13.06.2017, 19:00 Uhr

Neues Leben als Schneider und Kicker

Mohamed Rami Hamwai an seinem Arbeitsplatz mit Eldina Trakosevic (Beratung Berufsbekleidung) und Standortleiter Alexander Schwaiger

Dass Integration möglich ist, zeigt die Geschichte des 30-jährigen Flüchtlings Mohamed Rami Hamwai.

KLAGENFURT, MARIA SAAL (vp). Nach Ostern 2015 kamen 19 Flüchtlinge in einer Unterkunft am Maria Saaler Hauptplatz unter. Darunter auch Mohamed Rami Hamwai (30), der aus Aleppo (Syrien) geflohen ist. Bei ihm hat sich in der Zwischenzeit einiges getan. Seit Februar 2016 ist er asylberechtigt. Seine Frau Hala Shaker durfte mittlerweile nachkommen und besucht fleißig Deutschkurse. Seit fast sieben Monaten hat Rami auch einen Job - bei der Firma Umlauft in Klagenfurt.

Schnell und genau

Richard Brachmaier, Obmann des Maria Saaler Domvereins, setzt sich seit der Ankunft der "Maria Saaler Flüchtlinge" sehr für sie ein. Er war es auch, der von einem Bekannten den Tipp erhielt, sich bei dem Betrieb für Textile Versorgungssysteme zu melden. "Rami durfte sich sofort vorstellen", so Brachmaier.
Er arbeitet nun als Schneider bei Umlauft. "Ich habe auch in Syrien zwölf Jahre als Schneider gearbeitet, in einer Kleiderfabrik", sagt Rami. Berufsabschluss hat er keinen, er ist ein "angelernter Arbeiter". Umlauft-Standortleiter Alexander Schwaiger lobt Ramis Know-how: "Dass er in der Industrie gearbeitet hat, merkt man an seiner Schnelligkeit und Genauigkeit. Nachdem diese Art der Produktion in Österreich mittlerweile selten ist, gibt es hier auch immer weniger solcher Schneider."

Integration durch Sprache

Bei der Firma Umlauft sind Mitarbeiter aus mehr als elf Nationen beschäftigt, Probleme gibt es keine. Auch in der Verständigung kaum. Schwaiger: "Das Wichtigste, um Integration zu ermöglichen, ist aber die Sprache." Umlauft sei ein "offenes Haus ohne Berührungsängste". "Auch zur Jugoslawienkrise haben hier schon viele eine Arbeit gefunden."

Zeit für Fußball

Rami kürzt und verlängert Kleidung, näht Taschen oder Embleme auf - alles so, wie der Kunde es möchte. Er könnte seinen Kollegen auch die Haare schneiden, denn in Aleppo hat er auch als Friseur gearbeitet. Doch Schneider ist und bleibt sein Berufswunsch, die Arbeit bei Umlauft gefällt ihm besonders gut. "Ich beginne um 6 Uhr früh, da höre ich dann nachmittags früher auf."
Da hat er dann Zeit für sein Hobby: Fußball. Schon in Syrien spielte Rami in der ersten Liga. Beim SK Maria Saal hat er wieder angefangen. Nachdem er nun in Klagenfurt lebt, kickt er beim SV Donau in der 1. Klasse. Ganz nebenbei trainiert er die U6-Mannschaft - unter anderem den Sohn seiner Chefin Eldina Trakosevic.
Rami auf die Frage, ob er in Österreich bleiben möchte: "Ich bin sehr zufrieden hier. Aber Syrien bleibt meine Heimat."

Die Firma Umlauft

Seit 2008 ist das Klagenfurter Traditionsunternehmen in die Unternehmensgruppe Wozabal integriert. Am Standort Klagenfurt arbeiten rund 150 Mitarbeiter. Es gibt vier Geschäftsfelder im Bereich Mietwäsche und Berufsbekleidung: Hotel & Co, Gesundheitswesen (von Stationswäsche bis OP-Textilien oder Dienstbekleidung), Industrie & Gewerbe, Seniorenheime (inklusive private Wäsche der Heimbewohner).

Bis zu 40 Tonnen pro Tag gehen in Klagenfurt durch die Wäscherei.
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