23.01.2012, 00:33 Uhr

Hahnenkamm-Slalom 2012: Teufelsritt im Stangenwald

Wenn der Schnee staubt und sich die Stangen biegen: Cristian Deville beendete die sieglose Zeit der Italiener am Ganslernhang
1. Weltcup-Sieg für 31-jährigen Cristian Deville (ITA), Mario Matt nach Halbzeit-Führung 2.

Das Warten geht weiter. Denn auch heuer gab es keinen Österreicher-Sieg am Ganslernhang. Der letzte datiert aus dem Jahr 2005 durch den Gschnitztaler Manfred Pranger. Bedeutend länger die Durststrecke der Ski-Großmacht Italien. Cristian Deville machte heuer dem Spuk ein Ende. 17 Jahre nach dem letzten Kitz-Triumph eines Italieners durch Alberto Tomba siegte Deville auch erstmals in einem Weltcup-Slalom. Im zarten Alter von 31 Jahren. Dank einer entfesselten Fahrt im 2. Durchgang schob sich der Halbzeit-Vierte noch ganz an die Spitze. Der Slalomspezialist aus der Nähe von Bozen gewann 0,72 Sekunden vor dem Tiroler Mario Matt, der hier im Jahr 2000 mit Startnummer 47 einen Sensationssieg landete. Matt, wie in der Woche zuvor in Wengen Führender nach dem 1. Durchgang, büßte im zweiten Lauf fast anderthalb Sekunden auf den Italiener ein. Der Drittplatzierte Ivica Kostelic konnte sich nach der Slalom-Ehrung gleich wieder in Siegerpose schmeissen. Denn zum dritten mal in Folge sicherte sich der Kroate die – vielleicht letztmalig -zum Weltcup zählende Hahnenkamm-Kombination. Verbunden mit einem satten Punktezuwachs.

Mit Platz eins in der Kombination und Rang drei im Slalom stockte der Weltcup-Gesamtsieger 2010/11 sein Punktekonto an einem Tag um 160 Zähler auf und übernahm damit auch gleich wieder die Spitze im Gesamtklassement.

Einfädel-Causa und Doppel-Disqualifikation
Der eigentliche Favorit aus österreichischer Sicht hieß Marcel Hirscher. Doch der 3-fache Saisonsieger und Drittplatzierte nach dem ersten Lauf stand diesmal nicht am Podest, wirbelte aber dennoch mächtig (Schnee-)Staub auf. Zumindest bei seinem Triumph in Zagreb habe der Salzburger eingefädelt, ein Tor also nicht korrekt passiert, so der Vorwurf, der am Tag vor dem Kitzbühel-Slalom einen Sturm heftiger Diskussionen auslöste. Angestoßen hatte diesen kurioserweise eine österreichische Boulevardzeitung, die seit Jahren als Medienpartner des ÖSV auftritt. Am Ganslernhang wurde Hirscher gleich zweimal disqualifiziert – wegen Einfädelns. Gleich am ersten Tor im ersten Durchgang machte er sich verdächtig, wurde zeitweise aus dem Klassement genommen. Die Zeitlupe stellte seine Unschuld unter Beweis. Im zweiten Durchgang folgte nach einem deutlich sichtbaren Einfädler dann die berechtigte Disqualifikation.

Angst um einen Abzug von Weltcuppunkten braucht der Salzburger laut Protest-Reglement keine zu haben. Die Einspruchsfrist endet nämlich 15 Minuten nach den Rennen. Neben Zagreb soll Hirscher aber auch in Adelboden eingefädelt haben. Das kroatische Team überlegt daher zwei Ergebnisse bei der FIS anzufechten. Denn in Adelboden wurde Kostelic hinter Hirscher Zweiter, beim Heimspiel in Zagreb hinter Hirscher und Neureuther Dritter.
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