26.08.2016, 11:01 Uhr

Tirols Bauern halten sich bei Investitionen zurück

LHStv Josef Geisler (Mitte) und Thomas Danzl (2. v. re.) mit der Familie Auer (Leonhard, Katharina, Marlene und Christoph Auer v. li. sowie Gerhard Auer rechts außen), die mithilfe des Landeskulturfonds einen neuen Laufstall errichtete und in diesem Zuge auf Bio umstellte. (Foto: Land Tirol/Endstrasser-Müller)

Über 40 Millionen Euro hat die Tiroler Landwirtschaft im Jahr 2015 mit Unterstützung des Landeskulturfonds investiert.

TIROL/BEZIRK. 155 Betriebe haben im vergangenen Jahr vom Landeskulturfonds zinsgünstige Kredite erhalten. Seit 2010 sind die Investitionen in der heimischen Landwirtschaft jedoch aufgrund der Marktsituation stark zurückgegangen. Verstärkt investiert wird in alternative Betriebszweige.

Investitionen werden abgewogen

„Der Landeskulturfonds ist nicht nur ein wichtiges Unterstützungsinstrument, er ist auch ein Spiegel der Tiroler Landwirtschaft. Aufgrund der niedrigen Produktpreise, insbesondere bei der Milch, wägen die bäuerlichen Familien Investitionen derzeit stark ab“, fasst LHStv Josef Geisler als Vorsitzender des Kuratoriums des Landeskulturfonds zusammen. Gleichzeitig lassen sich aber auch klare Trends erkennen: Beim Stallbau setzt sich in Tirol der Trend zu besonders tiergerechten Laufställen weiter fort. Die Zahl der Stallbauten für Hühner, Ziegen, Schafe und Pferde nimmt deutlich zu. „Die Bäuerinnen und Bauern schaffen sich neue Standbeine und Produktionssparten“, leitet Geisler aus den Investitionsvorhaben ab.

Fokus auf Innovation

Um Erwerbskombinationen und alternative Wertschöpfungsmöglichkeiten noch stärker zu forcieren, hat der Landeskulturfonds nunmehr ein Projekt zur Vernetzung der landwirtschaftlichen Organisationen gestartet. „Wir wollen innovationsfreudige Bäuerinnen und Bauern sowie Jungübernehmer noch besser und strukturiert begleiten. Dabei geht es nicht nur um mögliche Förderungen, sondern auch um Betriebskonzepte, Beratungsleistungen, Vermarktungs- und Vertriebshilfen, Pilotstudien oder auch zusätzlich notwendigen Forschungs- und Entwicklungsbedarf“, führt Geisler aus.

Investitionsstopp wäre Aus für Landwirtschaft

„Ein Stallbau ist ein finanzieller Kraftakt. Stallbauen in Tirol bedeutet hohe Investitionen, aber nicht zwingend Mehrerlöse. Deshalb braucht es auch entsprechende Unterstützung“, weiß LHStv Geisler. Investitionen genau zu prüfen, sei grundsätzlich richtig. „Ein Investitionsstopp in der Tiroler Landwirtschaft würde jedoch bedeuten, dass zahlreiche Stalltüren für immer schließen. Deshalb müssen wir alles daran setzen, die bäuerlichen Betriebe und die flächendeckende Bewirtschaftung in Tirol zu erhalten“, so Geisler. Dazu gehöre neben der Unterstützung von Zukunftsinvestitionen durch zinsgünstige Darlehen, wie es sie etwa auch in der Wohnbauförderung gibt, auch die zusätzliche Hilfestellung in Krisensituationen.

Eigenkapitaldecke wird dünner

Zentraler Tätigkeitsbereich des Landeskulturfonds ist die Finanzierung von Baumaßnahmen in der Landwirtschaft über zinsgünstige Darlehen. Im Jahr 2015 hat der Landeskulturfonds 155 Investitionskredite mit einer Darlehenssumme von mehr als 18 Millionen Euro und Baukosten von über 40 Millionen Euro vergeben.
Insgesamt hat der Landeskulturfonds Darlehensforderungen gegenüber ca. 3.200 Bäuerinnen und Bauern in der Höhe von 133 Millionen Euro. Die Zahl der DarlehensnehmerInnen hat sich in den vergangenen Jahren verringert, die beantragten Darlehenssummen steigen jedoch stetig und lagen 2015 bei durchschnittlich 118.000 Euro. Darin zeigt sich, dass die Vieh haltenden Bäuerinnen und Bauern immer größere Summen zur Aufrechterhaltung der Bewirtschaftung aufwenden müssen und die Eigenkapitaldecke immer dünner wird.

In der Investitionstätigkeit der bäuerlichen Betriebe gibt es regional starke Unterschiede. Im Bezirk Kitzbühel gab es im Jahr 2015 38 Darlehensanträge, bei einer Darlehenssumme von 5.542.000 Mio. Euro und einem Investitionsvolumen von 13.048.000 Mio. Euro.
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