Universität Klagenfurt
Alexandra Schwell zum Thema Corona-Virus und Dringlichkeit

Kulturanthropologin Alexandra Schwell erklärt ihre Ansicht zum Thema Corona-Virus.
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Kulturanthropologin Alexandra Schwell beschäftigt sich mit Sicherheitsforschung und spricht über ihre Wahrnehmung der aktuellen Situation rund um das Corona-Virus. Sie erklärt ihre Definition von Dringlichkeit und woher das starke Kommunikationsbedürfnis der Gesellschaft kommt.

KLAGENFURT. Für die Kulturanthropologin ist die Reaktion der Menschen auf die aktuelle Situation keine Überraschung. Anfangs, als das Virus sich lediglich in China ausgebreitet hat, hat man noch Witze gemacht und es als anderer Leute Dringlichkeit eingestuft. Jetzt wo das Virus bei uns angekommen ist, beschäftigt es die Österreicher doch. Auch an ihr geht das Thema nicht vorbei: „Obwohl ich eigentlich nicht von der Panik erfasst bin, habe ich dann doch festgestellt, dass ich nicht die letzte sein will, die vor dem leeren Klopapierregal steht. Daher habe ich dann doch eine Einkaufsliste geschrieben."

Österreich im Risikomodus

Nach Schwell befinden wir uns im Risikomodus. „Die getroffenen Maßnahmen sollen dazu führen, dass wir nicht den Punkt eines totalen Ausnahmezustandes erreichen. Als Krise bezeichnen wir SicherheitsforscherInnen den Punkt, an dem die Situation kippen kann und Gefahr läuft, nicht mehr steuerbar zu werden. Dann hat man auch kein Szenario in der Zukunft mehr vor Augen, an dem man die Handlungen ausrichten kann."

Schwells Definition von Dringlichkeit

„Wenn ich eine Sache als dringlich definiere, schreibe ich ihr einen bestimmten Wert zu. Ich muss demnach jetzt etwas tun, damit ein bestimmtes Zukunftsszenario nicht eintritt. Ich stelle also einen Bezug zwischen der Gegenwart und der Zukunft her." Die Entwicklung der Zukunft ist jedoch mehr oder weniger Gegenstand von Prognosen und Spekulationen. „Zukunftsszenarien können sich unterschiedlichen AkteurInnen auch ganz unterschiedlich darstellen." Schwells Forschung beschäftigt sich mit genau dieser Unsicherheit, weil in diesen Zeiten üblicherweise Verschwörungstheorien und Horrorszenarien aufkommen und man mehr als sonst darüber kommuniziert. Dieses Kommunikationsbedürfnis entsteht aufgrund von emotionaler Aufladung. „Niemand weiß, was passieren wird. Das befördert die Phantasie. Mit den Emotionen möchte man dann nicht alleine sein, sondern sie in Relation zu anderen Einschätzungen setzen."

Die Solidarität könnte leiden

Laut der Kulturanthropologin können die Menschen in diesem Zustand verbleiben, solange die grundlegenden Bedürfnisse gestillt werden. Die Frage stellt sich jedoch, wie lange schwächere Personen und Menschen mit weniger Möglichkeiten unterstützt werden. 

Für die Krisenbekämpfung gerüstet

China, ein zentralistischer Staat, ist es gelungen, den Virus einzudämmen. Auch unser Staatssystem ist gut gerüstet, um mit der aktuellen Situation umzugehen, so Schwell. „Die aktuelle Bedrohungslage ist aber insofern nicht objektiv, als wir auch nicht in allen Ländern dieselben Reaktionen darauf sehen. Die Zahlen halten uns Fakten vor Augen, sie können aber unterschiedlich interpretiert werden. In Deutschland ist man beispielsweise noch deutlich zurückhaltender als in Österreich."

“Wir Österreicher müssen zusammenhalten"

Fakt ist, dass momentan eine starke Nationalisierung vorherrscht, beschreibt Schwell. „Wir leben in Zeiten der Globalisierung und der internationalen Vernetzung, was auch die Verbreitung des Virus begünstigt hat. Die Antworten sind vielfach national, auch in Bezug auf eine Re-Nationalisierung von Identitäten: Wir ItalienerInnen oder wir ÖsterreicherInnen müssen zusammenhalten."

Die Kulturanthropologin sei gespannt darauf wie sich die aktuelle Lage weiterentwickeln wird und was die Menschheit aus dieser Situation für das Leben nach dem Virus mitnehmen könnte.

Autor:

Julia Dellafior aus Klagenfurt

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