Rotes Kreuz Klagenfurt Stadt und Land
"Die Lage kann sich täglich ändern"

Philip Kucher ist Bezirksstellenleiter des Roten Kreuzes Klagenfurt Stadt und Land, Abgeordneter zum Nationalrat und Bereichssprecher für Gesundheit
  • Philip Kucher ist Bezirksstellenleiter des Roten Kreuzes Klagenfurt Stadt und Land, Abgeordneter zum Nationalrat und Bereichssprecher für Gesundheit
  • Foto: Martin Hofmann
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Rot-Kreuz-Bezirksstellenleiter Philip Kucher appelliert an jeden einzelnen, Teil des "Teams Gesundheit" zu werden.

KLAGENFURT STADT & LAND (chl). Rot-Kreuz-Bezirksstellenleiter und Nationalrats-Abgeordneter Philip Kucher über die aktuellen Aufgaben seiner Mitarbeiter und seinen persönlichen Zugang zur Krise.

WOCHE: Corona hat quasi unser Leben auf den Kopf gestellt. Was hat sich beim Roten Kreuz verändert? 
Philip Kucher: Das Rote Kreuz ist für die Menschen in unserem Land da. Der Rettungsdienst, die mobile Pflege und Betreuung, der Essens-Zustelldienst und das Blutspenden finden weiter wie gewohnt statt. Unsere Dienstpläne sind besetzt und wir helfen, wo Hilfe gebraucht wird.
Unser Besuchsdienst, die Hospiz- und Trauerbegleitung sowie die Erste-Hilfe-Kurse sind zum Schutz der Bevölkerung derzeit eingestellt. Neu sind die mobilen und stationären Testungen für Menschen, die sich womöglich mit Corona infiziert haben und die vom Roten Kreuz durchgeführt werden.


Wie reagieren die Mitarbeiter auf die Lage? 
An dieser Stelle möchte ich mich beim gesamten Rot-Kreuz-Team bedanken, die in dieser herausfordernden Situation wirklich Unglaubliches leisten! Alle sind sehr konzentriert, immer bereit, zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Die Arbeit bleibt ja grundsätzlich immer die gleiche – Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen. Die Mitarbeiter sind entsprechend geschult und ausgebildet, um mit dieser Situation umzugehen. Selbstverständlich ist es möglich, dass die psychische Belastung für Einzelne höher ist; dafür gibt es in der psychosozialen Betreuung eigens ausgebildete Mitarbeiter, an die man sich wenden kann. Grundsätzlich gibt es genau vorgeschriebene Abläufe in allen Bereichen, wo wir mit Patienten zu tun haben.

Gibt es eine Verschiebung der Akut-/Unfalleinsätze?
Durch das reduzierte Verkehrsaufkommen sind merkbar weniger Unfälle, auch im Arbeitsbereich, zu verzeichnen. Ansonsten sind die Einsatzgründe jahreszeitentypisch. Jemand erleidet einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, hat Atemprobleme, oder ein Kind kommt auf die Welt – da hat sich nichts verändert.
Im Rettungsdienst gelten ohnehin klar definierte und hohe Hygiene-Standards beim Transport von Patienten, die verpflichtend einzuhalten sind. Beim Transport von Menschen, die sich womöglich mit Corona infiziert haben, sind diese Standards noch einmal höher. Um den umfassenden Schutz des Rettungspersonals gewährleisten zu können, ist das Tragen einer entsprechenden Schutzkleidung vorgesehen. Es ist genau definiert, wie mögliche CoVid-Infizierte ins Krankenhaus gebracht werden müssen.


Wie sieht der Alltag in der Einsatzstelle aus?
Aufgrund des Umbaus unserer Rot-Kreuz-Bezirksstelle haben wir bereits vor der aktuellen Situation in drei Übergangsstandorten aufgeteilt zusammengearbeitet. Neben den immer einzuhaltenden Hygienevorschriften gibt es derzeit weitere Maßnahmen, um unsere bestmöglich zu schützen: Beispielsweise gibt es keine gemeinsamen Kaffee- und Essenspausen.
Wir sind immer gut vernetzt mit unseren Kollegen in anderen Bezirken. Über die Landes-Einsatzleitung und die Bezirks-Rettungskommandos herrscht beim derzeitigen Einsatz ein noch intensiverer Austausch mit täglichen Lageberichten.

Wie lange werden die Einschränkungen bzw. die Corona-Gefahr andauern?

Prognosen abzugeben, erweist sich derzeit als wirklich schwierig, weil sich die Lage täglich ändern kann. Es wird abzuwarten sein, wie die bisher gesetzten Maßnahmen wirken.

Wie lautet ihr persönlicher Appell zur Situation?

Wir alle sollten Teil des „Teams Gesundheit“ werden, sprich mithelfen, dass das Virus sich nicht weiter ausbreitet. Am wichtigsten ist es, die bekannten Maßnahmen zur Unterbindung von Erkrankungen zu beachten – dazu gehört vor allem Händewaschen und das Vermeiden des Kontakts mit erkrankten Personen. Man soll sich an die Vorgaben der Behörden halten und zu Hause bleiben, wenn es möglich ist.

ZUR SACHE
Mitarbeiterstand Rotes Kreuz in den Bezirken Klagenfurt Stadt und Land: 901 Freiwillige sowie 132 berufliche MitarbeiterInnen.

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