01.12.2016, 10:19 Uhr

Durch den Tiefschnee ohne Verbote - das Pilotprojekt "Freeride Kitzbühel"

Schutzzonen werden ausgeschildert, um Freerider im offenen Gelände zu lenken. (Foto: Bergwelt-miteinander)

Konfliktfreie Nutzung der Natur: Schutzzonen und gezielte Angebote sollen "Freerider" abseits der Pisten lenken.

KITZBÜHEL (elis). „Freeriden“ heißt der neue Trendsport, Tiefschneefahren hat man früher dazu gesagt. Abseits der Pisten, im pulverigen Tiefschnee durch die Wälder oder über unpräparierte Freifläche zu fahren, ist für viele das Highlight eines Skitages, birgt jedoch Konfliktpotenzial. Ein neues Projekt soll nun Naturschutz und Tiefschneevergnügen verbinden. "Es ist wichtig, dass wir die Freerider durch gezielte Angebote lenken um Konflikte zwischen allen Naturnutzern zu vermeiden", so Dieter Stöhr, Projektleiter von "Bergwelt Tirol - miteinander erleben", der Plattform des Landes Tirol, das nun in Kitzbühel unter dem Titel "Freeride Kitzbühel" das Pilotprojekt startet.

Lebensraum Tiefschnee

Die Wälder und Freiflächen sind Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sind Schutzwälder oder bäuerliche Hofflächen - und bedürfen daher einer besonderen Achtsamkeit. "Wir wollen keine Grenzen, wir wollen ein Miteinander. Es soll in Fleisch und Blut übergehen, dass man Schutzgüter in der Natur respektiert. Hier in Kitzbühel haben wir die richtigen Partner für das Projekt gefunden", so LA Josef Edenhauser bei der Projektpräsentation am 30. 11. in Kitzbühel
"Freeride Kitzbühel" wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Land Tirol, Kitz Tourismus, der Gemeinde Kitzbühel, dem Alpenverein, der Landwirtschaftskammer, den Jägern und Förstern des Bezirkes und den Berg- und Skiführern entwickelt.

Wild, Hühner und der Wald

Konkret geht es dabei um den Schutz von Rauhfußhühnern, Hirschen, Gämsen und Steinböcken, um den Objektschutzwald, der etwa Kitzbühel vor Murenabgängen und Überschwemmungen schützt - und um den Schutz vor Gefahren auf bäuerliche Hofflächen (Drahtzäune, Maschinen, Arbeitsgeräte etc.). Dafür soll bei den Skifahrern ein Bewusstsein entwickelt werden.
"In den meisten Fällen ist es keine Absicht, dass beim Freeriden diese Tiere und der Wald gestört werden. Es ist Unwissenheit der Skifahrer, vielleicht weil sie aus der Stadt kommen und mit diesen Themen noch nicht vertraut sind. Die Menschen halten sich jedoch sicher gerne daran, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden“, so Signe Reisch, Obfrau von Kitzbühel Tourismus.

Beschilderung der Schutzgüter

Die neue Beschilderung im Gelände zeigt besonders wichtige Schutzwälder und Lebensräume von Tierarten, die durch Freerider gefährdet werden. „Ich bin als Anwalt der Tiere hier“, so Bezirksjägermeister Manfred Antretter. „Das Wild braucht in erster Linie Ruhe. Daher ist das Projekt wichtig.“ Die Schutzzonen wurden in einer Karte dokumentiert und sind z.B. als OGD (Open Government Data) leicht in Apps einzubinden. Geeinigt hat man sich im Zuge der Projektarbeit darauf, dass in den Karten nicht dargestellt wird, wo gefahren werden darf, sondern eben dargestellt wird, wo nicht gefahren werden soll.
In weiterer Folge sollen Skilehrer aber auch kurze Videos auf den Infoscreens und in gewissen Bereichen Absperrungen an die Eigenverantwortung und das Miteinander appellieren. „Wir machen dementsprechende Schulungen in den Skischulen. Skilehrer haben hier eine Vorbildfunktion. Es ist aber auch wichtig, dass wir die Sprache der Freerider sprechen“, schließt Manfred Hofer von der Skischule Element 3. Die Maßnahmen werden in der Saison 2016/17 dokumentiert und anschließend ausgewertet.

Infos:
www.bergwelt-miteinander.at
https://www.facebook.com/bergwelttirolmiteinander/
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