01.07.2017, 11:52 Uhr

Wie "Kuhfrei" kann's sein?

Kühe sind überwiegend friedfertig; sehen sie sich oder den Nachwuchs bedroht, können sie rabiat werden.

Kuhattacken und Hundeproblematik sind (leider) wieder in aller Munde. Wir starten eine Service-Serie.

BEZIRK KITZBÜHEL (niko). Ein Landwirt steht wegen einer Kuhattacke, die 2014 für eine deutsche Urlauberin tödlich endete, vor dem Richter; er soll Schmerzensgeld zahlen. In Erl kam Anfang Juni eine Einheimische bei der Attacke einer Kuhherde ums Leben. 2015 kam es zu Zwischenfällen mit Kühen im Bezirk Kitzbühel.

Diese Vorfälle machen Schlagzeilen, sind jedoch die große Ausnahme. Angesichts der großen Zahl an gealpten Tieren und den Heerscharen an Wanderern sind Kuhangriffe absolute Einzelfälle. Die Tiere – in diesem Fall auf der Alm, wo eine Einzäunung zumeist nicht möglich und gesetzlich auch nicht gefordert ist – sind friedfertig. Sehen sie sich bedroht – immer wieder durch Hunde – können sie angriffig werden; besonders Mutterkühe, die ihren Nahwuchs verteidigen wollen. Folglich wird nun auch über ein Hundeverbot auf Almen diskutiert.

Als Service haben wir uns auf die Suche nach "kuhfreien" bzw. auch Hunde-tauglichen Wanderrouten im Bezirk gemacht. Hier sollen keine Almen-/Wandergebiete mit Viehweide diskreditiert werden, sondern lediglich einige Alternativen aufgezeigt werden. Wir wurden fündig.

"Kuhfrei" geht

"Wir können einige Wege, die speziell für Hundebesitzer mangels Kühen geeignet sind angeben, wobei wir eine '100-%-kuhfrei'-Garantie nie geben können", so GF Gernot Riedel vom TVB St. Johann. Beschreibung zu allen Wanderwegen sind unter www.maps.kitzalps.cc jederzeit abrufbar. "Generell am besten geeignet sind hier aber sicher die Wanderwege von Oberndorf, da diese nicht im Almengebiet und auch nicht alpin sind", so Riedel.
Die Vorschläge: Eifersbacher Wasserfall (St. Johann) mit Rückweg über die Grander Schupf ( derzeit nur bis zum Wasserfall aufgrund Bauarbeiten im Skigebiet). Kirchdorf/Erpfendor: kleine & große Grießbach-Runde; Fritz-Pflaum-Hütte über das große Griesner Kar. Das kleine Griesner Kar könnte für den Hund nicht machbar sein, weil es eher steilund mit Eisensteige versehen ist; Stripsenhoch. Oberndorf: Dorfbachrunde, Gruttenrunde, Lindernrunde, Bichlachrunde (der Gieringer Weiher bietet einen Schwimmbereich für Hunde an).

Persönliche Einschätzung

"Meine persönliche Meinung: Jeder Hundehalter sollte im öffentlichen Raum seinen Hund an der Leine halten (müssen), da es hier nicht nur um 'Kuhattacken' geht, sondern auch Jogger, Radfahrer, Fußgänger und v. a. auch Kinder durch herrenlose oder freilaufende Hunde oftmals verängstigt sind. Für ein förderliches Miteinander ist von Hundehaltern einfach zu akzeptieren, dass nicht jedermann/frau Hunde mag, und leider sind so manche Hundebesitzer nicht 'Herr der Lage', und ich durfte selbst schon mehrmals miterleben, wie es auf Rad-, Geh- oder Wanderwegen zu entsprechenden Vorfällen kam. Hier kann man auch nicht den Betroffenen 'Intoleranz' vorwerfen, denn wenn man sich von Hunden beim Spaziergang/Wandern bedroht fühlen muss, dann grenzt das durchaus schon an Einschränkung der persönlichen Bewegungsfreiheit. Ich persönlich mag zwar (erzogene) Hunde, es ist jedoch inakzeptabel, dass sich Nichthundebesitzer vermehrt fürchten müssen angesichts unkontrollierter oder freilaufender Hunde; ich verstehe daher so manche Kuh, die hier einfach in Verteidigung geht", so Riedel.

Keine Wege

Nicht weiterhelfen konnten uns Kitzbühel Tourismus und der TVB Brixental. "Wir haben leider keine Wanderwege, die speziell 'kuhfrei' sind und können hier keine entsprechenden Routen ausweisen", so Nina Prantl vom TVB in Kitzbühel. "Laut Rücksprache mit unserem Wanderführer lässt sich das wirklich schwer sagen.
Es kann sein, dass in einigen Bereichen momentan keine Kühe sind, allerdings weiß niemand, wann und ob der Bauer die Tiere dann verlegt. Daher sind uns die Hände gebunden, wir können keine 'kuhfreie' Wanderung angeben", so Bettina Hechenberger (TVB Brixental).
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