"Mutiges Denken muss erlaubt sein"

Tourismusverbands-Obmann Christoph Neuscheller (Hotel Schloß Leonstain): "Ohne große Veränderungen im Angebot, wird der Trend nicht nach oben gehen."
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  • hochgeladen von Vanessa Pichler

PÖRTSCHACH (vp). Der Obmann des Pörtschacher Tourismusverbandes über Bodypainting, wichtige Veränderungen im Angebot und Lärmschutz-Forderungen.

WOCHE: Den Tourismusverband gibt es seit mittlerweile 2,5 Jahren. Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Gemeinde?
NEUSCHELLER: Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Wir haben auch die großen Probleme, die es gab und auf die das Gesetz keine Rücksicht genommen hat, gut bewerkstelligt. Der größte Brocken allerdings steht jetzt an: Mit Ende des Jahres ist die Verpflichtung, die Mitarbeiter zu übernehmen, nicht mehr gegeben. Das Gesetz hat hier eigentlich keine Lösung vorgeschlagen. Das führt dann dazu, dass die Gemeinde z. B. für die Personen - würden wir sie nicht nehmen - nicht einmal eine Planstelle hat und sie daher gar nicht nehmen kann. Momentan haben wir die Mitarbeiter quasi „geleast“.

Was waren für Sie die größten Meilensteine bisher? Worauf sind Sie stolz?
Wir haben ein schönes Büro gefunden am Monte Carlo Platz. Ein großes Ergebnis unserer Arbeit war die Gründung der „MICE-Gruppe“ (Meetings, Incentives, Conventions, Events), wo wir Initiator waren. Das wollten wir zuerst nur in Pörtschach machen, haben aber dann gesehen: Stellen wir es größer auf, sind wir noch stärker am Markt. So konnten wir das mit Velden zusammen unter der Schirmherrschaft der WTG realisieren. Dafür haben wir sogar eine eigene Person angestellt.
Wir sind auch stolz, bisher immer ausgeglichen budgetiert zu haben, was auch nicht ganz einfach war. Durch das neue Tourismusgesetz ist ja der größere Teil des Budgets in die WTG gegangen als vorher. Auch hier eine super Zusammenarbeit mit der Gemeinde: Wir hätten gleich wieder zusperren können, hätte uns die Gemeinde nicht das Geld für die Bezahlung der Mitarbeiter vorgestreckt. Wir haben nämlich die Zahlungen, die das Land eingehoben hat - also z.B. Kurtaxe, sehr spät refundiert bekommen.
Stolz bin ich, dass wir das Bodypainting erhalten konnten.

Apropos Bodypaiting: Wie geht es nach 2016, da läuft der Vertrag aus, weiter?
Bodypainting ist ein Riesenthema, auch einer der größten Brocken in unserem Budget. Es spaltet auch den Ort: Es ist natürlich eine sehr wertvolle Veranstaltung, die viele Nächtigungen bringt, aber sie erzeugt gerade in diesem neuralgischen Punkt auch sehr viel Lärm. Die dort angrenzenden Hotels sind auch nicht unbedingt die Hauptprofiteure, kriegen aber am meisten ab - auch die Privaten, die dort wohnen. Sie sind einem ziemlichen Lärmpegel ausgesetzt, das ist uns bewusst. Daran müssen wir noch etwas feilen.
Wir wollen das Festival prinzipiell halten, es ist natürlich eine Entscheidung der Mitglieder. Wir werden dazu sicherlich nicht nur eine Vorstandssitzung, sondern wahrscheinlich eine größere Befragung machen und mit dem Veranstalter auch noch verhandeln, welches Verbesserungspotential wir haben, um es für die Anwohner und Hotels erträglicher zu machen.

Wie entwickeln sich im Allgemeinen die Nächtigungszahlen?
Solange wir keine großen Veränderungen in unserem Angebot zusammenbringen, wird der Trend auch nicht nach oben gehen. Wir müssen froh sein, wenn er stagniert und nur leicht nach unten geht.

Was könnte eine solche große Veränderung sein?
Wir arbeiten an einem Infrastruktur-Projekt, in das auch der KWF, Tourismusreferent LR Benger, die WTG und alle Gemeinden eingebunden sind. In Phase eins lassen wir eine Machbarkeitsstudie machen, dass man sieht, was die geplanten Maßnahmen für Potential haben, wie sie sich auswirken.

Es geht um die Seilbahn zum Pyramidenkogel ...
Das ist ein Teil davon und auch da gibt es einen Plan B. Das ist einmal die Vision, die wir haben. Es muss aber nicht sein, dass das Ganze auf diesem aufgehängt ist. Man braucht Visionen und mutiges Denken muss erlaubt sein. Die Machbarkeitsstudie wird zeigen: Wie viel Attraktivität ist das wirklich? Wie viele Leute bekommen wir wirklich damit her? Welche Auswirkungen hat das auf Umwelt, Verkehr etc.? Bringt es wirtschaftlichen Erfolg? Und dann geht man in den Schritt zwei, in die Feinplanung. Von einer Fünf-Jahres-Planung muss man da schon ausgehen. Es ist wirklich nur ein Teil des Projekts.

Was wären die anderen Punkte des Projekts?
Ein Schwerpunkt ist die Attraktivierung der Hauptstraße. Die Straßenverbesserung schafft jetzt ein besseres Bild. Nichtsdestotrotz muss man wieder Leben auf die Hauptstraße bekommen. Pörtschach hat den Nachteil, dass man durchfährt und den See nicht sieht. Dafür haben wir die schönste Promenade, aber wenn man das nicht weiß ... Da gibt es Maßnahmen, die leerstehenden Geschäftsflächen zu beleben. Natürlich keine großen Shopping-Center. Man sieht anhand jener Geschäfte, die jetzt renoviert worden sind: Wenn man etwas herrichtet, lässt es sich auch vermieten.
Natürlich kämpft die Hauptstraße auch mit einem zweiten Problem: Es sind allein fünf Lokale direkt am See entstanden und logisch zieht es einen eher an den See als auf die Hauptstraße.

Bgm. Silvia Häusl-Benz hat die Einführung eines Freiflächenmanagements erwähnt...
Genau. Auch da sind wir eng vernetzt.

Weitere Punkte des Projekts?
Eine „Kinder-Erlebniswelt“ ähnlich dem Europapark-Spielplatz, natürlich nicht in der Dimension. Das Strandbad ist auch Thema, es muss für die Vor- und Nachsaison attraktiviert werden. Wobei ich ganz stark darauf setze - und das ist vielleicht die Hauptaufgabe, die wir mit der WTG zusammen haben -, dass wir von diesem Bade-Image wegkommen. Jedes Jahr, das wir weiterhin mit dem Wörthersee als Badesee werben, ist ein verlorenes.

Womit kann man werben?
Eine Zeit lang haben wir es super geschafft mit Golf - und du hast den See. Oder ein Seminar - und den See. Der See muss das i-Tüpfelchen sein.

Lärmschutz an Bahnlinie und Autobahn ist auch Thema ...
Die Koralmbahn kommt, alle vier Minuten wird ein Zug fahren. Wir haben mit der seinerzeitigen Landesregierung unter Dörfler intensive Gespräche geführt. Denen war es nicht so wichtig, dass das hier ungelöst war. Auch mit LH Kaiser gab es Gespräche gemeinsam mit der Wirtschaftskammer. Da ist auch relativ wenig herausgekommen. Das, was wir fordern, ist machbar, kostet nicht so viel Geld. Es ist kein Tunnel, denn es ist illusorisch, einen zu fordern. Doch wir hätten ihn gebraucht und er war eigentlich den Bürgermeistern versprochen.
Bei der Autobahn haben wir im April 2014 einen Dringlichkeitsantrag über LAbg. Herbert Gaggl gestellt für eine Geschwindigkeitsbeschränkung und der ist bis vor kurzer Zeit liegengeblieben. In Wirklichkeit gibt es keine 100er-Verordnung für Lärmschutz, sondern nur für schlechte Luft und die haben wir nicht.

Und was ist dann mit dem Abschnitt Wernberg?
(lacht) Das ist eine typisch österreichische Lösung. Da wurde seinerzeit der 100er verordnet bis der Lärmschutz kommt. Der kam, aber der 100er ist immer noch da. Bei uns steht der Lärmschutz schon. Ich glaube aber, wo ein Wille, da ein Weg. Die WHO sagt: Alles mit mehr als 55 Dezibel ist gesundheitsschädigend in der Nacht und hier ist mehr Lärm. Die LKWs dürften in der Nacht nur 60 km/h fahren, nur es wird nicht geahndet. Das gehört auch gemacht, auch mittels Radarkästen.

Es gibt jetzt auch ein Initiative rund um den Monte Carlo Platz. Ist das vom Verband gesteuert?
Wir haben im Budget einen Posten für die Belebung des Monte Carlo Platzes. Es ist dort noch etwas schwierig aufgrund der sensiblen Anrainer-Situation, da wirklich etwas zu entwickeln. Aber wir haben jetzt ein Programm, dass wir dort unterstützen. Wir schauen, dass es bis Mitternacht geht, also verträglich ist. Es ist ein wichtiger Punkt, dass man den Monte Carlo Platz wieder belebt. Wir denken über ein anderes Konzept nach, man kann zum Beispiel schon am Nachmittag anfangen.

Bewegung um den See ist auch Thema. Wie steht es mit Mountainbiken?
Voriges Jahr - und darauf sind wir auch stolz - haben wir eine Mountainbike-Strecke zusammengebracht. Wir sind dadurch auch jetzt mit Velden vernetzt. Es war nicht einfach, die ganzen Waldbesitzer da zusammenzubringen. Jetzt haben wir die Strecke, aber wer hat ein Angebot dafür? Da hapert es noch. Auf diesen Zug müssen wir aber ganz stark aufspringen. Meiner Meinung nach ist das die einzige Chance der Wörthersee-Region neben dem Gesundheitstourismus.

Es gibt auch Gespräche über eine „Wörthersee-Card“.
Ich würde mir eine wünschen, die in der Kärnten Card implementiert ist. Es ist sinnlos, so viele Karten zu haben. Solange das so unausgegoren ist, wird man noch reden müssen.

Autor:

Vanessa Pichler aus Klagenfurt

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