Filmland Kärnten 2019
Interview mit Heinz Olbrich, zum Fright Nights Filmfestival 2019

Heinz Olbrich, Cineast und Leiter des Fright Nights Filmfestival.
3Bilder
  • Heinz Olbrich, Cineast und Leiter des Fright Nights Filmfestival.
  • Foto: Fight Nights
  • hochgeladen von Christine Trapp

Fright Nights, das ultimative Festival der Angst, ist eines von zwei Filmfestivals in Österreich, das sich dem „fantastischen Film“ widmet. Der, in Mitteleuropa oft geschmähte „Horrorfilm“ ist eines der ältesten Filmgenres der Filmgeschichte und zugleich bis heute eines der umstrittensten mit, bis heute vielen Zensurproblemen. Fright Nights ist u.a. für Kärnten auch deshalb interessant, da das Filmfestival ursprünglich in Kärnten gegründet wurde und bis heute von dem in Klagenfurt lebenden Cineasten Heinz Olbrich, als Mastermind, geleitet wird. Selbstverständlich wird Horrorfilmexperte Heinz Olbrich von einigen Mitstreitern unterstützt, z.B. von Christopher Podlesnig, dem Obmannstellvertreter, des Vereins „Cine-Organisation“, der als Veranstalter das Festival abwickelt, sowie den Herrn Mario Hueber und Markus Tober und natürlich den Gastgebern der aktuellen Festivalausgabe, der Geschäftsführung der Hollywood Megaplex Gruppe, die alteingesessene Innsbrucker Kinofamilie Hueber, die ein Stück österreichische Kinogeschichte mitgeschrieben hat.
Viel Spaß mit dem Interview mit einem hartgesottenen Kärntner Filmfreund, der auch einiges zum Filmemachen in Ktn. zu sagen hat.

Christine Trapp/Woche: Hi Heinz, Du bist der Initiator und die treibende Kraft hinter dem Horrorfilmfestival „Fright Nights – das ultimative Festival der Angst“, das heuer vom 2. bis 5. Oktober im Hollywood Megaplex in Linz stattfinden wird. Kannst Du dich bitte unseren Leserinnen & Lesern vorstellen und wer gehört zu Deinem Team, das das Festival auf die Beine stellt.



Heinz Olbrich: Das erste Festival 2005, entstand einfach aus dem Wunsch heraus, legendäre Horrorfilme, die es nicht mehr im Kino zu sehen gibt, auf die grosse Leinwand zu bringen.
Damals hat sich das alte Kino in Pörtschach, bei dem ich zum damaligen Zeitpunkt beschäftigt war, angeboten.
Es gab damals noch keine "Silberne Hand" und auch keinen Bewerb mit Preisverleihung.
Aber es war eine spannende und aufregende Sache.
Da eröffnete Erwin Leder als Vampir die Veranstaltung. Und eines meiner eindrücklichsten Erlebnisse war ein mehr als einstündiges Gespräch am Wörthersee mit Chrisopher Lee.
Wir hatten in Kärnten danach noch 2 verschieden Locations, mit vielen spannenden Erinnerungen.
Positiven und negativen, aber im Nachhinein betrachtet waren diese Jahre sehr lehrreich.
Sarg-Probeliegen mit Fotoshooting auf der Burg Sommeregg war ein echtes Highlight!
Unsere Veranstaltung wird über den Verein CINE-Organisation abgehalten, der aus den üblichen 4 Vorstandsmitgliedern besteht.
Obmann-Stellvertreter ist Christopher Podlesnig, der auch die HP betreut und einer der wichtigsten und kompetentesten Personen im Team ist.
Im Laufe der Jahre haben wir das Festival nach Wien und jetzt seit 3 Jahren nach Linz/Pasching verlagert.
Die Familie Hueber aus Innsbruck, welche die 5 Hollywood Megaplex in Österreich betreibt, ist ein Traum-Partner, und hat sowohl in Wien als auch in Linz ein Spitzen-Team hinter sich.
Ein großes Dankeschön, allen voran Mario Hueber und Markus Tober.
Jetzt sind wir in einem der aufregendsten Kinos, nicht nur Österreichs gelandet.

Christine Trapp/Woche: Fright Nights gibt es seit 2005, wie kommt man im beschaulichen Klagenfurt auf die Idee ein Horrorfilmfestival zu veranstalten?

Heinz Olbrich: Ja, wie kommt man dazu ein Horrorfilm-Festival zu veranstalten? Ganz einfach! Wenn man Horrorfilme und den phantastischen Film liebt und die Möglichkeit vorhanden ist, dann macht man sowas. Ganz egal wo man sich befindet.
Du kannst das in LA machen, aber auch in Oberstinkenbrunn in Niederösterreich. Wenn man es mit Begeisterung macht, macht man es eben.

Christine Trapp/Woche: In Österreich gibt es zwei Horrorfilmfestivals, neben Fright Nights auch das Slash Film Festival in Wien. Beide Festivals sind relativ zeitnah angesetzt. Das Slash Film Festival (19. – 29.9.2019), Fright Nights (2. – 5.10.2019) Gibt es zwischen den Festivals irgendwelche Synergien oder ist diese „Zeitnähe“ zufällig?

Heinz Olbrich: Zwischen den beiden Festivals gibt es keine Synergien.
Ob die Zeitnähe zufällig ist, kann ich Dir leider nicht beantworten, da musst du die Veranstalter in Wien fragen. Ich stehe auf dem Standpunkt, je mehr Festivals dieser Art desto besser.

Christine Trapp/Woche: Während das Slash Film Festival eher auf den Horror Mainstream setzt und (fast) ausschließlich internationale Beiträge zum Genre des „fantastischen Films“ zeigt, gibt es bei Fright Nights eine breite Auswahl von Indiefilmen zu sehen, was eher dem Undergroundcharakter des „rebellischen“ Genres entspricht. Horrorfilme sind oft mit ganz geringen Mitteln hergestellt worden, der Horrorfilm ist eines der ältesten Genres der Filmgeschichte (z.B. Die Reise zum Mond, von Georges Méliés, Frankreich 1902). Wie schätzt Du die Situation des Horrorfilms im deutschen Sprachraum ein? (Sowohl in der Herstellung, wie in der Veröffentlichung)

Heinz Olbrich: Ich denke der europäische Horrorfilm, ist ganz große Klasse! Allen voran die spanischen und französischen Produktionen.
Wir zeigen heuer 7 spanische Independent-Kurzfilme, da bleibt einem wirklich die Luft weg. Ganz großes Kino, mit jungen Schauspielern in einer Perfektion die unglaublich ist.
Im deutschsprachigen Raum, sieht die Sache leider etwas anders aus.
Selbstverständlich gibt es auch hier einige tolle Filme. Aber der Mut oder die Fähigkeit zu eigenständigen Filmen mit innovativen Handlungsabläufen, ist eher rar gesät. Ich weiß nicht woran das liegt.
Deutschland hat mit seinen Stummfilmen eigene Maßstäbe gesetzt. Aber das ist eben schon lange her. Und in Österreich? Naja, da spielt sich leider nicht viel ab!
Dabei hätte Österreich wirklich alles was man für einen tollen Film benötigt! Eine traumhafte Naturkulisse und einen unglaublichen hintergründigen schwarzen Humor.
Bei den Komödien funktioniert das richtig gut. Bei den Horrorfilmen ist das leider nicht der Fall. Aber wer weiß. Kann ja noch werden.
Hauptproblem im deutschsprachigen Raum ist sicherlich, dass dem Film noch immer zu wenig Stellenwert beigemessen wird. Und natürlich so gut wie keine Förderung abseits des ORF.

Christine Trapp/Woche: Von außen, ich leben in den USA, hat man/frau, wenn man die Aut-Filmszene betrachtet, oft das „Gefühl“, dass sich diese Filmszene (fast) ausschließlich aus Leuten rekrutiert, die aus dem Umfeld der Wiener Filmakademie kommen, bzw. in Wien leben und dort einen Freundes- und Bekanntenkreis gebildet hat. Dieser Freundeskreis/diese Freundeskreise versteht sich als eine Art von „elitäre Elite“, die letztendlich die Geschickte des Aut-Films, sowohl in der Herstellung, im TV, wie im Vertrieb der Filme, leitet. Das Restösterreich hat die Aufgabe die „Erzeugnisse“ der „Elite“ zu konsumieren, im Kino, TV, VoD, Filmfestivals, und diese „Produkte“ mit öffentlichen und öffentlich-rechtlichen Mittel zu finanzieren. Leute, Initiativen und Firmen aus den Bundesländern sind die absolute Ausnahme, so gibt es z.B. bei der Diagonale – Festival des Aut-Films, in Graz, keine Übersicht, welchen Bundesländern die gezeigten Filme zuzuordnen sind. Wie siehst Du aus deiner Sicht des Festivalmachers diese (schwierige) („Wien“-lastige) Situation für das Filmschaffen und die Filmabspielung in den Bundesländern?

Heinz Olbrich: Sehe ich ähnlich. Wien-lastig, aber nur deshalb, weil die ORF-Produktionen meist von dort kommen. Ein Independent-Filmemacher hat es, denke ich, in Wien auch nicht leichter als bsw. einer aus der Steiermark.
Eine "Elitäre Elite" in Wien sehe ich eigentlich auch nicht. Zumindest habe ich davon noch nichts wahrgenommen. Die Provinz findest du in Wien genauso wie in..... ja in Oberstinkenbrunn!
Also überall gleich schwierig, bzw. einfach.
Ich glaub einfach Qualität und Hartnäckigkeit setzt sich überall durch.
Sicher Wien hat mehr Locations und Abspielmöglichkeiten, das heißt aber nicht, dass die auch genutzt und angenommen werden. Anstrengen musst dich überall.

Christine Trapp/Woche: Du bist in Klagenfurt zu Hause, wie siehst Du die Situation des Filmschaffens und der Filmabspielung im Bundesland Ktn., durchaus auch für den „fantastischen“ Film?

Heinz Olbrich: Kärnten ist ein wunderschönes Bundesland, mit viel Natur und ein idealer Ort für "gutbetuchte "Pensionisten.
Begeisterungsfähige junge Horrorfilme-Macher? Leider noch nicht viele gefunden. In 15 Jahren Fright Nights sind die an einer verstümmelten Hand abzuzählen. Horrorfilme sind ungesund und so was braucht Kärnten nicht! Nein, das geht überhaupt nicht. Das verstößt gegen unser „gesundes“ Volksempfinden!

Nachwort:
Abseits des Interviews haben Heinz Olbrich und ich noch einiges zum Film aus Ktn. ausgetauscht, ganz interessant dabei ist, wie wenig das Angebot seinen Film beim „Fright Nights Filmfestival“ vorzustellen von der einheimischen Filmszene in 15 Jahren genutzt wurde, passende Beiträge aus Ktn., zum fantastischen Film, waren bisher eine absolute Mangelware. Woran das liegt, darüber mag gerätselt werden, vielleicht ist es aber ganz einfach so, dass das „Eigene“ und das „Naheliegende“ einfach unbeachtet bleibt, da man/frau/Filmemacherin/Filmemacher lieber ins Ausland schielt, als auf der ‚heimatlichen Scholle‘ für die wichtigen, eigenen Anliegen mobilzumachen und die eigenen Filme zu zeigen, auch die herablassende Haltung gegenüber dem Horrorfilm in Ktn. mag hier eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen, daher ist es auch kein Wunder, dass Heinz Olbrich und Team mit ihrem Filmfestival weitergezogen sind.
Ganz interessant ist auch das starke Auftreten von Filmen aus Spanien bei „Fright Nights 2019“, zwei Gründe dafür können sein, dass der Horrorfilm in Spanien traditionell sehr beliebt ist, bereits in der Stummfilmzeit wurden dort zahlreiche Horrorfilme gedreht. „Metamorfosis“ hieß der erste spanische Horrorfilm, Regie: Segundo de Chomon, es war eine spanisch, französische Gemeinschaftsproduktion der Iberico Films und der Pathe Freres, Spanien/Frankreich 1912, 9 min, 1,16:1, sw.  Der Horrorfilm wird in Spanien „Cine de terror“ genannt und ist im In- und Ausland als „Fantahorror“ bekannt. Dazu kommt, dass die spanische Filmförderung sehr in die Breite geht und nach dem Motto „más“ (mehr) fördert, will heißes, es sollen mehr Filme in Spanien gemacht werden. Vereinfacht funktioniert die Filmförderung in Spanien so: Es gibt eine Filmförderung für Filme bis zu einem Gesamtbudget von zirka 2 Millionen Euro. 66 % wird vom Staat Spanien gefördert, 34 % muss der Filmemacher/die Filmfirma selbst aufbringen, Auswahlkommission gibt es hier keine, es genügt der einfache Antrag, allerdings: die Förderung wird im NACHHINEIN, genaugenommen 13 Monate nach Veröffentlichung des Films ausbezahlt. Die Kunst besteht darin den Film so zu finanzieren, dass man die „Durststrecke“ bis zur Auszahlung überbrücken kann. Die staatliche Förderung von 66% kann gesteigert werden, wenn z.B. der Film „jugendfrei“ ist, auf einem Festival einen Preis gewinnt, bzw. ein für die spanische Gesellschaft wichtiges Thema behandelt, dieser „Themenkatalog“ ist sehr breit gefasst, denn es ist so gut wie jedes Thema wichtig für die spanische Gesellschaft. Reine Werbe-, Industrie-, oder Pornofilme, ohne Spielhandlung, werden nicht gefördert. Für Filme ab 2 Millionen Budget und mehr gibt es dann, ähnlich wie im Resteuropa, eine Förder- und Auswohlkommission. Weiters sind die Gagen und die Mieten für z.B. filmtechnisches Gerät vom Budget des Films abhängig, je billiger der Film umso weniger muss bezahlt werden.

Filmtipps aus österreichischer Sicht:

Imax Daugter of Dismay, Regie: James Quinn, 9 min, Format: Imax
Zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=EmAnhHOJ3bI
Zum Film auf IMDB: https://www.imdb.com/title/tt8544910/?ref_=fn_al_tt_1
Portae Inferrnales, Gemeinschaftsregiearbeit von: Herbert Gantner, Philip Lilienschwarz, Markus Wimberger, mit: Helmut Berger, Erwin Leder u.v.a., 116 min, 1,85:1, zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=yegF3yQ3Hd4
Zum Film auf IMDB: https://www.imdb.com/title/tt10873728/?ref_=nv_sr_1?ref_=nv_sr_1

Vielen Dank an Heinz Olbrich und viel Erfolg für „Fright Nights“ 2019 im schönen Oberösterreich!

Links: 
https://frightnights.wordpress.com/

Newsletter Anmeldung!

Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen