24.03.2017, 13:01 Uhr

ZeitungsverkäuferInnen in St. Johann: Die Invasion, die keine ist

Fr. 24. 3. St. Johann: Wochenmarkt ohne Invasion der ZeitungsverkäuferInnen.

Die FPÖ warnt in einer Aussendung und auf Facebook vor einer Invasion in St. Johann. Selbst die Polizei wäre machtlos ob der prekären Zustände. Ein Lokalaugenschein.

ST. JOHANN (elis). Eine Invasion ist – als militärisch gebrauchter Begriff – das Eindringen feindlicher AngreiferInnen in fremdes Territorium. Invasion - das ist ein harter Begriff, eine schauderhafte Vorstellung. Sie hat mit Manövern zu tun, mit der Übernahme fremden Gebietes – mit Zerstörung und Krieg. Invasion – das will man nicht. Invasion – das macht Angst. Die FPÖ verwendet diesen Begriff in unterschiedlichen Zusammenhängen immer wieder. „Asyl-Invasion“, „Invasion von Muslimen“ auch "Invasions-Kollaborateure" gab es da schon. Immer wieder haben wir es in diesem Land also, glaubt man der Freiheitlichen Partei, mit feindlichen Angreifern zu tun.
Auch hier, so die FPÖ Ortsgruppe St. Johann, herrsche Angst vor den Invasoren.

Vor der „Invasion aggressiver Zeitungsverkäufer aus Osteuropa“ warnt die Heimatpartei auf ihrer Facebook-Seite (FPÖ St. Johann). Auch FPÖ Gemeindevorstand Heribert Mariacher verfasste vor einigen Tagen eine Presseaussendung, um auf die katastrophalen Zustände hinzuweisen. Zu lesen ist von Aggression, Nötigung, Belästigung, ominösen Zeitungsprodukten, der fehlenden Handhabe durch die Exekutive, prekären Zuständen, der kriminellen Bettelmafia und der Angst älterer Mitmenschen.
Was passiert in der rund 9.000 EinwohnerInnen großen Marktgemeinde gerade? Wer muss sich wirklich fürchten?

Tour durch Tirol

StraßenzeitungsverkäuferInnen sind medial immer wieder ein großes Thema. In Innsbruck etwa oder auch in anderen Österreichischen Großstädten. Oftmals ist nicht klar, welche Zeitungen sie verkaufen und woher die Menschen mit dem Lesestoff unter dem Arm kommen. Meistens handelt es sich um OsteuropäerInnen, die mit dem Verkauf der Zeitungen ein bisschen Geld verdienen wollen. Manche davon organisiert, andere auf eigene Faust.
Zu Weihnachten etwa gab es einige Medienberichte über aufdringliche VerkäuferInnen am Weihnachtsmarkt in Innsbruck. Die BesucherInnen fühlten sich gestört und die Polizei schritt ein. Viel mehr ZeitungsverkäuferInnen als sonst verkauften zwischen Glühwein und Christbaumkugeln Zeitungen und bettelten um Geld.
Einige dieser VerkäuferInnen, so die Information der Gemeinde St. Johann, machen von Zeit zu Zeit eine „Tour“ durch Tirol in andere vermeintlich lukrative und attraktive Gemeinden. Dort bleiben sie ein paar Tage. „Diese Gruppen sind tatsächlich oft aufdringlicher als die „herkömmlichen Zeitungsverkäufer“, die beispielsweise vor den Supermärkten stehen. Sobald wir darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass sich BürgerInnen belästigt fühlen, informieren wir die Polizei, die in einer vorbildlichen Zusammenarbeit mit der Gemeinde dagegen wirkt. Solange sie (die VerkäuferInnen, Anm.) niemanden belästigen, unternimmt die Gemeinde nichts (…). Wenn sie merken, dass ihre Vorgehensweise - sofern sie belästigend ist - nicht goutiert wird, ziehen sie dann auch gleich weiter“, ist auf Anfrage von der Gemeinde St. Johann zu erfahren.

Freitag – Markteröffnung, ein Lokalaugenschein

Die Eröffnung des Wochenmarktes in St. Johann am 17. März war offenbar reizvoll für die ZeitungsverkäuferInnen. Immerhin wird hier alles Mögliche verkauft und gekauft - und viele Menschen besuchen den Markt. Zwischen Gemüse-, Obst und Brotständen versuchten auch drei ZeitungsverkäuferInnen ihr Glück. Ein Mann und zwei Frauen hatten sich am frühen Nachmittag am Hauptplatz in St. Johann in Stellung gebracht und sprachen die MarktbesucherInnen an – nacheinander, manchmal mehrmals. Das kann unangenehm sein, dadurch kann man sich gestört oder gar belästigt fühlen. Durch ein eindeutiges „Nein, danke“ ließen sich die drei „Störenfriede“ jedoch ohne Probleme abwimmeln. Zwei Sekunden – und der feindliche Angriff, die „Invasion aggressiver Zeitungsverkäufer“, wie es die FPÖ nennt, war zumindest aus persönlicher Perspektive erfolgreich abgewehrt.
Weiters verständigte die Gemeinde aus dem Büro des Bürgermeisters die Polizei, die die drei VerkäuferInnen dann offenbar auch aufforderte, den Hauptplatz zu verlassen. Zwei Stunden später waren sie nicht mehr zu sehen. Der Wochenmarkt verlief zu jeder Zeit ruhig und angenehm.
Seit Freitag sind keine ZeitungsverkäuferInnen mehr in St. Johann unterwegs. Auch eine Woche später, am 24. März waren zu Mittag im Gewimmel des Wochenmarktes und im St. Johanner Dorfzentrum keine ZeitungsverkäuferInnen zu sehen. Außer jenen, die vor den Supermärkten zB. den „20er“ verkaufen. Sie betteln nicht, sie sind nicht aufdringlich und helfen manchmal sogar, den Einkauf aus dem Wagerl zu nehmen oder das Wagerl aus dem „Parkplatz“ zu fischen.

Der St. Johanner Hauptplatz ist zur Zeit jedenfalls ruhig und ungestört. Ob an den kommenden Marktwochenenden oder bei anderen Veranstaltungen wieder fremde VerkäuferInnen auf ihrer „Tour“ in St. Johann landen werden, wird man sehen. Vielleicht wird es wieder Beschwerden geben und vielleicht wird die St. Johanner Polizei wieder professionell einschreiten. Von einer Invasion wird die Marktgemeinde aber auch zukünftig mit großer Sicherheit verschont bleiben.
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