Maria Saal, die Wiege Kärntens
Weg der Versöhnung im Dom

Weg der Versöhnung: Die Licht-Bank macht den Abschluss. Stipendiatskaplan Jinu Joseph Mangalath aus Südindien und Diakon Gottfried Riepl.
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  • Weg der Versöhnung: Die Licht-Bank macht den Abschluss. Stipendiatskaplan Jinu Joseph Mangalath aus Südindien und Diakon Gottfried Riepl.
  • hochgeladen von Bernhard Knaus

Maria Saal gilt als die Wiege Kärntens. Die Gegend in und um die Marktgemeinde hatte ihren Ursprung bereits bei den Kelten, Berühmtheit erlangte der Landstrich aber durch die Römer. Als das historische und kirchliche Zentrum in Kärnten gilt der Dom in Maria Saal. Die Wallfahrts- und Stiftskirche Maria gehört mit Karnburg zu den frühesten Kirchengründungen Kärntens. Bereits 767 erfolgte die Weihe der Marienkirche durch Bischof Modestus. 1116 wurde erstmals die vom Salzburger Erzbischof Konrad in Maria Saal errichtete Propstei urkundlich erwähnt, was die Bedeutung des kirchlichen Standpunktes Maria Saal erneut unterstrich.

MARIA SAAL. Die Zeit von Aschermittwoch bis Ostern ist die Zeit des Fastens, aber auch die Zeit der Buße und Besinnung. Dabei sind die Gläubigen eingeladen, sich erneut auf die Grundlagen christlicher Existenz zu besinnen. Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach einem Ort der Vertiefung und der Besinnung, wo sie Kraft für die Herausforderungen im täglichen Leben schöpfen können. Solch ein Ort bietet sich heuer zum zweiten Mal im Dom Maria Saal an. Hier entstand mit dem „Weg der Versöhnung“ eine spirituelle Kunstinstallation.
Doch wie kam es zu dieser Kunstinstallation und was steckt dahinter? „Der Hintergrund war, dass veränderte Beichtverhalten der Gläubigen“, erklärt Diakon Gottfried Riepl. „In vielen, langen Gesprächs- und Diskussionsrunden unter der Federführung von Dompfarrer Josef-Klaus Donko wurde diese Thematik intensiv behandelt. Des Weiteren stellten wir fest, dass es viele Menschen verlernt haben, zu reden, zu verzeihen und mit den Mitmenschen und vor allem mit sich selbst ins Reine zu kommen. Das war die eine Erkenntnis. Die andere war, dass die Gläubigen in der eigenen Pfarre so gut wie gar nicht mehr zur Beichte gehen. Bei den Wallfahrten wird intensiv davon Gebrauch gemacht, zu Hause aber leider nicht.“

Die Nutzung des Weges näher bringen

Gottfried Riepl ist neben seiner Tätigkeit als ehrenamtlicher Ständiger Diakon auch in der Wirtschaft fest verwurzelt. Er ist Gründer und Seniorchef der Klagenfurter "Tischlerei mit Format". Nicht nur mit seinen maßgeschneiderten Möbeln, sondern auch mit Kooperationen mit bekannten Künstlern wie Herman Nitsch und Christian Attersee, erregte der Tischlermeister großes Aufsehen. Gerade diese Erfahrungen aus seinem Berufsleben, erleichterten die Umsetzung des Projektes ungemein. „Eine der zentralen Fragen war es, wie man einen – nennen wir ihn – liturgisch nicht geprägten Menschen die Handhabung bzw. die Nutzung des Weges näherbringen kann.“
In einer von Riepl gegründeten Tischlergruppe, „Das maßgebende Handwerk“ setzte man vor einigen Jahren das Projekt „Kubus“ um. Jeder der Würfel, gemeinsam gestaltet mit namhaften Kärntner Künstlern, wurde damals mit einer ganz klaren Aussage versehen. Dieser Denkansatz floss auch in die Umsetzung des „Weges der Erleuchtung“ mit ein. Man einigte sich schließlich bei der Findung der Inhalte: Neid und Gier, Streit und Nachtragen, unversöhnlich sein mit mir, mit dir und „Ich bin nicht schuldig“ sind die vier Haltungen bzw. Eigenschaften, die mit den grell beleuchteten Würfeln zum Ausdruck gebracht werden sollen.

Spiegel der Selbsterkenntnis

Im nächsten Abschnitt tritt man vor einen Spiegel, an dem mit großen Lettern das Wort „Selbsterkenntnis“ steht. Dieser Spiegel soll zur Einsicht führen und einen Weg der Versöhnung eröffnen. „Der Mensch hat verlernt zu verzeihen und das, obwohl in jedem eine große Sehnsucht nach Harmonie besteht“, führt Diakon Gottfried Riepl aus, „Für den Menschen ist das „aktive“, das innerliche Vergeben, sehr wichtig. Man gibt einen Rucksack ab, man spürt die Erleichterung. Viele Menschen verbringen den Großteil ihres Lebens in dem Gefühl „Ich aber habe Recht“ und merken dabei nicht, wie sie sich selbst und ihr Umfeld vergiften durch dieses ständige Beharren auf ihrem Recht. „Willst du Recht haben oder versöhnt sein?“, das ist die entscheidende Frage.“
Am Ende des Weges steht eine Licht-Bank mit fünf Gefäßen mit Kerzen, die zeigen, welchen ersten Schritt der Versöhnung man vielleicht gehen kann. Dieser Bereich ist bewusst in warmen Farben gehalten. Der Gläubige hat hier die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden und symbolisch den „Weg der Versöhnung“ abzuschließen.

Versöhnungsgottesdienste

Davon unberührt bleiben aber natürlich die Versöhnungsgottesdienste, die finden wie bisher regelmäßig statt. In diesen Gottesdiensten liefert die Pfarre Besinnungsimpulse, die den Gläubigen helfen sollen. Nach dem Schuldbekenntnis wird durch den Priester das Vergebungsgebet gesprochen und es erfolgt auch eine Art Ritual, ein symbolischer Akt. „In ein Gefäß wird Weihrauch gegeben und dieser dann angezündet. Durch den auflösenden Rauch wird auch das Auflösen der Schuld symbolisiert“, meint Diakon Riepl.

Projekt „Beauftragte Pfarrkoordinatoren“

Überhaupt ist die Dompfarre immer sehr bestrebt, neue Wege einzuschlagen und die Vorreiterrolle bei kirchlichen Themen zu übernehmen. Ein besonders interessantes Projekt mit der Bezeichnung „Beauftragte Pfarrkoordinatoren“ nahm auch in Maria Saal ihren Anfang. Das Ziel dieses Pilotprojekts ist es, viel mehr Laien in die Kirchenarbeit mit einzubinden. „Pfarrer Josef-Klaus Donko hat hier rund ein halbes Jahr Vorarbeit geleistet“, weiß Diakon Riepl zu berichten „Wir haben Anfang November des letzten Jahres die bischöfliche Beauftragung erhalten. Das Projekt wird bis 2022 weitergeführt und vor den nächsten Pfarrgemeinderatswahlen zum Abschluss gebracht.“ Sollte das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden, würde das eine enorme Entlastung für die einzelnen Pfarrer bedeuten. So wären sie wieder im erhöhten Maße für seelsorgerische Tätigkeiten freigespielt.

Technisch am Puls der Zeit

Die Pfarre Maria Saal ist auch technisch am Puls der Zeit. Coronabedingt werden die Messen live gestreamt und sind über die Homepage auch im Nachhinein abrufbar. Zu allen wichtigen und relevanten Themen gibt es Kurzvideos bzw. werden solche sukzessive erstellt. „Wir wollen dies auch in der Nach-Corona-Zeit größtenteils beibehalten. Zurzeit haben wir zwischen 200 und 300 Gläubige, die die Messen online verfolgen. Die Resonanz ist sehr groß und wir erhalten laufend großartige Rückmeldungen.“

Kulturhochburg Maria Saal

Auch in punkto Kultur ist die Pfarre Maria Saal ganz vorne dabei. Schon seit vielen Jahren ist die Dompfarre Schauplatz von aufmerksamkeitserregenden kulturellen Ereignissen. Immer wieder gelingt es der Pfarre, Koryphäen aus Kunst und Kultur nach Maria Saal zu holen. Eines dieser Ereignisse war 2017 die Errichtung des Kreuzweges des Künstlers Karl Vouk rund um das Kirchengebäude. Er vereint Tradition und Moderne in einem zeitgenössischen Konzept. Eine Besonderheit dieses Kreuzweges ist, dass die einzelnen Kreuzwegstationen beweglich sind und somit auch an anderen Orten aufgestellt werden könnten. Als weitere Besonderheit wurden die klassischen vierzehn Stationen in diesem Kreuzweg um eine fünfzehnte Station erweitert, welche die Auferstehung Christi symbolisiert. Diakon Gottfried Riepl: „Es war unser Bestreben, ganz in der Tradition des Domes, in dem Kunstwerke vom 2. bis zum 20. Jahrhundert zu finden sind, auch im 21. Jahrhundert ein bedeutendes Kunstwerk zu schaffen. Zurzeit wird er leider noch nicht in dem Maße wahrgenommen, wie er es verdient hätte. Der steirische Komponist Albert Seidl arbeitet mit Unterstützung durch Ingrid Klogger an der Vertonung der einzelnen Kreuzwegstationen, die als Gesamtwerk im Rahmen der 950-Jahr-Feier der Diözese Gurk im Jahr 2022 als „Maria Saaler Passion“ zur Aufführung gebracht werden wird.“ Auch eine Falschinterpretation bzw. ein Missverständnis möchte Diakon Riepl aus der Welt schaffen: „Ein Kreuzweg wird immer mit Leid, Blut und Schmerzen verbunden. Das ist aber ein Kreuzweg nicht, denn in einem Kreuzweg ist immer die Hoffnung und die Auferstehung zu finden. So muss man das sehen. Deswegen haben wir in Maria Saal die fünfzehnte Station, die Auferstehung dargestellt.“

Ungewöhnliche Geschichte

So ungewöhnlich der Ort Maria Saal samt Dom ist, so ungewöhnlich ist auch die Geschichte des Werdegangs von Gottfried Riepl, vom Mann aus der Wirtschaft und Familienvater zum geweihten Diakon der Pfarre. Gottfried Riepl stammt aus einem sehr gläubigen Elternhaus. So war er schon von Kindheit an eng mit der Kirche und der Pfarre verbunden. Diese Verbundenheit äußerte sich durch großes Engagement in der Kirchengemeinde und im Kirchengemeinderat. „Ich habe schon seit meiner Jugend den Wunsch in mir getragen, noch mehr, und auf einer anderen Ebene, für die Kirche da zu sein. In meiner Funktion als Pfarrgemeinderatsobmann von St. Thomas habe ich 1989 Pater Cornelius Dings kennen gelernt. Mit ihm durfte ich 14 große Reisen erleben. Er war es, der mir den „Karawankenblick“ nahm und der mich kulturell zum Sehenden gemacht hat. Als 2010 Pater Cornelius verstarb, entschloss ich mich an seinem Grab, die Ausbildung zum Diakon zu beginnen. 2014 empfing ich dann schließlich die Weihe.“

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