22.09.2014, 10:17 Uhr

Die Fische lieben Raffaela

Raffaela Hönel
Wenn Raffaela Hönel, Tirols First Lady des Flyfishings, eines Tages einen Goldfisch fängt, hat sie nur noch einen Wunsch offen: Saubere Gewässer für alle Fische unserer Erde, insbesondere die einheimischen! Ihre anderen Herzenswünsche hat sich die Inhaberin des einzigen Flyfish-Geschäftes in Tirol und österreichweit einzige Frau in dieser Branche selbst erfüllt.

KÖSSEN. Wo die Liebe so hinführt? Ihre Liebe führt die frischgebackene Tourismusschulabsolventin von Salzburg nach Tirol. In einem eingesessenen Schwendter Familienbetrieb mit zwei Restaurants und einer Forellenzucht entdeckt sie für sich die prachtvolle, harmonische und naturbetonte Welt der Fische, und das Fliegenfischen wird zu ihrem Hobby. „Ich habe mich für das Fliegenfischen entschieden, weil das für die Fische eine schonende Art des Fanges ist. Sie werden dabei nicht verletzt und können anschließend wieder ins Wasser zurückgesetzt werden und weiterleben. Es geht dabei in erster Linie um eine entspannende Betätigung in der Natur, erklärt die 'Fischer-Lady' den Unterschied zwischen Angeln und Fliegenfischen. Der Familienbetrieb läuft bombastisch, aber die Ehe geht leider den Bach runter. Raffaela liebt zwar das Element Wasser, aber nicht wenn dieses ihr bis zum Hals steht. Nach der Trennung von ihrem Mann gründet die Hobby-Fliegenfischerin, reich an Erfahrungen und voller Optimismus, ihre Firma, vorerst in ihrer Zweizimmerwohnung, und macht ihr Hobby zum Beruf. Es geht rasch vorwärts mit dem Onlineshop, aber davon kann sie noch nicht leben. Um die Familie über Wasser zu halten, widmet sich die Tochter eines ehemaligen Textilunternehmers dem Modedesign und arbeitet 12 Jahre lang für „Das ABST-Institut für Modedesign und Technik“ von Annegret Brinkmann-Stieler in Kössen. Ihre knappe Freizeit verbringt sie, oft mit den Kindern, beim Fischen; die Liaison mit der Natur ist ihre Energie-und Kreativitätsquelle, und ihre stummen Wasserfreunde sind ihren Tränen und Träumen stets anvertraut. „Fische sind gute Zuhörer, die dich niemals verraten!“, grinst die humorvolle Frau. „Eines Tages wollte ich meine Fischergarderobe erneuern. Ich suchte vergebens nach Konfektionsgröße 38 und entdeckte plötzlich eine Marktlücke: es gab keine schöne Bekleidung für Fischerinnen. Wenn ich schon zwischen 400 und 500 Euro für eine Wathose ausgeben muss, dann will ich darin wie eine Frau sexy und feminin aussehen. Die Sachen müssen sitzen und bequem sein. So entstand im ABST-Institut meine erste Damenkollektion. Eine gute Freundin, Ex Miss-Italien Susanne Zuber, auch eine begeisterte Fliegenfischerin, präsentierte mit großem Erfolg meine Kollektion. Mein Traum: ein schönes Geschäft zu haben, wo die kostbaren Ruten angefasst werden können, die komplette Ausrüstung von den Schuhen bis zum Hut in einer lässigen Atmosphäre anprobiert werden kann, ging in Erfüllung“, so die stolze Modedesignerin. Letztes Jahr bei der Hochwasser- Katastrophe steht plötzlich das Wasser in ihrem Laden 90 cm hoch. „Ich dachte, das ist das Ende! Die Ware in Wert von circa 130.000 Euro ist wortwörtlich baden gegangen. Die Wiedereröffnung des Geschäfts stand auf der Kippe. Ich musste hart um meinen Traum kämpfen und erst nach 5 Monaten ging es wieder weiter“, erinnert sich Raffaela mit Tränen in den Augen. „Da ich auch gerne und gut koche und ein geselliger Mensch bin, habe ich in meinem Laden für unsere 'Freunde der Fischkunst' (von mir gegründeter Verein) einen gemütlichen Bistrobereich eingerichtet. Absolut frischer Fisch aus dem 'Wildfang', leckere Beilagen aus einheimischen Gärten, ein Glaserl Wein und lustige Fischergeschichten sind hier oft an der Tagesordnung. Damit ich meinen Gästen fangunabhängig Fisch servieren kann, arbeite ich momentan an der Erfüllung meines nächsten Traumes: einer eigenen Forellenzucht", verrät uns die aparte Fischerin ihre Zukunftspläne. Raffaela Hönel und das Wasser haben eine fundierte Gemeinsamkeit: beide sind stets in Bewegung, und beide bewegen sich ausschließlich vorwärts.

Portrait und Fotos: Nadja Schilling
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