine Werbung, und bei seinen Lesungen platzen die Räume aus allen Nähten. Als Ehrengast heuer beim zweiten Filmfestival in Kitzbühel trat der "Super-Mario" zusammen mit seiner Frau Monique Faye am roten Teppich und bei einer Lesung im Rasmushof auf.
Ein Privatleben hat er nicht wirklich, sondern nur die Pausen zwischen den Dreharbeiten, die er gerne in Frankreich verbringt. „Die Begabung des Schauspielers ist die Lust am Spiel“, sagt grinsend Mario Adorf. An Lust mangelt es ihm noch lange nicht, und das Spiel ist stets sein Lebensmotto.

Fotos: Schilling (2), Kogler
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